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Gehörlose wollen als kulturelle Minderheit anerkannt werden

Erste Eindrücke von den 5. Kulturtagen der Gehörlosen, die heute in Erfurt begonnen haben. Von Michael Stürzenhofecker

Rudolf Sailer, Präsident des Gehörlosen-Bundes (Foto: Deutscher Gehörlosen Bund e.V.)

Hunderte Menschen diskutieren im Erfurter Messegelände angeregt über Kunst und Kultur. Dabei ist es mucksmäuschenstill. Hin und wieder kichert jemand, klackern Stöckelschuhe oder quietscht eine Gummisohle auf den Fliesen. Die meisten Besucher sind taub und unterhalten sich mit Gebärdensprache. Zum fünften Mal seit 1993 finden die Kulturtage des 30.000 Mitglieder zählenden Deutschen Gehörlosen-Bundes statt – diesmal von Donnerstag bis Samstag (22. September) in Thüringens Landeshauptstadt Erfurt (ROLLINGPLANET berichtete: Sie finden alle vier Jahre statt: Kulturtage der Gehörlosen erstmals in Erfurt).

50 Künstler stellen sich und ihre Arbeit vor. Dazu zählen Maler, Bildhauer und Filmemacher. Etwa 2.000 bis 3.000 Besucher werden erwartet. Die Sprache steht bei den diesjährigen Tagen unter dem Motto „Gebärdensprache: Eine Kultur mehr“ im Vordergrund.

„Wir möchten Gebärdensprache als Minderheitensprache anerkennen lassen“, sagt der Präsident des Gehörlosen-Bundes, Rudolf Sailer. Die gemeinsame Sprache schaffe eine eigene Identität. „Wir sehen uns nicht als Gruppe von Behinderten”, sagt der Präsident des Deutschen Gehörlosen-Bundes, Rudolf Sailer. Menschen, die Gebärdensprache sprechen, sollten als Minderheit und nicht als Behinderte betrachtet werden. „Wir sind eine Gemeinschaft mit eigener Kultur“, sagte er. Eine von vielen Kulturen in Deutschland, wie er betont.

Theater in Gebärden und Lautsprache

Holger-Hoppla Pester möchte die Kulturen zusammenbringen. Er ist Schulleiter einer Schauspielschule in Leipzig. Ende des Jahres will er ein Theaterstück aufführen, das sowohl in Lautsprache als auch in Gebärdensprache verstanden werden kann. „Ohne, dass ein Dolmetscher die ganze Zeit übersetzt“. Das Konzept sei zwar zunächst kompliziert gewesen, gehe aber auf. Mit einem Stand bei den Kulturtagen wirbt er um gehörlose Schauspieler.

Mehr zusammen, weniger getrennt, wünscht sich auch die erste Vizepräsidentin des Gehörlosen-Bundes, Christine Linnartz. Sie fordert, vermehrt Dolmetscher für Gebärdensprache auszubilden. Dadurch könnten Gehörlose am politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben. Recht auf einen Dolmetscher gebe es derzeit nur am Arbeitsplatz, kritisiert sie. Der zweite Vizepräsident des Bundes, Alexander von Meyenn, spricht sich für eine stärkere Inklusion im Bildungssystem aus. Demnach soll es eigene Schulen für Gehörlose geben, die auch Hörende besuchen könnten – ähnlich wie bei fremdsprachlichen Schulen.

In einer vorherigen Version dieses Artikels, der sich auf Agenturquellen stützte, war Pressesprecherin Cornelia von Pappenheim grundlagend falsch verstanden und zitiert worden. Wir haben diesen Absatz deshalb entfernt.

(dapd)

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