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21.3. = 21. Chromosom x 3

An diesem Mittwoch ist erstmals offiziell der Internationale Tag für Menschen mit Downsyndrom. Das Datum ist nicht zufällig gewählt.

Der 21.3.2012 ist Internationaler Downyndrom-Tag

Der 21.3.2012 ist Internationaler Downyndrom-Tag

Bei Menschen mit Downsyndrom ist das 21. Chromosom drei-, nicht zweimal vorhanden. Diese biologische Ausnahme (Trisomie 21) betrifft etwa jedes 600. neugeborene Kind.

Der Welttag Downsyndrom findet in diesem Jahr zum ersten Mal als offizieller Tag der Vereinten Nationen statt. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hatte dies im Dezember 2011 entschieden. Ziel ist es, die Situation von 21 x 3-Menschen in die Öffentlichkeit zu rücken und mit Vorurteilen aufzuräumen.

Pablo Pineda

Pablo Pineda: Akademiker mit Downsyndrom

Eins davon lautet, dass Menschen mit Downsyndrom „dumm“ sind (siehe dazu auch: Nach Protest von Eltern von Kindern mit Downsyndrom: Otriven zieht Werbespot zurück). Eindrucksvoll widerlegt dies der 34-Jährige Pablo Pineda – Europas erster Lehrer mit Downsyndrom.

Auch Daniel Themann, der ebenfalls das Downsyndrom hat, ist ein Beispiel. Der 39-Jährige aus dem niedersächsischen Langförden bei Vechta arbeitet in der örtlichen Tischlerei als ganz normaler Angestellter. Zu seinem Job fährt er mit seinem Motorroller.

Seit gut zehn Jahren ist er zudem politisch als Mitglied der SPD aktiv. Regelmäßig besucht der die Parteiversammlungen und ist im Ortsvorstand Beisitzer. Die SPD stellte ihn für die Bundesversammlung auf. Warum er Joachim Gauck wählte? „Weil er für die Freiheit ist, und Freiheit braucht Gerechtigkeit“, sagt Themann.

„Menschen mit Downsyndrom müssen in allen Lebensbereichen mitten in der Gesellschaft teilhaben können, ob in Kindertagesstätten, Schulen, der beruflichen Bildung, Arbeit, beim Wohnen oder in der Freizeit. Dies ist allerdings derzeit noch eher die Ausnahme als die Regel“, erklärte der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, aus Anlass des heutigen Tages.

Es gelte, weiter daran zu arbeiten, bestehende Strukturen aufzubrechen und inklusive Wege zu eröffnen. „Hier sind alle gefordert, Einrichtungs- und Kostenträger, Erziehungs- und Lehrpersonal, Schulleitungen und -träger, Unternehmen und Arbeitnehmervertreter, Kirchen sowie Verantwortliche in Bund, Ländern und Kommunen“, betont Hüppe. „Die Menschen leiden nicht am Downsyndrom, wie oft formuliert wird. Sie leiden allenfalls an oft immer noch bestehenden Vorbehalten in der Gesellschaft“.

Lebensrecht abgesprochen

Die Vorbehalte gingen teilweise soweit, dass Menschen mit Downsyndrom das Lebensrecht abgesprochen werde, so Hüppe. Er verweist hierbei auf die bevorstehende Einführung eines Bluttests auf Downsyndrom, der im Rahmen der Pränataldiagnostik angewandt werden soll.

„Dieser Test ist nicht nur im hohen Maße diskriminierend, ich halte ihn auch für illegal. Er dient weder medizinischen noch therapeutischen Zwecken, sondern einzig und allein der Selektion von Menschen mit Downsyndrom“, erklärt Hubert Hüppe. Wie ROLLINGPLANET exklusiv berichtete, wird dieser Test im zweiten Quartal dieses Jahres auf den Markt kommen.

Hüppe fordert zum Protest auf

Bereits heute sei die Praxis der Pränataldiagnostik nicht mit der Gesetzeslage konform. Zurzeit werden nach Schätzungen über 90 Prozent der Kinder mit Downsyndrom abgetrieben. Das sei weder ethisch noch medizinisch begründbar, so Hubert Hüppe. „Der Druck auf Paare, abzutreiben, wird mit Einführung des Tests noch steigen, weil zukünftig ein einfacher Bluttest reicht. Der Test wird sich auch nicht auf einzelne Fälle begrenzen lassen, anders als derzeit versichert wird“, so Hubert Hüppe. Diese Ankündigungen habe es schon gegeben als die Pränataldiagnostik eingeführt wurde, die im Laufe der Jahre zum Standard geworden ist. „Der Mensch nach Maß darf nicht zum Maßstab werden“, betont der Behindertenbeauftragte.

Informationen zu Protestaktionen von Initiativen gegen die Einführung des neuen Bluttests finden Sie hier:
Infoblatt Welttag Downsyndrom (PDF/1MB)
http://www.haeberlstrasse-17.de/

Weitere Linktipps

kobinet:
Im Fadenkreuz der Pränataldiagnostik
Keine neue Selektion – Bluttest auf Trisomie 21 sortiert Menschen aus

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