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Porno und Politik: Larry Flynt mag es deftig

Der „Hustler“-Gründer wird heute 70. Sex ja, Mitt Romney nein: Der im (manchmal vergoldeten) Rollstuhl sitzende Verleger kommt zur Sache – in jeder Hinsicht. Von Barbara Munker

Larry Flint mag es extravagant

Wenn der amerikanische Verleger Larry Flynt Enthüllungen und nackte Tatsachen fordert, dann ist damit nicht unbedingt Sex und Schmuddeliges gemeint. Der Gründer des Pornomagazins „Hustler“, der heute 70 Jahre alt wird, gibt sich auf seiner Website als Aktivist für Redefreiheit aus. So sorgte der Ultraliberale im September für Wirbel, als er für Infos über die Finanzen des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney bis zu eine Million Dollar (etwa 775.000 Euro) in bar bot. „Er ist ein Lügner und ein Schwindler“, wetterte der exzentrische Publizist im Oktober auf seiner Homepage gegen Romney.

Im Falle eines Wahlsieges gegen Amtsinhaber Barack Obama mag der Verleger befürchten, dass der konservative Mormone gegen die Sex-Industrie in den USA vorgehen werde. Auch George W. Bush, laut Flynt „der dümmste Präsident, den wir jemals gehabt haben“, hatte bei dem schillernden Porno-Unternehmer keinen guten Stand. An seinem 62. Geburtstag im Jahr 2004 war Flynt zu seinem Pariser Striptease-Club nahe den Champs-Elysées gereist, „um dem ekelerregenden Klima der Wahlkampagne in den USA zu entfliehen“.

Das Pornoheft für den kleinen Mann

Monatsmagazin “Hustler”

Widerwärtig und ekelhaft – das sind Vorwürfe, die der Porno-King selbst oft zu hören bekam. Nach einer ärmlichen Kindheit im ländlichen Kentucky und Indiana, war Flynt noch als Teenager zum Militär gegangen. Mit 22 Jahren gründete er seinen ersten Hustler-Stripclub. Ein kleines Werbeblättchen mit Neuigkeiten über sein wachsendes Geschäft peppte er 1974 zur ersten „Hustler Magazine“- Ausgabe auf. Von Hochglanz-Männermagazinen wie „Playboy“ und „Penthouse“ setzte sich „Hustler“ (was im Englischen für Prostituierte beiderlei Geschlechts steht, aber auch für Drängler oder Schwindler) mit Schmuddel tief unter der Gürtellinie ab.

Das Pornoheft für den kleinen Mann machte immer wieder große Schlagzeilen. Etwa 1975, als Flynt von Paparazzi geschossene Nacktfotos der früheren First Lady Jacqueline Kennedy Onassis veröffentlichte. Den Kampf gegen die Zensur und für die Meinungsfreiheit hat sich Flynt stets auf seine Fahne geschrieben. Unzählige Male stand er vor Gericht, er landete auch kurz im Gefängnis.

Seit einem Attentat 1978 querschnittgelähmt

Wegen Verbreitung von Pornografie wurde er 1977 in Cincinnati (Ohio) zu einem Vierteljahrhundert hinter Gittern verurteilt, der Jury-Spruch wurde aber später von einem Berufungsgericht aufgehoben. Nach einem Gerichtstermin im US-Staat Georgia wurde Flynt im März 1978 aus dem Hinterhalt angeschossen. Seit dem Attentat ist er von der Hüfte abwärts gelähmt. Der Schütze war vermutlich ein rassistischer Fanatiker, der die Schüsse später zugab, als er bereits wegen einer anderen Straftat im Gefängnis saß. Zu besonderen Anlässen fährt Flynt in einem vergoldeten Rollstuhl vor.

Mit dem Film „Larry Flynt – Die nackte Wahrheit“ zollte Oscar- Preisträger Milos Forman („Einer flog über das Kuckucksnest“, „Amadeus“) Flynts umstrittener Gratwanderung zwischen Pornografie und Meinungsfreiheit Tribut. Bei der Berlinale 1997 gab es dafür den Goldenen Bären. Regisseur Forman und Produzent Oliver Stone nutzten gleich zwei amerikanische Mythen: die Karriere vom Tellerwäscher – oder Stripclub-Besitzer – zum Millionär und den Kampf des Einzelnen für die Freiheit aller.

Dem echten Flynt gefiel die Verfilmung seines Lebens, einschließlich Hauptdarsteller Woody Harrelson. Er fühle sich geehrt, sagte Flynt in Interviews, schließlich werde selten das Leben eines Mannes verfilmt, der noch lebe.

Amis zu depressiv für Sex?

Der fünffache Vater heiratete fünfmal. Die vierte Ehe endete 1987 mit einem tragischen Unfall, als Althea Flynt mit 33 Jahren in der gemeinsamen Hollywood-Villa in der Badewanne ertrank. Sie hatte als 17-Jährige in einem seiner Strip-Clubs gearbeitet.

Bei den kalifornischen Gouverneurswahlen 2003 zog der Demokrat gegen den Republikaner Arnold Schwarzenegger ins Feld. Von 135 Kandidaten schaffte es der „Hustler“-Herausgeber immerhin auf den siebten Rang, zwei Plätze vor der Pornodarstellerin Mary Carey.

In Washington versuchte er vor drei Jahren sein Glück, als er die Regierung – nach Banken und Autofirmen – um eine Finanzspritze für die Pornoindustrie fragte. „Es ist Zeit für den Kongress, den sexuellen Appetit Amerikas wieder aufzufrischen. Der einzige Weg dahin ist die Unterstützung der Pornoindustrie – und zwar rasch“, meinte Flynt. Angesichts der Wirtschaftskrise seien die Amerikaner zu depressiv, um sexuell aktiv zu sein, argumentierte Flynt.

(dpa, Foto: WikimediaCommons/Glenn Francis. Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert.)

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