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Gerd Schönfelder weiß noch nicht, wohin die Reise geht

Deutschlands erfolgreichster Paralympics-Sieger ist als 13. „Champions des Jahres“ in die Hall of Fame der Sportler aufgenommen worden. Doch jetzt hat er ein Problemchen.

Gerd Schönfelder wurde zum “Champions des Jahres” gewählt. Die Wahl und Preisverleihung fanden am Freitag auf Kreta (Griechenland) im Robinson Club Kalimera Kriti statt. (Foto: Kai-Uwe Wärner/dpa)

Die Schmerzen am lädierten Arm und die Abschürfungen an der Hüfte waren für einen Moment vergessen. Der sonst auf der Eispiste so coole Gerd Schönfelder wurde in der Sommernacht von Kreta plötzlich von seinen Gefühlen übermannt. „Ich bin echt sprachlos, unfassbar, ich bin jetzt total platt. Ich dachte am Morgen beim Sturz mit dem Mountainbike noch, das wird ja ein Mist-Tag. Doch schöner hätte er nicht enden können“, meinte das Ski-Alpin-Ass, der als erster Behindertensportler zum „Champions des Jahres“ gewählt wurde. (ROLLINGPLANET berichtete)

Der 16-fache Paralympics-Sieger setzte sich in der vom Robinson Club veranstalteten Wahl der Sportler für Sportler gegen hochkarätige Konkurrenz wie Diskus-Olympiasieger Robert Harting, die Beach-Volleyball-Olympiasieger Julius Brink und Jonas Reckermann sowie gegen die Leichtathleten Björn Otto und Lilly Schwarzkopf durch.

Nicht ohne meine Frau

Aber Schönfelder hatte plötzlich zwei Problemchen: Erstens bekam er nach seinem heftigen Rad-Sturz einen Medikamenten-Cocktail verschrieben und musste offiziell die Bar meiden. „Das ist echt Scheiße, aber mal sehen…“, meinte er. Dann stand er als erster Champion plötzlich ohne Traumziel da. Denn neben einen Elektro-Smart und einen dauerhaften Sonderurlaub im Club bekommt der Sieger von Robinson noch eine Traumreise spendiert.

„Ehrlich gesagt habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Aber eins kann ich sagen: kein Skifahren und kein Mountainbike“, meinte der 42-jährige Bayer, der jetzt erstmal Rücksprache mit seiner Frau halten muss: „Sie musste in den letzten Jahren so viel
Entbehrungen auf sich nehmen und hat sich in meiner Abwesenheit immer so super um die Kinder gekümmert. Daher hat sie jetzt natürlich Mitspracherecht.“

Die bisherigen Champs hatten verrückte Ziele: Alexander Leipold reiste nach China zu den Shaolin-Mönchen, André Lange fuhr mit der transsibirischen Eisenbahn von Peking bis Moskau, während Michael Greis eine Trekkingtour im Himalaya machte. Jan Frodeno versuchte sich im Wellenreiten auf Bali und Claudia Pechstein flog nach Whistler und probierte ihre Fähigkeiten auf Ski und Snowboard aus.

“Ein Riesentyp und Riesensportler“

Schönfelders Spitzname „Stier von Kulmain“ und sein Lebensmotto „Living on the Edge“ (Leben am Rande des Abgrunds) deuten auf einen besonderen Urlaub hin. Allein schon die Auszeichnung zum „Champion des Jahres“ war für ihn schon etwas ganz Besonderes. „Es gibt wohl nichts Besseres, als von so einem auserlesenen Kreis von deutschen Weltklassesportlern gewählt zu werden. Und das Schöne daran ist, ich darf jetzt jedes Jahr wiederkommen und kann die entstandenen Freundschaften intensiv pflegen“, sagte Schönfelder, der 1989 bei einem Unfall den rechten Arm und drei Finger der linken Hand verloren hatte.

Von 1992 bis 2010 holte er 16 Paralympics-Siege, elf WM-Titel und gewann sieben Gesamt-Weltcups. Zudem wurde er dreimal zum „Behindertensportler des Jahres“ (2006, 2010, 2011) gewählt. Für Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno, Champions 2008, war die Wahl eindeutig. „Entscheidend ist oft auch die persönliche Komponente. Gerd ist ein Riesentyp und ein Riesensportler, der zudem auch noch eine Wahnsinns-Geschichte zu erzählen hat. Er ist der größte paralympische Sportler, den wir je hatten. Daher hat er es mehr als verdient.“

(dpa)

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