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Café Ole: Die Erfolgsgeschichte eines gehörlosen Gastronomen

Den Gästen den Wunsch von den Lippen ablesen ist das A und O in der Gastronomie. Sezer Yigitoglu führt in Berlin vor, wie das geht – im wahrsten Sinne des Wortes. Von Bernice Hoogen

Sezer Yigitoglu mit seinem Hund Ole, nach dem er sein Café benannt hat. Einige seiner Mitarbeiter sind ebenfalls gehörlos oder schwerhörig. (Foto: Florian Kleinschmidt/dpa)

Über Sezer Yigitoglu und sein neues Café haben wir bereits vor drei Monaten berichtet. Inzwischen ist klar: Das war nicht nur eine schnelle Schlagzeile – sondern der Beginn einer echten Erfolgsgeschichte. ROLLINGPLANET freut sich deshalb, heute noch mal über den Jungunternehmer zu berichten.

Hinter der Theke scheppert es, die Kaffeemaschine faucht, man hört das Stimmengewirr der Gäste im Café Ole in Berlin-Neukölln. Besitzer Sezer Yigitoglu eilt durch den Raum und nimmt die Bestellungen seiner Gäste auf. Dabei liest der 29-Jährige seiner Kundschaft die Wünsche von den Lippen ab. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn Yigitoglu ist einer der wenigen gehörlosen Gastronomen Deutschlands.

„Bisher klappt alles super“, sagt der junge Café-Inhaber. Von Kind an trainierte er das Lippenlesen und lernte in der Gehörschule mittels Vibrationen Laute und Wörter. Seine Familie benutzt bis heute keine Gebärdensprache. Deshalb merkten manche Gäste gar nicht, dass er sie nicht hören könne. So sei es dann auch schon zu lustigen Szenen gekommen, wenn Kunden ihre Bestellung ändern wollten und auf den geschäftigen Wirt einredeten, ohne dass er es mitbekam.

„Normalerweise ist die Verständigung aber kein Problem“, betont Christian Seipel, ein guter Freund Yigitoglus, der ihm beim Gespräch die Stimme leiht. Stammkunden gebe es mittlerweile einige. Es hilft, dass der Laden in einer angesagten Ecke Berlins liegt, und sogar aus ganz Deutschland reisten gehörlose Gäste an. Viele wollten einen der wenigen gehörlosen Gastronomen und sein Café persönlich kennenlernen.

Wie viele Behinderte es in der Gastronomie gibt, lässt sich schwer bestimmen. Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hat dazu keine Zahlen. Sich mit Handicap selbstständig zu machen, sei ohne Frage mutig. „Das ist bewundernswert“, sagt Dehoga-Sprecher Benedikt Wolbeck.

Seine Familie war anfangs skeptisch

Die Gehörlosenszene wirkt oft sehr abschottet, Yigitoglu hat sich schon immer aktiv in die Welt der Hörenden integriert. Dann kam der Vorschlag seiner Freunde, ein Café zu eröffnen – schließlich liebt der gelernte Bäcker Kuchen. Und so ging für den 29-Jährigen mit dem nach seinem Hund benannten Café ein Traum in Erfüllung.

Trotzdem war die Familie anfangs eher skeptisch. „Meine Mutter meinte aber, ich hätte schon als Kind immer meinen Kopf durchgesetzt“, erzählt Yigitoglu. Und natürlich seien jetzt alle „mächtig stolz“. Yigitoglu hat noch weitere Pläne: Schon bald soll es dort auch Konzerte und Ausstellungen befreundeter Künstler geben. „Am liebsten würde er sich noch ein Sofa kaufen und im Café übernachten“, meint Christian Seipel.

Café Ole, Boddinstraße 57, Neukölln

(dpa)

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