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„Wir haben ja keine Wahl“: Marina Mohnen peilt fünften EM-Titel an

Die Spielführerin verrät das Erfolgsrezept der Rollstuhlbasketballerinnen – und warum ihr Vereinstitel nicht so wichtig sind. Von Maximilian Koch

Marina Mohnen (r) bei den Paralympics 2012 in London ((Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Marina Mohnen (r) bei den Paralympics 2012 in London ((Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Der Schock ereilte Marina Mohnen, als sie gerade einmal 20 Jahre alt war: Die Ärzte diagnostizierten eine schwere Kreuzbandverletzung, ihre Basketball-Karriere war beendet, ehe sie überhaupt richtig begonnen hatte.

„Basketball war damals mehr als ein Hobby für mich», erinnert sich Mohnen – und genau deshalb konnte sie nicht einfach damit aufhören. „Ich habe dann in meiner Heimat Bitburg bei einem Rollstuhlbasketballspiel zugeschaut und bin sofort neugierig geworden.” Nach einem Probetraining entschied sich Mohnen für die ihr bis dahin völlig unbekannte Sportart. Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Bislang 48 Punkte in drei Spielen

Heute ist Marina Mohnen 34 Jahre alt und zählt zu den besten deutschen Spielerinnen. Bei dieser EM hat erzielte sie in den drei Vorrundenspielen 16 Punkte im Schnitt – keine Akteurin im Team von Trainer Holger Glinicki war erfolgreicher. „Wir haben im Angriff viele Optionen, wechseln ständig durch. Da gibt es einige in unserem Team, die punkten können“, sagt die Spielführerin dennoch bescheiden.

Für die vierfache Europameisterin wäre der Sieg bei der Heim-EM bereits der sechste große internationale Titel – und doch ein besonderer: „Natürlich wäre das speziell, die Zuschauer stehen total hinter uns. Und als Paralympics-Sieger hat man ja quasi keine andere Wahl, als im eigenen Land den Titel zu gewinnen.“

Wochen gebraucht, um Paralympics zu verarbeiten

Vor einem Jahr in London sicherte sich Mohnen mit den deutschen Damen die Goldmedaille – ihr größter Erfolg. „Man realisiert in dem Moment gar nicht, was passiert. Jahrelang arbeitet man darauf hin, und dann plötzlich ist es so weit.“ Sie habe Wochen gebraucht, um das Ereignis zu verarbeiten – auch wegen der einzigartigen Stimmung. „Ausverkaufte Hallen, super viel Interesse – das war insgesamt ein wichtiger Schritt für den paralympischen Sport.“

Für Mohnen selbst gab es nach dem Event keine Zeit zum Durchatmen, schon zwei Wochen später ging es mit ihrem Club, den RBC Köln 99ers, wieder in der Bundesliga los. Ein Mammutprogramm – nicht nur für die studierte Wirtschaftspädagogin. „Bei uns im Verein hat jeder parallel noch einen anderen Job, das kann schon mal stressig werden.“

„Arbeiten und Training – viel mehr ist da nicht“

Mohnen arbeitet bei der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung in Brühl, eine Sportförderstelle, die gewisse Vorteile mit sich bringt. „Wenn das Nationalteam ruft, werde ich freigestellt. Das ist super, sonst wäre die Doppelbelastung gar nicht zu meistern.“

Doch auch in der regulären Bundesliga-Saison ist ihr Terminplan
prall gefüllt. „Arbeiten und Training – viel mehr ist da nicht.“ Beschweren darüber will sich Mohnen, die von 2009 bis 2011 in der italienischen Profiliga spielte, aber nicht. Sie fühlt sich gut aufgehoben in Köln und bei ihrem Club. „Mir war es immer wichtig, in Mannschaften zu spielen, in denen ich Einsatzzeit bekomme.“

Ein großer Verein wie RSV Lahn-Dill reizt nicht

Dass die Kölner wohl auch in den kommenden Jahren kaum eine Chance haben werden, den Topteams RSV Lahn-Dill und Mainhatten Skywheelers den deutschen Meistertitel streitig zu machen, stört Mohnen nicht: „Das ist nicht das entscheidende Kriterium für mich. Es reizt mich nicht, zu einem größeren Verein zu wechseln.“

Und so wird es wohl dabei bleiben, dass sie ihre Karriere irgendwann ohne großen nationalen Pokal beendet. Doch für Titel hat Marina Mohnen ja die Nationalmannschaft. Am Samstag könnte es wieder so weit sein – vorausgesetzt, dass das Viertelfinale gegen Italien gewonnen wird, das in diesem Augenblick (14 Uhr) angepfiffen wird.

Interview mit Marina Mohnen wenige Stunden vor dem EM-Finale: Warum Kult-Damennationaltrainer Holger Glinicki heute Bananen essen muss


ROLLINGPLANET-SPECIAL: Eurobasketball 2013


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