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Die verlorene Ehre der Bettina Wulff

Wie die Ottobock-Paralympics-Botschafterin und ehemals jüngste Präsidentengattin Deutschlands in die Offensive geht.

Ottobocks Orthopädietechniker Wolid Sharif erklärt im Berliner Science Center der Paralympics-Botschafterin Bettina Wulff eine Beinprothese. (Foto: Britta Pedersen dpa/lbn)

Auch von ROLLINGPLANET hat Bettina Wulff schon einige Schlagzeilen mitbekommen – aber absichtlich haben wir nie die Gerüchte erwähnt, die im Internet gestreut wurden. Heute können wir sie aufgreifen – weil Bettina Wulff inzwischen selbst darüber spricht.

Ein gutes halbes Jahr nach dem Rücktritt von Christian Wulff als Bundespräsident ist seine Gattin öffentlich präsenter denn je. PR-Frau Bettina Wulff zeigt sich bei Charity-Terminen, lässt sich als Botschafterin für Ottobock bei den Paralympics in London mit Prothesen ablichten („Ich finde es beeindruckend, wie die Paralympics zu einem unverkrampften Umgang mit dem Thema Behinderung beitragen. Wenn ich helfen kann, arbeite ich gern daran mit“) und setzt sich nun mit Verve gegen Gerüchte über ihr Vorleben zur Wehr, die seit Monaten längst nicht nur mehr im Internet kursieren. Bettina Wulff wird sich auch künftig nicht aus den Schlagzeilen verdrängen lassen. Demnächst soll ein Buch von ihr erscheinen.

Als Christian Wulff 2010 zum Bundespräsidenten gewählt wurde, war seine 15 Jahre jüngere Frau Bettina die jüngste „First Lady“, die Deutschland je hatte. Den Titel fand die sportliche Frau mit dem Tattoo auf der Schulter damals „ziemlich abstrakt“. Als Frau des Staatsoberhauptes habe sie aber die große Chance, „bestimmte Themen in die Öffentlichkeit zu tragen“.

Ihr Handwerk hatte die selbstbewusste und clevere Öffentlichkeitsarbeiterin als Pressesprecherin des Reifenherstellers Continental und als PR-Assistentin bei der Drogeriekette Rossmann gelernt. Auch als First Lady scheute sie die Kameras nicht. Sie brachte Glamour ins Berliner Schloss Bellevue, stand für ein modernes Familienbild und formulierte konzentriert und druckreif.

Sie ist “ihr eigener Chef”

In der peinlichen Schnäppchenaffäre um Christian Wulff zeigte die Mutter zweier Kinder Haltung und Mut. Inzwischen hat sie sich offenbar mit einer PR-Agentur selbstständig gemacht. „Ich fühle mich frei, weil ich mein eigener Chef bin“, sagte die 38-Jährige dem Magazin „Focus“.

Mit Unterlassungsklagen beim Hamburger Landgericht gegen den Fernsehmoderator Günther Jauch (der hatte aus einem fragwürdigen Artikel der „Berliner Zeitung“ zitiert) und gegen den Google-Konzern geht Bettina Wulff nun gegen die Verbreitung von Gerüchten über ihr angebliches Vorleben als Prostituierte vor. Jauch hat inzwischen über seinen Anwalt eingewilligt, entsprechende Anspielungen nicht zu wiederholen.

Die Denunziationen sind schon seit Monaten im World Wide Web allgegenwärtig. „Bettina Wulff war mir egal“, sagt laut einem Artikel der „Süddeutschen Zeitung” eine Bloggerin, die in regionalen FDP-Gremien sitzt, und das Gerücht zehn Tage vor der Präsidentenwahl im Juni 2010 mit auf den Weg gebracht hat. Der Zeitpunkt von Wulffs Befreiungsschlag deutet daher darauf hin, dass die studierte Medienwissenschaftlerin auch publizistisch in die Offensive gehen will.

Demnächst wird die Ex-First Lady im Münchner Riva-Verlag ein Buch über ihr Leben veröffentlichen. Angeblich ist eine sechsstellige Auflage geplant. Ob Bettina Wulff das mediale Umfeld sonderlich geschickt gewählt hat, darf allerdings bezweifelt werden. Verkaufsschlager des Münchner Verlages sind nicht nur Werke wie “Die fabelhafte Welt der Leichen” oder “Böser Engel – Die wahre Geschichte der Hells Angels”, sondern auch die Lebensbeichte des früheren Berliner Rotlichtkönigs und derzeitigen Häftlings Detlef Uhlmann: “Mein Leben als Chef von Deutschlands edelstem Bordell”.

„Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ ist eine 1974 erschienene Erzählung von Heinrich Böll. Sie beschreibt, wie eine bisher unbescholtene Frau Opfer der menschenverachtenden Berichterstattung wird. Sie wird über einen längeren Zeitraum mehrfach in verschiedenen Varianten als eiskalt und berechnend verunglimpft und damit vor ihrem gesamten Umfeld bloßgestellt. In der Folge erhält sie zudem eine Vielzahl von obszönen, hasserfüllten und beleidigenden anonymen Anrufen und Briefen. Nachdem als Folge der Ereignisse auch noch ihre bereits zuvor schwerkranke Mutter stirbt, tötet sie schließlich aus Wut und Verzweiflung den verantwortlichen Reporter.

(Nikolaus Sedelmeier/dapd/RP)

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