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Tag des weißen Stockes 2012 (2): Schöne Sinne
Die Präsidentin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, Renate Reymann, über die Tücken der Schönheit für Sehbeeinträchtigte.
In Seminaren wie von dem Berliner Starvisagisten René Koch können Frauen mit eingeschränktem Sehvermögen lernen, wie sie sich schminken und ihr eigenes Parfüm entwickeln (ROLLINGPLANET berichtete: Beauty für Blinde). Die blinde Präsidentin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, Renate Reymann, sprach mit der Nachrichtenagentur dpa über die Tücken der Schönheit für Sehbeeinträchtigte.
„Blinde Frauen schminken sich nicht.“ So denken einige Menschen. Stimmt das?
Nein, der Mensch – ob blind, sehend oder Rollstuhlfahrer – ist darauf bedacht, sich selbst wohl zu fühlen und in einem gewissen Maße für die Außenwelt anschaubar zu erscheinen. Dazu gehört natürlich ein gepflegtes Äußeres, gepflegte Kleidung und – eher bei den Frauen – ein bisschen Hervorhebung der Augen oder Rouge auf der Wange.
Wie ist es möglich, sich zu schminken, ohne das Ergebnis am Ende im Spiegel betrachten zu können?
Das muss auch eine blinde Frau erst erlernen. Sie wird sicherlich immer zurückhaltender ans Werk gehen als eine sehende Frau. Sehende sollten einmal die Augen schließen und sich dann versuchen zu schminken. Das Einfachste wird sein, sich die Lippen anzumalen. Da merke ich, ob ich mit dem Lippenstift noch innerhalb der Kontur bin. Beim Rouge muss ich zurückhaltend vorgehen – und eher mit den Händen als mit Pinseln. Meine Kontrollperson ist mein Mann. Der sagt dann manchmal: „Oh Mädchen, da muss ich aber noch mal über die Wange gehen.“
Warum können Sehbehinderte besser riechen, fühlen, hören?
Man darf nicht vergessen, dass sich Menschen, die nichts oder nur wenig sehen, aufs Tasten und bessere Fühlen ausgerichtet haben. Das bessere Riechorgan haben sie per se nicht. Sie nutzen es nur besser aus. 80 Prozent aller Informationen werden in der Regel über das Auge wahrgenommen. Wenn ein Sehender die Augen schließt, hört er auf einmal mehr und intensiver. Wenn ein Sinnesorgan weg ist, dann schärfen sich eben die anderen Organe – aber nicht von heute auf morgen. Das muss man dann ein bisschen üben.
(Steffen Trumpf/dpa)





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