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500.000 Euro für Inklusion, Hochschulen und Barrierefreiheit

Bayern unterstützt einen neues Forschungsvorhaben, das auch bundesweit Anregungen geben soll. Die Koordination liegt bei der Universität Würzburg.

Alfred Forchel, Universitätspräsident Würzburg. (Foto: Uni Würzburg)

Alfred Forchel, Universitätspräsident Würzburg. (Foto: Uni Würzburg)

Ein neuer Forschungs- und Praxisverbund ist am Start: „Inklusive Hochschule und barrierefreies Bayern“. Konzipiert wurde der Verbund von den Universitäten Würzburg und Bayreuth sowie der Technischen Hochschule Deggendorf und den Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Ansbach, Landshut und München. Sein Ziel: Die durch Initiativen wie „Inklusive Hochschule“ oder „Bayern barrierefrei 2023“ angestoßenen Prozesse zusammenführen und wissenschaftlich begleiten. Dazu sollen die praxisorientierte Forschung ausgebaut, neue Lehrformen entwickelt, Netzwerke gebildet und Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden.

Der bayerische Landtag unterstützt das Vorhaben ab Januar 2017 ein Jahr lang mit 500.000 Euro. „In unserer Gesellschaft sind noch viele Fortschritte auf den Gebieten Inklusion und Barrierefreiheit nötig“, so Universitätspräsident Alfred Forchel bei einer Pressekonferenz an der Universität Würzburg, wo der neue Verbund vorgestellt wurde. Er freue sich darum sehr über die finanzielle Förderung. Dafür dankte er dem Landtagsabgeordneten Oliver Jörg, der die Finanzierung ermöglicht habe.

Inklusion ist mehr als Barrierefreiheit beim Bauen

Jörg erklärte bei der Pressekonferenz, dass der Landtag im Bereich der Inklusion bislang primär das barrierefreie Bauen gefördert habe. Nun würden deutliche inhaltliche Schwerpunkte gesetzt und die Perspektive auf andere Felder ausgeweitet. Dazu gehört zum Beispiel die verstärkte Integration der Thematik in die Lehre und die Entwicklung eines barrierefreien multimedialen Leitsystems, das etwa Menschen mit Sehbehinderungen durch öffentliche Gebäude lotsen soll.

Ein solches Leitsystem wird im Rahmen des neuen Projekts an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Ansbach vorangetrieben, wie deren Präsidentin Ute Ambrosius berichtete. Sie nahm an der Konferenz als Vertreterin der am Verbund beteiligten Hochschulen teil.

Koordinationsteam an der Uni Würzburg

An der Universität Würzburg wird der Verbund von vier Personen koordiniert: Professor Reinhard Lelgemann, Beauftragter der Universitätsleitung für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung, sein Stellvertreter Dr. Olaf Hoos, Sandra Mölter, Leiterin der Kontakt- und Informationsstelle für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung (KIS), und Bernd Mölter, Leiter der Schwerbehindertenvertretung der Universität.

Sandra Mölter umriss bei der Konferenz die Ziele des Verbunds. Im Einzelnen sollen folgende Vorhaben realisiert werden:

Ausbau der praxisorientierten Forschung
Es gilt, vorhandene Forschungsansätze auf den Gebieten Inklusion und Barrierefreiheit zu vertiefen. Dazu sollen neben den einschlägigen Disziplinen wie Architektur, Pädagogik und Sonderpädagogik auch andere Fächer verstärkt einbezogen werden, zum Beispiel Psychologie, Kunst, Ethnologie, Disability Studies oder Kommunikationswissenschaft. Für diese Interdisziplinarität sind die Verbundpartner aufgrund ihrer vielfältigen Kompetenzen sehr gut aufgestellt.
An der Universität Würzburg werden sich die Forschungsarbeiten den Bedingungen widmen, unter denen inklusive (Hochschul-) Bildung gelingen kann. An der Hochschule Landshut stehen die Erfahrungen im Mittelpunkt, die gehörlose Menschen im akademischen Betrieb machen. Die Universität Bayreuth befasst sich mit der Zugänglichkeit von Kultureinrichtungen; an der Hochschule Ansbach wird ein barrierefreies multimediales Leitsystem für öffentliche Gebäude entwickelt.
Integration in die Lehre/neue Lehrformen
Um die Fachleute von morgen für Fragen der Barrierefreiheit und Inklusion zu sensibilisieren, entwickeln die Verbundpartner neue Module für ihre Bachelor- und Master-Studiengänge.
So wird zum Beispiel die Fakultät für Architektur der Hochschule München ein Format über Grundlagen der Inklusion in ihr Lehrangebot aufnehmen. Die Hochschule Ansbach und die Technische Hochschule Deggendorf wollen gemeinsam Ansätze für barrierefreies Lernen und Lehren mit digitalen Medien entwickeln. Die Universität Würzburg widmet sich dem Transfer von Erkenntnissen über Integration und Inklusion in die Schulen und Hochschulen. Mit ihren gut 6.000 Studierenden, die in Lehramtsstudiengängen eingeschrieben sind, besteht hierfür ein großes Potenzial.
Netzwerk in Bayern erweitern
Die bayerischen Beauftragten für Studierende mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen stehen bereits in einem intensiven informellen Kontakt. Dieses Netzwerk soll im Rahmen des Verbunds erweitert werden: Geplant ist, zukünftig auch Organisationen von Betroffenen, politische Akteure, einschlägige Landesstellen und Beauftragte, Berufsverbände, örtliche Schwerbehindertenvertretungen, Studentenwerke, Integrationsämter und andere für Inklusion und Barrierefreiheit relevante Partner mit einzubinden. So soll eine gute Basis für Ideentransfer und Wissensaustausch gelegt werden.
Wissen transferieren
Die Verbundpartner möchten vorhandene Angebote zur Beratung und Qualifizierung systematisch aufbereiten und sie auf der Basis von Ergebnissen aus den neuen Forschungs- und Lehrprojekten weiterentwickeln. Davon sollen Universitäten, Hochschulen, Schulen und andere Bildungseinrichtungen ebenso profitieren wie Museen, Kinos und weitere Kulturinstitutionen.
Um Bildungs- und Kultureinrichtungen bei der Herstellung von Barrierefreiheit zu unterstützen, werden in den Teilprojekten Empfehlungen und Leitlinien entwickelt, die sich aus den praktischen Erfahrungen und Forschungsergebnissen ableiten.

„Neue Impulse für Inklusion“

„Die Förderung des Verbundprojekts durch den Bayerischen Landtag freut uns sehr“, so Sandra Mölter. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass die neuen Projekte der Inklusion und Barrierefreiheit viele neue Impulse geben und dass wir damit die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben weiter voranbringen. Und das nicht nur in Bayern, sondern auch darüber hinaus.“

(RP/PM)

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