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Gold für Nikelis (Tischtennis) und Dietz (Diskus)

Paralympics: Usain Bolt schwärmt via Twitter von den „wahren Champions“. Und Nikelis weiß jetzt, warum es auch seine guten Seiten hat, behindert zu sein.

Holger Nikelis völlig losgelöst

Goldener Wochenbeginn für das deutsche Paralympics-Team in London: Erst triumphierte Diskuswerfer Sebastian Dietz, dann brachte Tischtennis-Ass Holger Nikelis die Halle zum Kochen. Und dann gab es das Sonderlob eines Supersportlers: „Einfach inspirierend! Bei den paralympischen Spielen findet man die wahren Champions“, twitterte der sechsmalige Leichtathletik-Olympiasieger Usain Bolt.

Cooler Nikelis mit Freudentränen

Holger Nikelis (RSC Köln) streckte nach dem verwandelten Matchball die Faust in die Höhe. Der letzte Punkt zum verdienten 3:1-Sieg (11:4, 11:6, 3:11, 11:6) gegen den Franzosen Jean-Francois Ducay bedeutete für den Kölner Gold – zum zweiten Mal nach 2004 in Athen. Mit Nikelis und Ducay trafen in der Wettkampfklasse 1 die beiden Rollstuhl-Tischtennisspieler aufeinander, die sich den Platz an der Spitze der Weltrangliste teilen. “Wenn sich zwei Gegner so gut kennen, wird Tischtennis so taktisch, dass man es ein bisschen mit Schach vergleichen kann”, sagte Nikelis.

Doch Nikelis (seit einem Badeunfall im Spanienurlaub 1995 ab dem sechsten Halswirbel abwärts gelähmt) unterstrich von Beginn an seine gute Form, spielte starke Bälle und ließ den Franzosen nicht in die Partie kommen. Die ersten beiden Sätze dominierte der 34-Jährige klar, dann nahm Ducay eine Umstellung vor und schnappte sich den dritten Satz.

„Wir haben reagiert und die Taktik geändert. Das hat gefruchtet. Holger hat tolle Aktionen gesetzt“, lobte Rollstuhl-Trainer Charly Weber. Der sonst so coole Nikelis war nach seinem Triumph vollkommen gelöst und jubelte mit Freudentränen in den Augen. „Nach dem Matchball ist die Anspannung der letzten Tage, Wochen und Monate abgefallen. Es ist unglaublich, dass es wieder mit Gold geklappt hat. Ich war sehr fokussiert auf diesen Tag, jetzt kann ich ihn genießen“, berichtete der Deutsche. „Ich kann das noch gar nicht glauben, es ist unbeschreiblich, der Franzose war der Schwerste im Feld“, sagte Nikelis, der schon vor acht Jahren in Athen im Einzel triumphiert hatte. „Hätte ich die Behinderung nicht, würde ich so etwas nicht erleben.“

Bundestrainer Wieland Speer fügte hinzu: „Es ist einfach bemerkenswert, wie Holger als Weltmeister und Weltranglistenerster mit dieser Situation umgegangen ist. Er hat seine Leistung bestätigt und dem Druck standgehalten.“

Vor den Augen von Familie und Bekannten sowie seinem langjährigen Heimtrainer Michael Meißner vom RSC Köln lieferte Nikelis eine souveräne Vorstellung ab und begeisterte mit unerreichbaren Bällen mit viel Schnitt. Meißner: „Es ist der Lohn für die harte Arbeit. Holger hat auf den Punkt die richtigen Entscheidungen getroffen und die richtigen Bälle gespielt.“

Wollmert zeigt sich als großer Sportsmann

Für die deutschen Paralympioniken ist die Londoner Excel-Arena ein gutes Pflaster. Im Tischtennis feierte das deutsche Team im Einzel bereits die dritte Medaille – und nach Jochen Wollmert am Sonntag die zweite in Gold.

Knapp an Edelmetall vorbeigeschrammt ist Stephanie Grebe vom BSG Neumünster (WK 6). Die 24-Jährige zeigte großes Kämpferherz und bot der Weltranglistenzweiten Yuliya Klymenko (Ukraine) im Duell um Bronze bis zum Schluss Paroli, musste sich bei ihrer Paralympics-Premiere aber knapp mit 1:3 (9:11, 11:7, 5:11, 9:11) geschlagen geben. Im vierten Satz hätte Grebe, der Gließmaßen an beiden Armen fehlen, das Spiel fast noch ausgeglichen, als sie eine sensationelle Aufholjagd von 2:8 auf 9:10 hinlegte. „Ich habe alles gegeben. Natürlich bin ich etwas enttäuscht, aber es hat großen Spaß gemacht. 2016 werde ich wieder angreifen“, betonte Grebe. Trainer Hannes Doesseler sagte: „Sie hat eine Duftmarke gesetzt und ihre Nominierung absolut gerechtfertigt.“ Nach einem Ruhetag am Dienstag starten am Mittwoch die Teamwettbewerbe.

„Wollmert und Nikelis sind absolute Profis, bei solchen Events bringen sie 120 Prozent“, lobte Trainer Karl-Heinz Weber die erfolgreichen Athleten an der Platte. Jochen Wollmert, dessen Hand- und Fußgelenke steif sind, war in der Nacht ein lautstarker Empfang im Deutschen Haus in London bereitet worden. Die Briten feierten am Montag in den Gazetten Wollmert als großen Sportsmann, weil er den Londoner William Bayley nach seinem Triumph so rührend getröstet hatte.

Gold für Dietz mit 38,54 Metern

Sebastian Dietz: Nicht zufrieden – und dennoch Gold.

Im Olympiastadion setzte sich der nach einem Autounfall vor acht Jahren zum Teil gelähmte Dietz mit einer Weite von 38,54 Metern durch und feierte den größten Erfolg seiner Karriere. „Das ist das Größte, einfach wunderschön“, sagte der 27-jährige Herforder mit Tränen in den Augen und zitternder Stimme.

„Ich habe mir einen Traum erfüllt“, jubelte Sebastian Dietz, nachdem er in der Startklasse T35/36 die Goldmedaille gewann. Bereits vom ersten Versuch an war der Athlet vom SV Ahle auf Goldkurs, und von diesem ließ er sich nicht einmal durch den Chinesen Wenbo Wang beirren, der im zweiten Versuch 28 Zentimeter weiter warf.

„Ich habe im Verlaufe des Wettkampfs gemerkt, dass ich meinem Traum immer näher komme. Das hat mich schon ein bisschen nervös gemacht“, gestand Sebastian Dietz. Es gelang ihm jedoch, die Nerven im Zaum zu halten und sich weiter voll und ganz auf seine Würfe zu konzentrieren. „Ich hatte zwar nicht meinen besten Tag und habe ab dem vierten Versuch nur noch aus den Armen gerissen. Ich wollte unbedingt weiter werfen, weil ich weiß, dass ich das kann“, analysierte er. Gereicht hat es am Ende trotzdem. Seine Siegesweite von 38,54 m aus dem dritten Versuch konnte von keinem seiner Konkurrenten mehr übertroffen werden.

Die Silbermedaille ging an Olaksii Pashkov aus der Ukraine mit 37,89 m, Bronze gewann der Chinese Wenbo Wang mit 37,87 m.

(DBS/dpa/dapd)


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