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Oscar Pistorius und die „Technik-Doping“-Debatte – mal anders

Nach der überraschenden Pleite über 200 Meter hat der Paralympics-Star Pistorius heftige Kritik an den Regeln der IPC geübt. Und sich bei Sieger Alan Oliveira entschuldigt.

Oscar Pistorius (Archivfoto: während der Olympischen Spiele in London, dpa)

Vor gut vier Jahren weinte Oscar Pistorius vor Glück. Ihm war erlaubt worden, trotz Beinprothesen bei Wettkämpfen für Nichtbehinderte zu starten. Durch seine Karbonstelzen habe der Südafrikaner keine irregulären Vorteile. Am Sonntag kochten wieder die Emotionen über, nach Jubel war Pistorius aber nicht zumute.

„Das ist absolut lächerlich“, schimpfte der Star nach dem 200-Meter Rennen bei den Paralympics, das er überraschend gegen den Brasilianer Alan Oliveira verloren hatte. Nach Ansicht von Pistorius und auch anderer Rivalen sind Oliveiras Unterschenkelprothesen zu lang. „Wir laufen hier kein faires Rennen“, sagte der viermalige Paralympics-Champion. Oliveira reagierte enttäuscht auf die Aussagen des weltweit prominentesten Behindertensportlers: „Er war bisher mein großes Idol. Aber es ist einfach nur traurig, dass er solche Sachen sagt.“

Ausgerechnet Pistorius stößt damit eine weitere Fairness-Debatte bei den Behindertenspielen an und bringt das Internationale Paralympische Komitee IPC in Erklärungsnot. „Die Länge der Stelzen basiert auf einer Formel aus Größe und Dynamik des Athleten“, sagte ein Verbandssprecher heute. „Alle Sportler sind vor dem Wettkampf von einem Klassifizierer vermessen und zugelassen worden.“

“Kein normaler Mensch hat solche Unterschenkel“

An der Chancengleichheit zweifelt aber nicht nur Pistorius. „Da gibt es einige Dinge, die extrem fragwürdig sind – lange Unterschenkel, lange Feder“, meinte der siebtplatzierte Leverkusener David Behre. Der Schweizer Christoph Bausch, der auf Rang sechs gelandet war, bezog noch eindeutiger Stellung: „Kein normaler Mensch hat solche Unterschenkel – das muss man einfach sehen.“

Rund zehn Zentimeter zu lang seien die Hightech-Prothesen von Oliveira, lautete die Kritik. „Ich kann mit seiner Schrittlänge einfach nicht mithalten“, meinte Pistorius, der sich am Montag für seinen Wutausbruch unmittelbar nach dem Rennen entschuldigte. „Ich wollte niemals den Moment des Triumphes eines anderen Athleten schmälern“, hieß es in einem Statement. „Das war die Stunde von Alan, und ich möchte deutlich machen, welchen Respekt ich vor ihm habe.“

Beim IPC auf „taube Ohren gestoßen“

„Techno-Doping“ ist im Behindertensport vor allem durch Pistorius und dessen Leistungen ein Thema. Im Vorfeld habe der Südafrikaner mit dem IPC über die Regeln sprechen wollen. „Da stößt man auf taube Ohren“, kritisierte er. Pistorius will weiter mit dem Weltverband diskutieren.

Die Emotionalität hätte er sich womöglich selbst ersparen können, denn neben all dem Technik-Wirrwarr bleibt auch, dass Pistorius im Finale nicht an seine Weltrekordzeit vom Vorlauf herankam. Die Bestmarke hätte für das erwartete erste Gold gereicht.

(Manuel Schwarz/Michael Donhauser/dpa)


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