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Navigation: APPlaus für Ways4all & Co.
Experten arbeiten an neuen Systemen, die sowohl für Blinde als auch Rollstuhlfahrer und andere Behinderte hochspannend sein könnten. Von Sabine Stahl
Neue Navigationslösungen für blinde Menschen und andere Behinderte sind im Kommen (Foto: Ways4all, siehe auch Video unten)
Zwei Dinge dürfen nicht fehlen, wenn Gerhard Renzel auf Reisen geht: sein Smartphone und sein Blindenstock. Mit dieser Ausrüstung wagt sich der Navigationsexperte vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) auch ohne Augenlicht allein auf Touren durch Deutschland und Europa. An dieser Ausrüstung wird sich trotz der immer besser werdenden Blindennavigation auch künftig nicht viel ändern. „Alles was an Technik hinzukommt, kann nur eine Ergänzung sein. Den Langstock kann sie niemals ersetzen“, sagt Renzel.
Das glaubt auch Werner Bischof von der FH Joanneum in Österreich. Gemeinsam mit seinem Team arbeitet der Wissenschaftler an dem Projekt Ways4all, das Blinde beim Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln und bei der Orientierung an Bahnhöfen und Haltestellen unterstützen soll. Auch wenn das System selbst kleine Kanten im Boden erfassen kann, muss der Stock weiterhin vorfühlen. „Es kann ja auch ein Koffer im Weg stehen. Den können wir nicht voraussehen“, sagt Bischof.
Genauigkeit muss mindestens einen Meter betragen
Der vom Langstock abgedeckte Raum ist laut Renzel auch das Maß, an dem sich das Navigations-Kartenmaterial für Menschen ohne Augenlicht orientieren muss. „Für Blinde und Sehbehinderte muss die Genauigkeit mindestens einen Meter betragen“, sagt der Navigationsexperte. So weit könnten sie in etwa mit ihrem Stock fühlen. Die Technik, die sich derzeit im Markt befinde, verfüge jedoch noch nicht über dieses feine Raster und könne somit auch nicht die nötige Sicherheit im Straßenverkehr gewährleisten.
Generell seien Blinde im Straßenverkehr sehr unsicher, sagt Renzel. Deshalb seien sie bei der Annahme neuer Techniken auch eher zurückhaltend. „Das ist ein Prozess, der sich über längere Zeit hinzieht“, fügt er hinzu. Wenn aber erst einmal eine gewisse Schwelle bei Sicherheit, Bedienbarkeit und der Handhabung überschritten worden ist, wird es seiner Meinung nach einen hohen Zuspruch seitens der Blinden geben.
Handy sendet Mitfahrwunsch an Busfahrer
Derzeit arbeiten dem Experten zufolge viele Seiten daran, Kartenmaterial für Navigationsgeräte zu digitalisieren und mit zusätzlichen Informationen etwa zu Kreuzungen oder Gebäuden in der Nähe anzureichern. Bei dem Projekt Nav4Blind in Soest gebe es bereits ein Zusatzmodul, dessen Raster auf einen Meter genau arbeite. „Das ist für uns ein großer Meilenstein und wir sind sehr gespannt, ob es hier eine Umsetzung geben kann“, sagt Renzel.
Das Projekt Ways4all hat sich vor allem auf die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs mit Hilfe eines Smartphones spezialisiert. Dieses nimmt beispielsweise an einer Haltestelle per WLAN Kontakt mit den Bordcomputern der öffentlichen Verkehrsfahrzeuge auf. Der Fahrer wird über den Mitfahrwunsch des Blinden informiert und weiß dadurch, dass ein Gast kommt, der besondere Aufmerksamkeit braucht. Neben Blinden könnten das beispielsweise auch Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen sein.
Wenn der Schuh den Weg weiß
“Das Königsstück” des Österreichischen Projekts liegt laut Bischof im Wiener Hauptbahnhof. Hier seien im Boden RFID-Sensoren (radio-frequency identification) eingebaut. Diese senden per Funk Signale an einen Clip am Schuh des Blinden. Der Clip ist wiederum mit dem Handy verbunden und informiert den Blinden so über seinen aktuellen Standort. An geraden Strecken seien etwa alle 20 Meter Sensoren eingebaut, rund um Kreuzungen alle vier bis fünf Meter.
Die Rückmeldung nach ersten Probeläufen ist sehr positiv. “Die Blinden sind recht begeistert”, sagt Bischof. Laut dem Wissenschaftler wird es aber noch zwei Jahre dauern, bis das Projekt marktreif ist. Dann will er das Routing am liebsten für ganz Österreich anbieten. Allerdings müsse bis dahin noch geklärt werden, ob das Projekt denn auch finanzierbar sei.
(dapd)
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