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Rollstuhlbasketball: Alle gegen zwei

An diesem Wochenende beginnt die neue Bundesliga-Saison 2012/13. Ein Münchner lässt sich auf der Wiesn seinen Rollstuhl klauen. Zwickau im Kaufrausch. Aus Hamburg kommt neue Frauenpower. ROLLINGPLANET mit den wichtigsten Fakten zum Start der zehn Teams.

DIE ZWEI FAVORITEN


RSV Lahn-Dill

Der Titelverteidiger (Foto: Mediashots Werbefotografie)

Der Titelverteidiger, Pokalsieger und Champions League-Sieger RSV Lahn-Dill ist einmal mehr Favorit. Im Jahr eins nach dem Karriereende des langjährigen Kapitäns Joey Johnson muss der neunfache deutsche Rollstuhlbasketball-Meister aus Hessen sein Team neu formieren, wobei dem deutschen Nachwuchs eine Chance gegeben werden soll. Damit sind immerhin sechs schwarz-rot-goldene Nationalspieler gemeint, die schnell ihre Enttäuschung über das frühe Paralympics-Aus (Vierteilfinale-Aus gegen die USA) wegstecken sollten: „Wenn wir sehen, wie hervorragend sich Akteure wie Thomas Böhme, Jan Haller oder auch Felix Schell entwickeln, müssen wir die sich bietende Chance nutzen und diesen Spielern Verantwortung geben, damit sie sich weiter zu internationalen Spitzenspielern entwickeln können“, so Trainer Nicolai Zeltinger.

Drei zentrale Abgänge müssen kompensiert, drei Neuzugänge integriert werden. Neben den beiden Routiniers Michael Paye und Dirk Köhler wird in der kommenden Saison auch auf den britischen Neuzugang Joe Bestwick eine zentrale Rolle im neuformierten Team zukommen. Der 27-jährige Center gab bereits von 2007 bis 2009 in Köln seine Visitenkarte in der RBBL ab und sicherte sich dort, wie auch ein Jahr später in Australien, die Korbschützenkrone.

Der Meister hat ein schwieriges Auftaktprogramm: An diesem Samstag (29. September) wartet zum Saisonstart in eigener Halle mit dem deutschen Rekordmeister USC München ein unangenehmer Gegner auf den RSV Lahn-Dill, ehe im Rahmen einer englischen Woche bereits am darauffolgenden Mittwoch die Reise zum weiter verstärkten Überraschungsteam der vergangenen Saison, dem RSB Team Thüringen, auf dem Programm steht. Zeltinger: „Auch wenn wir vielleicht zu Anfang Geduld haben müssen, wir werden uns mit diesem Team über eine tolle Entwicklung freuen dürfen, um in den Playoffs dann unseren besten Basketball zeigen zu können“.

RSC Rollis Zwickau

Neben Lahn-Dill das Topteam der vergangenen zehn Jahre. In Zwickau wurde qualitativ und quantitativ kräftig aufgerüstet, nachdem man im letzten Jahr mit einem extrem kleinen Kader (7 Spieler) zwar Vizemeister wurde – aber eben auch nicht mehr. Gehalten werden konnten die Topspieler Adam Erben, Bryce Doody und Rostislav Pohlmann, nicht mehr dabei ist Raimund Beginskis (nach Thüringen). Neben den beiden Österreichern Joachim Pawle und Wolfgang Almer vom letztjährigen Ligarivalen und Absteiger RSV Basket Salzburg wechselten auch drei britische Europameister an die Mulde: Ghazian Choudhry, Ademola Orogbemi und Matthew Sealy von den Capital Aces London. Zwickau hofft nun, auf Augenhöhe mit Titelverteidiger und Dauerrivalen Lahn-Dill zu agieren. Die Erwartungen sind jedenfalls riesengroß: “Trainer Alexander Kharchenkov hat seine Jungs gut in Form gebracht. Alle schauen voller Optimismus auf die neue Saison und freuen sich, dass es nun endlich los geht”, teilt der Verein mit.

DIE SPIELEN AUCH MIT


Goldmann Dolphins Trier

An der Mosel haben die Verantwortlichen (mit neuem Sponsor) ihr Team nach sechs Abgängen komplett neu aufbauen müssen. Die fünf international eher unbekannten Neuzugänge aus Australien, Brasilien, Großbritannien und den USA sind dabei schwer einzuschätzen. Wichtigster Mann ist und bleibt Spielertrainer und Superstar Dirk Passiwan. Relatives leichtes Startprogramm, am ersten Spieltag geht es gegen Aufsteiger HSV, dann bereits am 3.10. daheim gegen Köln 99ers.

Köln 99ers

ROLLINGPLANET versuchte Manager Sedet Özbicerler zu der (sportlich sehr gewagten) Aussage zu nötigen, dass man als Deutschlands größter Basketballverein doch alle Gegner in Grund und Boden rollen sollte. Özbicerler blieb aber gelassen: Zwar wolle Köln natürlich auch irgendwann mal Deutscher Meister der Rollis werden, sieht darin momentan aber nicht so sehr seine Priorität – man ist mit gleich fünf Mannschaften im Ligabetrieb vertreten, bietet seinen Mitgliedern also nicht nur an, Spitzensport zu betreiben, sondern auch Frischverletzten aus der Klinik die Möglichkeit, mal unterm Korb herumzufahren. Ob Goldmedaillengewinnerin Marina Mohnen im ersten Spiel dabei ist, ist noch nicht sicher – sie verletzte sich vergangenes Wochenende bei einem Turnier.

Mainhatten Skywheelers

Vereinsmotto: „Fight for respect“. Auftrag: Muss sich gleich zum Auftakt Respekt gegen einen starken Gegner verschaffen – bereits gestern ist man nach Zwickau gereist, um heute gegen den Vizemeister zu bestehen. Vor allem einer soll es richten: „Wir kommen mit breiter Brust nach Zwickau, konnten wir doch mit Sebastian Magenheim eine Verstärkung melden, die sich schon in der Vorbereitung spürbar bemerkbar gemacht hat“, versprühen die Skywheelers Optimismus. Magenheim war vom USC München gekommen, nachdem er in Frankfurt bei der KfW ein Praktikum absolviert.

Oettinger RSB Team

Der Vorstand des Sensationsaufsteigers der vergangenen Saison spricht zwar nicht mehr mit ROLLINGPLANET, seit wir auf seiner Webseite zu viele Basketbälle gezählt haben. Aber muss ja auch nicht sein, die Wahrheit liegt auf dem Platz: Und da konnte der erfolgreiche Kader um Topscorer Joakim Linden komplett gehalten werden. Außerdem verstärkte man sich namhaft mit dem Letten Raimund Beginskis aus Zwickau. Das Oettinger RSB Team Thüringen erlebte in seiner ersten Bundesligasaison einen kometenhaften Aufstieg. Zunächst im Mittelfeld der Tabelle platziert, sicherte sich die Mannschaft Anfang des Jahres unter anderem mit Siegen gegen Köln, München, Trier, Frankfurt und auch Zwickau Platz 3 und die Teilnahme an den Playoffs. Dort unterlag man gegen die Zwickauer Rollis. Heute im ersten Spiel geht es nach Köln.

USC München

Posiert für die Lokalpresse als emöprter Behinderter, um seinen Rolli wieder zu bekommen: Markus Haberkorn (Foto: Oktoberfest Live/Westermann)

Der Rekordmeister muss den Abgang von Nationalspieler Sebastian Magenheim verkraften, der in Frankfurt für neue Impulse sorgen könnte.

USC Münchens Ex-Nationalspieler Markus Haberkorn (Guard/Flügel, 3 Punkte) und EDV-Fachmann beim Finanzamt hingegen muss einen Diebstahl verkraften. Von seinem jüngsten Oktoberfest-Besuch kehrte Haberkorn recht nüchtern/ernüchtert zurück: Ein unbekanntes Pärchen klaute im Löwenbrauzelt seinen 4000 Euro teuren Alltagsstuhl (Sopur Argon TI), während er es sich auf der Holzbank bequem gemacht hatte. Mensch, Markus: Man verlässt doch auch nicht einfach seinen Rollstuhl! Schlagzeile der Lokalpresse: “Empörter Behinderter: Wer ist mit meinem Rollstuhl weggefahren?”

Sportlich wichtigster Mann bleibt 4,5-Punkte-Center Benjamin Ryklin, auch wenn er auf eigenen Wunsch seinen Job als Spielertrainer aufgegeben hat. Freundin Johanna Welin ist mit Gold aus London zurückgekehrt und dürfte auch unter dem neuen Coach Tamer Artan (USC-Veteran und türkischer Dauer-Womanizer) ihren Stammplatz sicher haben, jedenfalls freut sie sich: „Es ist cool, dass was Neues reinkommt.“ Wird sie außerhalb des Trainings hoffentlich nicht zu ihrem Benny sagen.

DIE HABEN ES SCHWER


HSV Hamburg

Hier ist der Trainer der Star: Headcoach Holger Glinicki, auch Chef der Damen-Natio und selbst Rolli, dürfte sich inzwischen von seinem freiwilligen Themse-Sprung nach dem Paralympics-Gold mit den Rollstuhlbasketballerinnen erholt haben. Mit seiner Mannschaft erwartet er am Sonntag die Goldmann Dolphins Trier. Eine Frauenquote braucht der Aufsteiger nicht, die erfüllt er auch so. Wichtigste Spieler des Teams: Die beiden langjährigen HSV-Spieler Nikolaus Classen und Dirk Thalheim, die Paralympics-Siegerinnen Maya Lindholm und Edina Müller sowie die beiden Neuzugänge der letzten Saison, Nadine Bahr und Martin Steinhardt.

Jena Caputs

Im vergangenen Jahr nur knapp dem Anstieg entkommen. Könnte sich heute auswärts (über 1000 Kilometer lange Fahrt nach Belgien) die ersten wichtigen Punkte gegen Aufsteiger Roller Bulls sichern, ehe man am bereits am kommenden Mittwoch (3.10.) im Ostderby vermutlich wieder die erste Prügel bezieht (daheim gegen Zwickau). Als Saisonziel geben die Verantwortlichen den Klassenerhalt aus. „Wir können durch das knappe Budget und den ebenfalls knappen Kader nicht mit mehr rechnen“, erklärte das Trainergespann Lars Christink und Torsten Schüler. „Wir wollen jeden Spielern individuell so fördern, dass jeder am Ende der Saison sagen kann, er hat sich weiterentwickelt“, gibt sich Christink bescheiden. Neuzugang ist Andy Ortmann aus Thüringen.

Roller Bulls

Roller Bulls. ROLLINGPLANET findet das Maskottchen süüüüüüüß! (ganz vorne)

Die Belgier aus St. Vith spielen bereits seit Jahren im deutschen Ligasystem und haben nach ihrem freiwilligen Absteig in die Zweite Liga den direkten Wiederaufstieg geschafft. Gute Vorbereitung: Nach einem Trainingslager in Frankreich gewann man ein international besetztes Turnier in Antwerpen gegen den Gastgeber. Bereits gegen Ende der vergangenen Saison wurde deutlich, dass es hinsichtlich der Chemie zwischen Chefcoach Michel Cant und seinen Spielern kriselte – inzwischen hat sich der Verein vom ehemaligen beglischen Nationaltrainer getrennt, Nachfolger wurde Stefan Veithen. „Wir haben nach einem fulminanten Saisonauftakt zwischenzeitlich sportlich stagniert und gerieten somit am Ende noch unter Zugzwang. Erst mit Müh und Not schafften wir den Wiederaufstieg. Diese Strapazen sind nicht spurlos am Team vorbeigegangen, so dass einige Spieler neue sportliche Ausrichtungen verlangten“, erklärte Rollerbulls-Manager Edgard Boemer.

Topspieler Pieter Dries verließ die Rollerbulls Richtung Bilbao (Spanien). Als bislang einzige Verstärkung kehrt der 30-jährige Christoph Van Houcke in die Büchelstadt zurück. Der 4-Punkte-Spieler aus Gent gilt als motivierter Center, der nach dem freiwilligen Abstieg in die Zweitklassigkeit die Fahrstrapazen zum Training und zu den Spielen nicht mehr auf sich nehmen wollte.

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