Rollingplanet | Portal für Behinderte und Senioren

Banner-Schottland-fuer-alle

News & Berichte

anderStark: Engagiert, emotional, erotisch

Nach über einem Jahr Arbeit erscheint der Bildband “anderStark”, der Frauen mit muskulärer Erkrankung zeigt. Die Initiatorin Anastasia Umrik (25) erzählt, wie es dazu kam.

„Starke Frauen brauchen keine Muskeln” (Foto: anderStark)

In dem Fotoprojekt „anderStark“ stehen Frauen, die eine Muskelerkrankung haben, im Mittelpunkt. Das Motto lautet: „Starke Frauen brauchen keine Muskeln.“ Sie wurden in unterschiedlichen Lebenssituationen und Stimmungslagen und in diesen fünf Themenbereichen fotografiert: Portrait, Lifestyle, Emotionales, Erotik/Akt und Provokantes. Initiatorin Anastasia Umrik sagt:„Ziel des Projekts ist es, der zu Öffentlichkeit zu zeigen, dass Frauen trotz ihrer starken Einschränkung im Leben stehen, keine Angst vor Herausforderungen haben und das Leben zu leben verstehen. Das Denken der Gesellschaft soll sich verändern, die Menschen müssen beginnen umzudenken, über den Tellerrand schauen können und dürfen.“

Dabei ist ein Buch entstanden, das nun erschienen ist – man kann es auf der Webseite von “anderStark” bestellen. Kurios: Ein Verkaufspreis ist dort nicht angegeben (aber wir sind sicher, dass Anastasia uns den noch mitteilen wird). Das “anderStark”-Team wird außerdem auf der REHACARE-Messe in Düsseldorf anwesend sein, wo es ein Liveshooting mit der Fotografin Jessica Prautzsch gibt (am 12. und 13. Oktober um jeweils 14 und 17 Uhr, Stand 7/A12).

Initiatorin ist Anastasia Umrik, die am 9. Februar 1987 „irgendwo in der ehemaligen UdSSR“ geboren wurde und ihre Kindheit auf einem kleinen Bauernhof in der Nähe von Makinsk verbrachte. Sie erinnert sich und erklärt ihr Projekt „anderStark“:

“Es gibt nichts zu verstecken, und das sollen alle erfahren”

Anastasia Umrik

Schon bald wurde mir klar, dass ich anders als die Kinder im Dorf war: Ich konnte mich immer weniger selbstständig fortbewegen, bis ich schließlich nur noch in dem, von meinem Großvater selbstgemachten Sessel, sitzen konnte. Einen Rollstuhl hatte ich nicht – dafür fehlte sowohl das Geld, außerdem war mein Elternhaus nicht barrierefrei. Man dachte nicht an „solche Fälle“. Ein paar Jahre später kam ein neuer Lebensabschnitt auf die Familie zu, der das ganze Leben von mir (damals war ich sieben Jahre alt) verändern sollte.

Wir zogen als Spätaussiedler nach Deutschland, und es folgten für meine Familie etliche Behördengänge und für mich Operationen und Tests, bis schließlich die Diagnose ausgesprochen wurde: „Spinale Muskelatrophie. Ihre Tochter wird niemals wieder laufen können.“ Ich wurde auf eine sogenannte „Schule für Körperbehinderte“ geschickt. Ich sprach oft mit meinen damaligen Lehrern, dass ich gerne eine Regelschule besuchen würde und ich mich des öfteren im Unterricht langweile. Insbesondere in den Fächern Deutsch und Englisch wollte ich gerne mehr lernen.

Man sagte mir: „Wer soll dir aus der Jacke helfen? Wer soll dir die Türen aufhalten? Dort sind keine netten Kinder wie hier, man wird dich vielleicht ärgern und auslachen. Willst du das?“ – Ich wollte nicht. Nicht immer war ich so selbstbewusst wie heute, ich hatte Angst, abgelehnt und nicht gemocht zu werden. Ich blieb. Dadurch war ich allerdings weiterhin unterfordert und habe meinen Hauptabschluss gemacht. Mit der Hoffnung, endlich nicht mehr gelangweilt zu sein, machte ich auch noch den Realschulabschluss und begann in einem der größten Versandhäuser Deutschlands meine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau. Die Langeweile blieb.

Das nächste Ziel war klar: Abitur mit anschließendem Studium… Heute wohne ich in meiner eigenen Wohnung und studiere „Soziale Arbeit“, unterstützt durch die persönliche Assistenz. Obwohl ich mein Leben als sehr „normal“ bezeichnen würde, ist mir dennoch wohl bewusst, dass behinderte Menschen in der Gesellschaft leider immer noch nicht als „normal“ angesehen werden. Viele wissen nicht, wie man mit ihnen umgehen soll, wie man sie ansprechen soll, was man sagen darf (und was nicht)… und deswegen lassen es die meisten.

Eines Nachts, als ich sehr krank war, kam mir DIE Idee: Aussagekräftige Bilder, mit Ironie und Tiefgang, die dennoch zum Lächeln anregen. Konzept und konkrete Ideen hatte ich noch keine… bloß das Ziel war klar: Neue Wege, neue Möglichkeiten, neue Blickwinkel schaffen. Vielleicht könnte man eine Brücke zwischen den scheinbar unterschiedlichen Welten schaffen. So begann die kleine Erfolgsgeschichte von “anderStark”.

Im Rampenlicht (Foto: anderStark)

Doch was ist „anderStark“ genau? In dem Fotoprojekt „anderStark“ stehen Frauen, die eine Muskelerkrankung haben, im Mittelpunkt. Sie werden in unterschiedlichen Lebenssituationen und Stimmungslagen fotografiert, so dass man einen Einblick in das Leben einer körperlich eingeschränkten Frau bekommt.

Ziel des Projekts ist es, der zu Öffentlichkeit zeigen, dass Frauen trotz ihrer starken Einschränkung im Leben stehen, keine Angst vor Herausforderungen haben und das Leben zu leben verstehen. Das Denken der Gesellschaft soll sich verändern, die Menschen müssen beginnen umzudenken, über den Tellerrand schauen können und dürfen. Die meisten Menschen haben wenig mit schönen und starken körperbehinderten Frauen zu tun, sie haben Ängste, Unsicherheiten und große Hemmschwellen. Mit diesem Projekt soll versucht werden, die negativen Emotionen abzubauen. Es gibt nichts zu verstecken, und das sollen alle erfahren. Da für das Projekt keinerlei finanzielle Mittel zur Verfügung standen, machten sowohl die Models als auch die Fotografen alle unentgeltlich mit. Sie sagten: „Für eine gute Idee sollte man kein Geld verlangen!“

Infos:
www.anderstark.de
www.facebook.com/anderstark
www.nordstarter.org/anderstark


Auch ROLLINGPLANET bietet Menschen mit und ohne Behinderung die Chance, von einem Starfotografen in Szene gesetzt zu werden: MISS ANGEL 2012


Video

Print Friendly

Stichworte

Diesen Artikel mit anderen teilen

Über Rollingplanet

Wir sind seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, und in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, seit Januar 2012 online, ist Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein inklusives, von Menschen mit und ohne Behinderung ehrenamtlich irealisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Wenn Sie noch mehr ROLLINGPLANET wollen, empfehlen wir Ihnen unseren Newsletter (hier kostenlos registrieren) mit zusätzlichen Gewinnspielen und anderen Extras.

Was ist Ihre Meinung?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

ny7

Das sind wir

ROLLINGPLANET ist Deutschlands führendes Onlinemagazin für Menschen mit Behinderung, Senioren und Freunde. Tagesaktuell, unabhängig, kritisch. Und geil aufs Leben.

ROLLINGPLANET ist ein Non-Profit-Projekt, ehrenamtlich realisiert von Menschen mit und ohne Behinderung. Seit 1. Januar 2012. Weitere Infos: Über uns

12207-GHBB_Banner-120x600_v2

Tipp

Tipp-PfeilWenn Sie sich weiter unten auf dieser Seite befinden und wieder schnell nach oben kommen wollen: Einfach auf das schwarze Kästchen mit dem Pfeil – rechts unten am Bildschirm – klicken.
  • A A A


  • Nicht getunte E-Rollifahrer sind Behinderte mit beschränkter Haftung

    • Nicht getunte E-Rollifahrer sind Behinderte mit beschränkter Haftung

    Was Deutsche über sogenannte geistig Behinderte denken

    • Was Deutsche über sogenannte geistig Behinderte denken

    Und es hat gefunkt: Primitiver Samuel Koch hat eine Freundin

    • Und es hat gefunkt: Primitiver Samuel Koch hat eine Freundin

    Alleine auf eine Party gehen ist doof

    ziemlich-beste-begleiter-bigteaser
    Werbebanner der Firma Rehability
    Druck

    Neueste Parkplatzschweine

    • Falschparker/in: DO-MB 606 und DO-TE 8345
    • Falschparker/in: KS-AS 1308
    • Falschparker/in: KS-PK 25
    • Falschparker/in: KB-FD 88
    • Polizei auf Behindertenparkplatz: Ist das bayerische Inklusion?
    • Falschparker/in: WI-AQ 8615
    • Falschparker/in: COE-G 614
    • Falschparker/in: BOR-ZV 583

    Barrierefreie Hotels

    • Erstes Embrace-Hotel in der Schweiz
    • Verein „Ohne Barrieren“ eröffnet Hotel Sportforum in Rostock
    • Hotel am Kurpark (Bad Herrenalb)
    • Refugium am See (Teupitz)
    • Hotel Hanseatic Rügen & Villen (Ostseebad Göhren)
    • „So wie Du“ und nicht so wie die meisten Hotels
    • Alling: Lichtblick Hotel