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Den legen sich Behinderte unter den Weihnachtsbaum: Einen Butler mit Akku und großen Augen

Heute startete die RehaCare in Düsseldorf und präsentierte ihren ersten Star. Von Frank Bretschneider

“Alias”, der neue Assistenzroboter (Foto: dpa)

Sein Name ist „Alias“, und das Menschlichste an ihm sind seine großen, runden Augen. Der kegelförmige Körper dagegen sieht aus wie eine Hochseeboje. Aber “Alias” will nicht schick aussehen, sondern Hilfe leisten: “Alias” steht für Adaptable Ambient Living Assistant. Der Assistenzroboter, gedacht für den Einsatz in Seniorenwohnungen, ist der Star auf der am Mittwoch in Düsseldorf gestarteten RehaCare, der führenden Fachmesse für Pflegebedarf.

Und weil er so hübsch ist, hier noch mal: “Alias” (Foto: AAA)

Elektronische Butler wie der vom Stuttgarter Fraunhofer-Institut und der Technischen Universität München entwickelte “Alias” sollen die Betreuung alter Menschen in den nächsten Jahren revolutionieren. Der eineinhalb Meter große “Alias” etwa kann im Ernstfall Notrufe absetzen. Das Pflegepersonal kann ihn fernsteuern und durch die Zimmer fahren lassen, um mit seinem Kamerasystem den Bewohner zu suchen, falls dieser sich nicht meldet.

„Wenn wir im Alter so lange wie möglich selbstständig zu Hause leben wollen, brauchen wir Technologien, die das möglich machen“, sagt Christoph Schaeffer, Robotik-Experte beim Fraunhofer-Institut. Der potenzielle Markt dafür wächst stetig. Allein in den letzten zwei Jahren ist die Zahl der schwerbehinderten Menschen in Deutschland um 2,6 Prozent auf 7,3 Millionen gestiegen.

Auf der RehaCare, auf der bis Samstag 851 Aussteller aus 32 Ländern das gesamte Hilfsmittel-Programm – vom einfachen Gehstock bis hin zu kompletten Einrichtungen für barrierefreies Wohnen – vorstellen, ist die Robotik daher zentrales Thema. Groß ist das Interesse der Besucher auch an einem mobilen Roboterassistenten mit Greifarm, der Bewohner von Pflegeeinrichtungen Getränke bringen soll. (ROLLINGPLANET berichtete: Roboter sollen Menschen mit Behinderung assistieren)

Roboter-Hilfe auch für Rückkehr in den Beruf

Aber nicht nur alte Menschen stehen im Mittelpunkt der Robotik-Forschung, wenn es um die körperliche Unterstützung bei eingeschränkter Bewegungsfähigkeit geht. „Es geht auch darum, Menschen mit Behinderungen wieder ins Berufsleben zurückzubringen“, sagt der Leiter des Instituts für Automatisierungstechnik (IAT) der Universität Bremen, Axel Gräser.

Das IAT stellt dazu auf der Messe den Assistenzroboter „Friend“ (Freund) vor. Es ist ein mit Greifern und Kinn-Joystick ausgestatteter Spezial-Rollstuhl. Die Frau, die das Gerät jetzt testet, ist seit einem Unfall vom Hals abwärts gelähmt. Sie arbeitet mit “Friend” wieder an ihrem früheren Arbeitsplatz in einer Universitätsbibliothek und katalogisiert Bücher. Mit dem Kinn-Joystick steuert sie einen Greifarm, der die Bücher aufgreift. Die Eingabe der Buchdaten erfolgt mittels einer Sprachsoftware. (Mehr Infos ganz unten).

Noch sind Modelle wie „Alias“ oder „Friend“ keine Serienproduktionen und daher für normale Kassenpatienten unerschwinglich. Doch schon in den nächsten Jahren könnte die Massenproduktion beginnen und den Stückpreis bei Assistenzrobotern auf 2.000 bis 3.000 Euro senken, wie Fachleute schätzen. „Die Akzeptanz ist da“, sagt Schaeffer.

Eine ganz andere Kategorie ist unterdessen der Sozialroboter „Paro“ des niederländischen Anbieters Focal. Die weiße Kuschelrobbe soll Demenzkranken Zuwendung schenken, indem sie etwa zufrieden quiekt, wenn sie gestreichelt wird. In den Benelux-Ländern sei das Modell bereits sehr populär, so das Unternehmen. Einen Roboter streicheln? „Wenn es den Betroffenen hilft, ist das doch eine gute Sache“, sagt Robotik-Experte Schaeffer.

(dapd)

Assistenzroboter ermöglicht Berufstätigkeit

(Presseinformation der Universität Bremen)

Der von Bremer Wissenschaftlern entwickelter Assistenzroboter FRIEND (Foto: KAWA)

Ist eine Rückkehr in den Beruf für querschnittsgelähmte Menschen denkbar? Der Assistenzroboter FRIEND aus Bremen macht es möglich: Mit seiner Hilfe können beeinträchtigte Menschen, die zum Beispiel aufgrund eines Unfalls oder einer Erkrankung gelähmt sind, ins Berufleben zurückkehren.

FRIEND (Functional Robot arm with userfrIENdly interface for Disabled people) kann aber auch bestimmte Tätigkeiten im Alltag übernehmen – zum Beispiel kann er Getränke einschänken oder eine Mahlzeit zubereiten. Wissenschaftler vom Institut für Automatisierungstechnik am Fachbereich Physik/Elektrotechnik der Universität Bremen präsentieren ihn auf der „REHACARE International 2012“ vom 10. bis 13. Oktober 2012 in Düsseldorf.

Im aktuellen Modellprojekt „ReIntegraRob“ arbeitet eine tetraplegische – also an Armen und Beinen gelähmte – Frau mit FRIEND in der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen zusammen. Lena Kredel wurde extra für das Modellprojekt eingestellt. Mit Hilfe des Roboters führt sie die so genannte retrospektive Katalogisierung von Büchern durch. So nennt man die Umstellung konventioneller (Karten-) Kataloge auf das maschinenlesbare Format der Online-Kataloge.

FRIEND arbeitet Lena Kredel dabei zu: Er greift sich Bücher von einem Bücherwagen und legt sie auf einer geeigneten Halterung ab. Nach der Katalogisierung schließt er die Bücher und legt sie wieder weg. Die eigentliche Katalogisierung und die Eingabe der Literaturdaten führt die Mitarbeiterin mit Hilfe einer Sprachsoftware durch. Dieses Projekt wird vom Versorgungsamt Bremen mit über 400.000 Euro finanziert.

Bisher schien eine berufliche Wiedereingliederung für Menschen mit hoher Querschnittslähmung oder anderen schweren Behinderungen wegen des hohen Betreuungsaufwandes nahezu unmöglich. „Im Projekt ‚ReIntegraRob’ wollen wir nun das Gegenteil beweisen“, bekräftigt Axel Gräser, Leiter des Instituts für Automatisierungstechnik.

„Im Idealfall kann der Nutzer von FRIEND nach einer anfänglichen Integrations- und Orientierungsphase an einem Arbeitsplatz vollständig eingesetzt werden, ohne dass eine persönliche Assistenz notwendig ist“, erklärt Herr Gräser weiter. „Endlich kann ich mit meinen Kräften etwas Sinnvolles zur Gesellschaft beitragen“, freut sich die zukünftige Mitarbeiterin der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen Lena Kredel.

Auf der „REHACARE International 2012“ in Düsseldorf präsentieren die Bremer Wissenschaftler im „Themenpark Assistenzrobotik“ (Stand G70/H, Messehalle 3) den gesamten Arbeitsplatz von Lena Kredel und FRIEND.

Außerdem ist der Roboter am Donnerstag, den 11. Oktober 2012, Thema eines Vortrags während des REHACARE Kongresses (14:45 Uhr in Raum 6, CCD Süd). Hier wird auch Lena Kredel über ihre Erfahrungen und Eindrücke berichten.

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