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Rollstuhlbasketball-EM: Deutsche Damen nach über einem Jahrzehnt entthront

Nach dramatischem Finale: Niederlande ist neuer Europameister.

Sie sind neuer Europameister: Nach ihrem 57:56-Sieg jubeln die niederländischen Spielerinnen. (Foto: Roland Holschneider/dpa)

Sie sind neuer Europameister: Nach ihrem 57:56-Sieg jubeln die niederländischen Spielerinnen. (Foto: Roland Holschneider/dpa)

Der deutsche Trainer Holger Glinicki tröstet Annika Zeyen (Foto: Roland Holschneider/dpa)

Der deutsche Trainer Holger Glinicki tröstet Annika Zeyen (Foto: Roland Holschneider/dpa)

Am Schluss gab es Tränen. Mit zwei verwandelten Freiwürfen in der letzten Sekunde hätte Annika Zeyen das Unentschieden und die Verlängerung erzielt – doch sie scheiterte. Danach war die 28-Jährige untröstlich – und erlebte zu ihrer eigenen Überraschung, dass die ARD-Kamera ganz dicht drauf hielt, bis ihr ein Handtuch gereicht wurde. Emotionen pur bei Deutschlands erstem Rollstuhlbasketball-Spiel, das überregional live ausgestrahlt worden war.

Die deutschen Damen haben ihren siebten Titel in Serie verpasst. 2.600 begeisterte Zuschauer in der Eissporthalle Frankfurt am Main und eine überragende Marina Mohnen reichten nicht aus, um nach über einem Jahrzehnt die Wachablösung bei der Eurobasketball 2013 zu verhindern.

Im EM-Endspiel unterlag der achtfache Europameister und Titelverteidiger Deutschland den niederländischen Damen in einem hochdramatischen Endspiel hauchdünn mit 56:57 (11:14/23:25/37:42). In den vergangenen sechs EM-Endspielen hatte die deutsche Auswahl diese Paarung immer zu ihren Gunsten entschieden. Bronze ging an Großbritannien, das im Spiel um Bronze Frankreich mit 60:39 bezwang.

Showdown zweier Weltklasseteams

Hochball zum Finale vor 3.000 Besuchern zwischen Marina Mohnen und Mariska Beijer (Foto: Uli Gasper/uliphoto.de)

Hochball zum Finale vor 3.000 Besuchern zwischen Marina Mohnen und
Mariska Beijer (Foto: Uli Gasper/uliphoto.de)

Das Duell der beiden Spielerinnen mit der Nr. 4 entschied die Niederländerin  Inge Huitzing (rechts) klar für sich gegen Mareike Adermann (Foto: Uli Gasper/uliphoto.de)

Das Duell der beiden Spielerinnen mit der Nr. 4 entschied die Niederländerin Inge Huitzing (rechts) klar für sich gegen Mareike Adermann (Foto: Uli Gasper/uliphoto.de)

Es war der erwartete Showdown zweier Weltklasseteams, die sich ein packendes Duell vor großer Kulisse lieferten. Zu Beginn hatte zunächst der Titelverteidiger den besseren Start und führte durch Kapitän Mohnen mit 11:8 (8.). Doch in der Folge kam der selbstbewusste Herausforderer immer besser ins Spiel. In dieser Phase fehlte der deutschen Offensive die Treffsicherheit, defensiv wurden die Angriffe der Niederländerinnen nicht konsequent unterbunden.

Insbesondere die Niederländerin Inge Huitzing, die im zweiten Viertel das 16:11 (11.) für ihre Farben erzielen konnte, wurde zur späteren Matchwinnerin und avancierte mit Marina Mohnen zu den prägenden Spielerinnen des EM-Finales 2013.

Furiose Aufholjagd der deutschen Damen

Der Gast aus den Niederlanden trotzte einer ohrenbetäubenden Geräuschkulisse und schien mit 38:25 bereits in der 26. Minute wie der sichere Sieger auszusehen. Doch diese vermeintliche Vorentscheidung war letztlich nur der Weckruf für die Paralympicssiegerinnen 2012 von Bundestrainer Holger Glinicki – der spätestens heute trotz der Niederlage als Kulttrainer gelten muss: TV-Fans dürften ihn und seine coole Art, selbst in dramatischsten Situationen verschmitzt zu lächeln, ins Herz geschlossen haben.

Als Mareike Adermann kurz vor dem Ende des dritten Viertels den 33:39-Anschluss (29.) herstellte und die Aufholjagd einleitete, stand die Eissporthalle Kopf, und die Gastgeberstadt machte ihrem Motto „Frankfurt dreht am Rad“ alle Ehre. Doch Oranje wehrte sich vehement gegen eine Wende im Spiel und behielt bis zum 56:51 (37.) die Nase knapp vorne.

Verdienter Sieg für Niederlande

Traurige Gesichter der deutschen Spielerinnen bei der Flower-Ceremony durch Hessens Innenminister (Foto: Uli Gasper/uliphoto.de)

Traurige Gesichter der deutschen Spielerinnen bei der Flower-Ceremony durch Hessens Innenminister (Foto: Uli Gasper/uliphoto.de)

Gegen Ende war die Spannung kaum mehr zu überbieten, als Johanna Welin 13 Sekunden vor der Schlusssirene den 55:56-Anschluss erzielte. Nach einem erfolgreichen Freiwurf für die Niederlande hatte ganze 0,5 Sekunden vor dem Abpfiff dann Annika Zeyen die eingangs erwähnte Chance, mit zwei weiteren Freiwürfen das deutsche Team in die Verlängerung zu retten.

„Wir haben heute über weite Strecken nicht richtig ins Spiel gefunden und es auch nicht geschafft, uns dorthin zurück zu kämpfen. Auch wenn es am Ende noch einmal sehr spannend wurde, muss ich anerkennen, dass die Niederlande heute verdient gewonnen hat“, gab sich Bundestrainer Glinicki in seinem Fazit als fairer Sportsmann.

Der einzige Trost für ihn: Er musste heute keine Banane essen – die mag Glinicki nicht, wie Mohnen kurz vor dem Finale in einem ROLLINGPLANET-Interview verraten hatte –, wozu er im Falle eines erneuten Triumphs von seinen Spielerinnen „gezwungen“ worden wäre.

Deutschland: Marina Mohnen (28, Köln 99ers), Gesche Schünemann (7/1 Dreier, Hamburger SV), Annika Zeyen (7, University of Alabama/USA), Mareike Adermann (4, University of Wisconsin/USA), Anne Brießmann (4, Mainhatten Skywheelers), Edina Müller (4, Hamburger SV), Johanna Welin (2, RBB München), Annabel Breuer (RSV Lahn-Dill), Heike Friedrich (Mainhatten Skywheelers), Anna Gerwinat (n.e., ALBA Berlin), Maria Kühn (n.e., Mainhatten Skywheelers), Maya Lindholm (n.e., Hamburger SV).

Niederlande: Inge Huitzing (24), Cher Korver (18), Mariska Beijer (6), Jitske Visser (2), Roos Oosterbaan (3), Barbara van Bergen, Lucie Houwen (n.e.), Saskia Pronk (n.e.), Sanne Timmerman (n.e.), Wendy van der Wal (n.e.), Wanda Zandbergen (n.e.).

(RP/aj/dpa)

Jubel beim neuen Europameister Niederlande (Foto: li Gasper/uliphoto.de)

In den Farben der Deutschen: Jubel beim neuen Europameister Niederlande (Foto: li Gasper/uliphoto.de)


ROLLINGPLANET-SPECIAL: Eurobasketball 2013


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