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Neurologisch erkrankt? Darüber lachen wir!

Humor und schwere Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder Schlaganfall: Passt das zusammen? Auf einer Neurologen-Tagung zeigt der Kabarettist Eckart von Hirschhausen, wie das gehen soll. Von Christiane Löll

Archivfoto: Eckart von Hirschhausen während der “Night of Innovation” am 10.8.2012 in Essen (Foto: Caroline Seidel/dpa)

„Das Gehirn kommt ohne Gebrauchsanweisung. Daher gehen die meisten falsch damit um und sagen sich: Ich möchte mir das lange frisch erhalten, indem ich es möglichst selten einsetze. Quatsch“, sagt der Kabarettist Eckart von Hirschhausen heute bei der offiziellen Eröffnung der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Hamburg. Der Saal im Congress Centrum Hamburg ist gut gefüllt. Hirschhausen, selbst Mediziner, hat die Lacher auf seiner Seite.

Die Veranstalter haben von Hirschhausen eingeladen, um das Thema „Gesunderhaltung des Gehirns“ in die breite Öffentlichkeit zu bringen. „Mehr als 600 Menschen erleiden täglich in Deutschland einen Schlaganfall“, sagt Tagungspräsident Prof. Christian Gerloff vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „Ein Drittel überlebt das nicht, die Mehrzahl trägt eine Behinderung davon. Wäre die Bevölkerung über Risikofaktoren, Symptome und vorbeugende Maßnahmen besser informiert, könnten unzählige Menschenleben gerettet werden.“

Schlaganfallrate könnte halbiert werden

Eckart von Hirschhausen (Mitte) hält schon wieder das Ding in der Hand, das ohne Gebrauchsanleitung geliefert wird. Neben ihm Prof. Christian Gerloff (l.) und Wolfgang Oertel (r.), Direktor der Klinik für Neurologie an der Philipps Universität Marburg, heute während einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). (Foto: Daniel Bockwoldt/dpa)

Hinter der Einladung von Hirschhausens steckt aber auch ein Anliegen, mit dem die Neurologen zu kämpfen haben: Menschen mit einem Schlaganfall leiden davor oft an Bluthochdruck, Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen – Erkrankungen, die das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen.

„Würde der Bluthochdruck in Deutschland vollständig behandelt, sänke die Schlaganfallrate um die Hälfte“, sagt Prof. Matthias Endres von der Universitätsmedizin Berlin. Doch: Im Raum stehen Zahlen, dass nur die Hälfte aller verordneten Arzneimittel in Deutschland tatsächlich eingenommen wird. Was können die Ärzte also tun, damit die Patienten ihre Medikamente nehmen und gesundheitsfördernde Ratschläge befolgen?

Das Dilemma bei der Vorbeugung von Krankheiten sei, „dass man immer den falschen Leuten predigt“, wie in der Kirche, sagt von Hirschhausen. Nämlich jenen, die ohnehin schon vieles über Gesundheit wüssten. Man müsse auch die anderen erreichen, und mit einfacheren Worten über Krankheiten und die positiven Aspekte von Medikamenten reden als Mediziner dies oft täten.

Neuer Umgang mit Schmerztherapie

Auf dem Kongress gehen die Mediziner auch der Frage nach, wie die Erwartungshaltung von Patienten die Wirkung einer Schmerztherapie beeinflusst. „Sehr häufig stehen Ärzte vor dieser Situation, dass eine Arznei nicht die gewünschte schmerzlindernde Wirkung zeigt“, sagt die Neurologin Ulrike Bingel vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Man steige dann um und probiere einen anderen Wirkstoff. Dabei werde jedoch oft vergessen, dass der Patient, die Erfahrung, die er mit dem ersten Medikament gemacht hat, auf die Folgearznei übertragen könne. „Die Erwartung kann sich positiv oder negativ auswirken, je nachdem, welche Erfahrungen man vorher gemacht hat.“

Bingel stellt unter anderem Ergebnisse einer kleinen Studie vor: Die Probanden bekamen im ersten Studienabschnitt Hitzereize an beiden Armen. „Auf einem Arm hatten sie ein Pflaster, auf dem anderen Arm keines“, erklärt Bingel. Die eine Gruppe erhielt nun auf dem Pflasterarm weniger Hitze als auf dem anderen Arm, und gab dort weniger Schmerzen an. „Die Probanden machten also eine gute Therapieerfahrung mit dem Pflaster“, sagt Bingel. Bei den anderen Studienteilnehmern blieb der Schmerzreiz auf beiden Armen gleich, weil die Hitze nicht nach unten reguliert wurde – für sie war das Pflaster wirkungslos.

Nicht nur Pharmakologie, sondern auch Bewusstsein zählt

Im zweiten Teil der Studie wurde der Effekt mit einer Salbe untersucht: Beide Gruppen bekamen sie auf je einen Arm geschmiert, und die Temperatur wurde reduziert. „Eigentlich hätten beide Gruppen von weniger Schmerzen berichten müssen. Dem war aber nicht so: Die Probanden mit der schlechten Therapieerfahrung gaben deutlich mehr Punkte auf einer Schmerzskala an“, sagt Bingel. „Diese und andere Ergebnisse zeigen, dass es bei einer Schmerztherapie nicht nur um rein pharmakologische Aspekte geht, wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig es ist, dass die Patienten frühzeitig eine gute Erfahrung mit einer Behandlung machen.“

(dpa)

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