Reisen
Eine Wanderung mit blinden und sehenden Menschen
Mitglieder der Selbsthilfeorganisation Dogxaid und des Alpenvereins waren unterwegs in den Schladminger Tauern. Von Alexander Spörr
Fotos: Dogxaid e.V./Alexander Spörr/Magdalena Pöllmann
Zufrieden blicken die Organisatoren von Dogxaid e.V., Selbsthilfeorganisation der Blindenführ- und Servicehundehalter auf das in Zusammenarbeit mit dem Alpenverein, Ortsgruppe Pocking durchgeführte Hüttenwochenende und die damit verbundene Bergtour zurück. 13 Gleichgesinnte trafen sich in Begleitung zweier Blindenführhunde an der Vögeialm im Österreichischen Forstau im Bereich der Schladminger Tauern. Von dort ging es zu Fuß hinauf zum Quartier, der in 1.860 m Höhe gelegenen Oberhütte am See.
Am nächsten Tag wartete eine anspruchsvolle Tour auf das Bergteam. Jeder der vier blinden Wanderer schloss sich einem der sehenden Freunde an und wurde von diesem sicher bergauf und –ab durch die die alpine Landschaft und über unebenes Kalksteingeröll geführt. Bei schwierigen Passagen waren die restlichen sehenden Mitwanderer der Gruppe zur Stelle. Sie agierten stets umsichtig und gaben zusätzliche Hilfe. So bildeten zum Beispiel eine Bachüberquerung oder die Überwindung steilerer Felsabschnitte keine Hürde.
Bei der Akarscharte auf 2.315 m Höhe gönnte sich die Wandertruppe eine stärkende Rast und ein ausgiebiges Sonnenbad. Aus Zeitgründen war es leider nicht möglich, die Tour bis zum Gipfelkreuz der Lungauer Kalkspitze (2.471 m) fortzusetzen. So wurde gemeinsam entschieden, ohne Stress den Rückweg durch das Hochtal anzutreten.
Naturerlebnis für alle Teilnehmer
Während die sehenden Begleiter aufgrund der traumhaften Wetterlage atemberaubende Ausblicke über die Landschaft und ein herrliches Bergpanorama genießen konnten, ließen die vier blinden Mitwanderer die Klänge der Natur auf sich wirken, warteten auf das Pfeifen der Murmeltiere und machten sich tastend ein Bild von der in dieser Höhe herrschenden spärlichen Vegetation.
Am Oberhüttensee ließ die Gruppe die Wanderung gemütlich ausklingen und wir stießen mit unserem Gipfelwasser auch auf das 5-jährige Bestehen des Vereins Dogxaid e.V. an. Die zwei Blindenführhunde hatten noch genügend Power, sich glückselig in den See zu stürzen und beim ausgelassenen Spiel die müden, am See lagernden Wanderer gleich mit zu erfrischen.
Beide Hüttenabende galten netten Gesprächen, bei denen das Lachen nie zu kurz kam. Und es wurden bereits erste Pläne für die nächsten gemeinsamen Aktionen geschmiedet.
„Uns Nichtsehenden ist unterwegs von zahlreichen uns begegnenden Naturfreunden Begeisterung und Bewunderung für unsere Wanderleistung entgegen gebracht worden“, zieht Peggy Jacob, blinde Mitwanderin und Vorstandsmitglied bei Dogxaid e.V., Bilanz, hebt aber hervor: „Ohne die phantastische Unterstützung unserer sehenden Freunde hätten wir das nicht in dieser Form meistern können! Derartige Erlebnisse schweißen zusammen. Das Wir-Gefühl hat gewonnen!“
Der Autor ist Vorsitzender von Dogxaid e.V.




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