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Überraschender Sieger: Gerd Schönfelder ist „Champion des Jahres“

Obwohl er bereits zurückgetreten ist, gewann der Skirennfahrer als erster Behindertensportler diese Wahl – vor drei Olympiasiegern (darunter Robert Harting).

Gerd Schönfelder (Foto: dpa)

Seine Karriere war so einzigartig wie der Typ selbst. Doch auch nach seinem Rücktritt unmittelbar nach Vancouver 2010 ist der 16-fache Paralympics-Sieger Gerd Schönfelder mit dem Kampfname „Stier von Kulmain“ als Tausendsassa überall präsent – wie sich heute Abend einmal mehr zeigte.

Es gibt kaum etwas, was der 42-jährige Bayer nicht mitmacht. Fußball spielen, flott Autofahren, Mountainbiken, mit den Schneeschuhen in den Bergen wandern, Radfahren oder mit den Inlinern einen Marathon absolvieren. „Ich mache alles, was mit Tempo zu tun hat. Sogar Golfen, doch da ist eher der Ball schnell. Aber wir spielen auch Speedgolf, da ist mein Rekord 55 Minuten bei 18 Loch, da schlägst du schnell ab und läufst zum nächsten Abschlag“, sagte Schönfelder am Freitag vor der Wahl zum 13. „Champion des Jahres“ auf Kreta.

Stunden später war er dann platt, denn die Wahl fiel auf ihn. Er hatte sich gegen hochkarätige Konkurrenz durchgesetzt und gewann die Abstimmung vor Diskus-Olympiasieger Robert Harting, den Beach-Volleyball-Olympiasiegern Julius Brink und Jonas Reckermann sowie den Leichtathleten Björn Otto und Lilly Schwarzkopf.

Alles gewonnen – mit einer Ausnahme

„Es gibt wohl nichts Besseres, als von so einem auserlesenen Kreis von deutschen Weltklassesportlern gewählt zu werden“, sagte das Ski-Alpin-Ass, das von 1992 bis 2010 16 Paralympics-Siege, elf Weltmeistertitel und sieben Gesamt-Weltcups feierte und zudem noch dreimal „Behindertensportler des Jahres“ (2006, 2010, 2011) wurde. Nur bei der weltweit bedeutenden Wahl „Laureus World Sports Awards“ war er nach eigenen Angaben „immer zum falschen Zeitpunkt dabei“ – trotz vier Nominierungen reichte es nicht für den Sieg. Zweimal waren seine Paralympics-Kollegen Martin Braxenthaler und Verena Bentele mit einer Goldmedaille mehr vor ihm gelandet.

Doch auch das warf Schönfelder nicht aus der Bahn. So wie der Unfall 1989: Nach der Arbeit wollte der gelernte Elektrotechniker den anfahrenden Zug noch erwischen. Beim Versuch aufzuspringen, geriet er zwischen Waggon und Bahnsteig und wurde mitgeschleift. Dabei verlor er einen Arm und drei Finger der linken Hand. Doch nur fünf Monate später stand er wieder auf Skiern.

Ohne Skier geht es nicht. Das kostet er jetzt sogar mit dem Nachwuchs aus. Seine fünfjährige Tochter Emilia fährt schon sicher den Berg hinab, und selbst der zweieinhalb Jahre alte Stammhalter Leopold stand schon auf den Brettern. Kein Wunder, immerhin kam der Sohn just in dem Moment zur Welt, als Schönfelder mit 130 Stundenkilometern die Piste von Whistler Creekside herunterraste und sein viertes Gold in Vancouver gewann. Es war seine letzte Sch(l)ussfahrt.

Leben am Rande des Abgrunds

Doch ohne Speed geht auch jetzt nichts. Sein Motto „Living on the Edge“ (Leben am Rande des Abgrunds) besagt es. Daher würde er gerne noch einmal Autorennen fahren. „Das würde mich reizen, vielleicht klappt es irgendwo“, meinte das Sports-Ass, das jederzeit auch zu Scherzen aufgelegt ist. Als er und seine im Rollstuhl sitzenden Paralympics-Kollegen auf einem Flughafen einmal von einer Passagierin auf die „Verletzungen“ angesprochen und gefragt wurde: Sagen sie mal junger Mann, welchen gefährlichen Sport betreiben sie denn?, antwortete er: „Ich gehöre der Bungee-Jumping-Nationalmannschaft an.“

(dpa)


Nach der Ehrung: Gerd Schönfelder weiß noch nicht, wohin die Reise geht


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