Rollingplanet | Portal für Behinderte und Senioren

Werbebanner-Handbiketag2014

News & Berichte

Berufliche Inklusion: Und es geht doch

In Hamburg gibt es eine lobenswerte Initiative mit Unternehmen, die sich dafür engagieren, Menschen mit Behinderung als vollwertige Arbeitnehmer zu behandeln.



Fotos: Anna Mutter


Zur beruflichen Inklusion führt die Hamburger Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gGmbH mit anderen Einrichtungen und Institutionen seit neun Jahren die Kampagne „…und es geht doch“ durch. Sie wird unterstützt von Firmen wie Beiersdorf, Gruner + Jahr, NDR, Eurogate, Spiegel Verlag und dem Flughafen Hamburg.

„Das Motto ‘…und es geht doch’ hat mich anfangs etwas irritiert“, sagte Wolfgang Werner, kaufmännischer Geschäftsführer vom Hamburg Wasser, bei der diesjährigen Veranstaltung zur Kampagne. „Gibt es denn Unternehmen, die ernsthaft bezweifeln, dass man Menschen mit einer Behinderung beschäftigen kann? Bei uns jedenfalls wird das im Unternehmen gelebt.“ In seinem Eröffnungsvortrag schilderte er anschließend die umfangreichen Aktivitäten von Hamburg Wasser in diesem Bereich.

Erfahrungsberichte, Vorträge und Espresso

Rund 140 Wirtschaftsvertreter und Reha-Fachleute sowie Menschen mit Handicap waren gekommen, um sich an diesem Abend Ende September mit unterschiedlichen Facetten der Inklusion zu beschäftigen. Treffpunkt war das Congress Center Rothenburgsort auf dem Gelände von Hamburg Wasser.

Erfahrungsberichte von kleinen und großen Unternehmen, ein Referat von Hubert Hüppe (Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen) und eine Podiumsdiskussion mit Fachleuten und Betroffenen bildeten den offiziellen Programmteil.

Beim anschließenden „Feier-Abend“ präsentierten Auszubildende der Firma PHH Personaldienstleistung GmbH den Gästen eine „laufende Ausstellung“: Bilder der Photoausstellung „b:hindert“, eine Dokumentation vier verschiedener Fotografen, wurden durch die Reihen der anfangs irritierten, dann aber interessierten Gäste getragen. Die integrative Kaffeerösterei Torrefaktum aus Ottensen präsentierte den Gästen Spezialitäten von frisch geröstetem Bio & Fair-Trade Espresso.

Per Wandzeitung auf Jobsuche

Als Kernpunkt der Veranstaltung schließlich hatten 30 stellensuchende Menschen mit Behinderung ihre Berufsprofile in Form von Wandzeitungen präsentiert. Sie bildeten damit den Ausgangspunkt für ein weiteres Anliegen der Veranstalter: Der Abend bot den zwanglosen Rahmen für Begegnungen und Gespräche zwischen Arbeitgebern und Menschen mit Handicap, ohne in Form einer Stellenbörse mit hohen und oft enttäuschten Erwartungen aufzuwarten. Auch wenn auf beiden Seiten nicht alle Beteiligten von dieser Möglichkeit Gebrauch machten, wurden die ausgehängten Profile doch immer wieder aufmerksam studiert, und es gab gezielte Nachfragen bei den Veranstaltern und auch eine konkrete Stellenofferte für eines der Profile.

Jürgen Hesse, Karrieremacher und Berufsstratege aus Berlin, kommentierte: „Der Arbeitsmarkt ist schwierig, aber nichts ist unmöglich.“ So sah es auch Michael van Loo, Leiter Personal, Recht & Organisation im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), der sich für das UKE zur unternehmerischen Verantwortung für die Beschäftigung von Menschen mit Handicap bekannte und dabei sein Haus auf einem guten Weg sieht. Der Anthropologe und Journalist Sven Köhler teilte die Einschätzung von Jürgen Hesse, erwähnte aber auch enttäuschende und verletzende Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt.

Unternehmer schildern ihre positiven Erfahrungen

Wie einfach es im Alltag sein kann, wenn die erste Skepsis abgebaut ist, berichteten die Unternehmer Helmut Dahlmann (Conference & Coffee Service) und Detlev Siebold (siebold/hamburg messebau gmbh). Sie gaben konkrete und motivierende Hinweise: Mit der Entscheidung, „es zu wollen“, dem Mut, „es zu versuchen“, dem Know-how der unterstützenden Fachdienste, der Förderung durch das Integrationsamt und der Einstellung, dass es geht, hätten beide Unternehmen „außerordentlich positive Erfahrungen“ mit behinderten Arbeitnehmern gemacht. Fernab von jeder Theorie illustrierten diese Praxisberichte, dass es sich für beide Seiten lohnt, aufeinander zuzugehen.

„Die Unsicherheit“, erklärte Hubert Hüppe angesichts eines Beispiels, „wie ich einem Menschen mit durch eine Conterganerkrankung verkürzten Armen die Hand gebe, darf uns nicht davon abhalten, aufeinander zuzugehen.“

(PM)

Print Friendly

Stichworte

Diesen Artikel mit anderen teilen

Über Rollingplanet

Wir sind seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, und in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, seit Januar 2012 online, ist Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein inklusives, von Menschen mit und ohne Behinderung ehrenamtlich irealisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Wenn Sie noch mehr ROLLINGPLANET wollen, empfehlen wir Ihnen unseren Newsletter (hier kostenlos registrieren) mit zusätzlichen Gewinnspielen und anderen Extras.

Was ist Ihre Meinung?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Das sind wir

ROLLINGPLANET ist Deutschlands führendes Onlinemagazin für Menschen mit Behinderung, Senioren und Freunde. Tagesaktuell, unabhängig, kritisch. Und geil aufs Leben.

ROLLINGPLANET ist ein Non-Profit-Projekt, ehrenamtlich realisiert von Menschen mit und ohne Behinderung. Seit 1. Januar 2012. Weitere Infos: Über uns

Tipp

Tipp-PfeilWenn Sie sich weiter unten auf dieser Seite befinden und wieder schnell nach oben kommen wollen: Einfach auf das schwarze Kästchen mit dem Pfeil – rechts unten am Bildschirm – klicken.
  • A A A


  • Teaser_ROLLINGPLANET Exklusiv Jackson3

    Pflegestufen werden abgeschafft – was kommt da auf mich zu?

    • Pflegestufen werden abgeschafft – was kommt da auf mich zu?

    E-Stimulation für Querschnittgelähmte

    • E-Stimulation für Querschnittgelähmte: Hoffnung für Beine, Darm und Blase

    Helfer auf vier Pfoten: Paten für Behinderten-Begleithunde gesucht

    • Helfer auf vier Pfoten: Paten für Behinderten-Begleithunde gesucht
    Werbebanner der Firma Rehability

    Neueste Parkplatzschweine

    • Falschparker/in: LB-MF 7107
    • Falschparker/in: KS-I 2935
    • Falschparker/in: V-AH 158 (Wohnungsbaugenossenschaft Reichenbach eG)
    • Falschparker/in: F-MS 1708
    • Falschparker/in: R-GM 911 und R-MI 350
    • Falschparker/in: R-JS 17
    • Falschparker/in: M-BU 7031 (Firma Hörmann)
    • Falschparker/in: M-YU 355

    Barrierefreie Hotels

    • Erstes Embrace-Hotel in der Schweiz
    • Verein „Ohne Barrieren“ eröffnet Hotel Sportforum in Rostock
    • Hotel am Kurpark (Bad Herrenalb)
    • Refugium am See (Teupitz)
    • Hotel Hanseatic Rügen & Villen (Ostseebad Göhren)
    • „So wie Du“ und nicht so wie die meisten Hotels
    • Alling: Lichtblick Hotel

    Alleine auf eine Party gehen ist doof

    ziemlich-beste-begleiter-bigteaser