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25 Jahre „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“: So verrückt war das mit dem Rollstuhl

Interview mit GZSZ-Fiesling Wolfgang Bahro alias Jo Gerner über Fans, Bösewichte, gemischte Umkleidekabinen – und warum die Rolle als Rollifahrer seine extremste Geschichte war.

„Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (v.l.n.r.): Schauspieler Wolfgang Bahro, Thaddäus Meilinger, Valentina Pahde und Janina Uhse (Foto: Benjamin Kampehl/RTL/dpa)

„Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (v.l.n.r.): Schauspieler Wolfgang Bahro, Thaddäus Meilinger, Valentina Pahde und Janina Uhse (Foto: Benjamin Kampehl/RTL/dpa)

Die RTL-Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (GZSZ) ist so etwas wie die Mutter aller deutschen Daily Soaps. Ohne Schauspieler Wolfgang Bahro (56) wäre sie aber wohl nur halb so viel wert. Seit 1992 lugt er als Anwalt Jo Gerner maliziös hinter Häuserecken hervor, zieht charmant die Strippen im Hintergrund und plant Intrigen. Jo Gerner saß am Anfang der Serie wegen eines Fenstersturzes im Rollstuhl, konnte seine Unpässlichkeit aber überwinden. Hier spricht Bahro über die wilden 90er Jahre des Privatfernsehens, Regisseure ohne Deutschkenntnisse und die verrückteste Geschichte seines Serien-Ichs. Die Fragen stellte Jonas-Erik Schmidt.

„Charismatische Bösewichte sind wichtig“

Herr Bahro, Sie spielen seit Folge 185 von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ Jo Gerner, „Deutschlands besten Anwalt“. Mittlerweile gibt es mehr als 6000 Folgen. Könnten Sie mit ihrem Wissen notfalls vor Gericht als Verteidiger einspringen?

Definitiv nicht. Man kann Gerner allerdings auch nicht mit einem normalen Anwalt vergleichen. Normale Juristen müssen sich spezialisieren auf bestimmte Rechtsgebiete. Gerner hingegen ist ein Universalgenie. Der kennt sich sowohl im Straf- als auch im Zivilrecht aus. Dafür reichen meine Kenntnisse erst recht nicht aus.

Stimmt es, dass Sie trotzdem schon mal von Zuschauern als Anwalt angefragt wurden?

Das ist so. Ich bekam öfters mal die Anfrage. Ich habe dann stets den Rat gegeben, davon abzulassen und darauf hingewiesen, dass das eher zum Nachteil werden könnte.

Wolfgang Bahro ist deutschlandweit bekannt als Anwalt Jo Gerner in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Daneben ist er regelmäßig im Theater und Kabarett zu sehen. Zudem ist Bahro ein gern gebuchter Synchronsprecher (unter anderem Steve Buscemi), bekennender „Star Trek“-Fan – und sozial engagiert wie auf diesem Foto. Es entstand am 19. Dezember 2016 in in Berlin im Hotel Estrel beim traditionellen Weihnachtsessen für Menschen von der Straße, das von Sänger Frank Zander, dem Diakonischen Werk und dem Hotel Estrel ausgerichtet wird. Hier serviert Bahro den Gästen Gänsebraten. (Foto: Jens Kalaene/dpa)

Wolfgang Bahro ist deutschlandweit bekannt als Anwalt Jo Gerner in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Daneben ist er regelmäßig im Theater und Kabarett zu sehen. Zudem ist Bahro ein gern gebuchter Synchronsprecher (unter anderem Steve Buscemi), bekennender „Star Trek“-Fan – und sozial engagiert wie auf diesem Foto. Es entstand am 19. Dezember 2016 in in Berlin im Hotel Estrel beim traditionellen Weihnachtsessen für Menschen von der Straße, das von Sänger Frank Zander, dem Diakonischen Werk und dem Hotel Estrel ausgerichtet wird. Hier serviert Bahro den Gästen Gänsebraten. (Foto: Jens Kalaene/dpa)

Gerner ist seit vielen Jahren der Schurke bei GZSZ. Braucht eine gute Serie so eine große, böse Konstante?

Naja, Schurke. Ich würde sagen: Gerner ist mit allen Wassern gewaschen, er kann aber auch sehr charmant sein. Aber ja: Charismatische Bösewichte sind wichtig. Wenn man an „Dallas“ denkt, denkt man an J.R. Ewing, an den Bösewicht. Das ist auch in erfolgreichen Kinofilmen so. Schauen Sie sich „Star Wars“ an, da denkt man neben Luke Skywalker zuerst an Darth Vader. Wenn man so will, ist Gerner der Darth Vader von GZSZ. Nur, dass er mit der Atmung noch nicht solche Probleme hat.

Über die Anfänge von GZSZ liest man allerhand. War es wirklich so, dass am Anfang die Kulissen umgefallen sind?

Die Kulissen sind nicht umgefallen. Aber sie haben gewackelt, wenn man die Türen zumachte. Es war schon ein wenig improvisiert. Auch die Kollegen, die dort mitspielten, waren oft nicht ausgebildete Schauspieler, sondern Models. Die sahen gut aus, konnten aber oft keine drei Sätze geradeaus sagen. Wir hatten am Anfang auch keine getrennten Garderoben, sondern nur eine große für Männlein und Weiblein. Am Anfang hatten wir auch australische Regisseure, die Vorlage kam ja aus Australien. Die sprachen gar kein Deutsch. Die Serie ist mit der Zeit gewachsen.

Gerner bot der Mutter seines Kindes mal zwei Millionen Euro, damit sie die Schwangerschaft zu Ende bringt. Danach entführte er sie. Irgendwann scheinen die Figuren solche Schaurigkeiten aber wieder komplett vergessen zu haben. Gehört es zum Prinzip, zu übertreiben?

Die Themen sind schon nahe an den Zuschauern – es geht um die erste Liebe, um Kinderkriegen und so weiter. Aber sie sind zum Teil natürlich total übertrieben. Jemand, der das erlebt hat, was Jo Gerner erlebt hat, hätte sich entweder schon die Kugel gegeben oder wäre in der Irrenanstalt gelandet. Bei GZSZ wird aber verziehen. Da vergisst man einfach mal, dass man eben noch Todfeind war und geht wieder zu Jo Gerner, weil man Rechtsbeihilfe braucht. Das ist das, was die Serie ausmacht. Und witzigerweise wird das auch ganz selten hinterfragt. Ich treffe manchmal Leute, die mir sagen, dass sei ja alles wie im wirklichen Leben. Ich denke mir dann: Wo leben die denn?

Was war das Extremste, das Sie als Gerner gespielt haben?

Das Extremste war, als Gerner mal im Rollstuhl saß. Er ist dann zu einem Guru, der ihm eingeredet hat, dass er wieder gehen kann, wenn er um Mitternacht bei Mondlicht in den Wannsee fährt. Da bin ich zur Produktion gegangen und habe gesagt: Das könnt ihr doch nicht machen. Der Mann ist Akademiker! Der fährt doch nicht nachts mit einem Rollstuhl in den Wannsee! Es wurde dann trotzdem gemacht. Der Produzent – damals noch ein Australier – sagte mir: „Wolfgang, weißt du, I know, es ist eine furchtbar blödsinnige Story. Aber du bist so ein Superschauspieler, du spielst das schon“. Damit hatte er mich natürlich.

„Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ wird 25 Jahre alt – die erste Folge erreichte die Wohnzimmer am 11. Mai 1992. RTL feiert den Geburtstag mit einer Event-Folge in Spielfilmlänge. Ausgestrahlt wird sie am 17. Mai ab 19.40 Uhr. Im Anschluss läuft ab 21.35 Uhr ein Special, das einen Blick hinter die Kulissen von „GZSZ“ erlaubt.

(RP/dpa)

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