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70.000 psychisch kranke und behinderte Menschen ermordet

Am Sonntag ist landesweiter Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.

Zum Gedenken an die Ermordeten wurde 1990 in Grafeneck eine offene Gedenkstätte erbaut. Im Jahr 2005 wurde zusätzlich ein Dokumentationszentrum errichtet, in dem die Geschichte einzelner Opfer dargestellt ist. (Foto: gomadingen.de)

Wen interessiert das heute noch? „Der Ort Grafeneck befindet sich auf der Schwäbischen Alb (Baden-Württemberg) in Deutschland. In Grafeneck wurden zur Zeit des Nationalsozialismus Menschen umgebracht. Die Nazis verharmlosten diese Morde an Behinderten als ,Gnadentod‘“, klärt die Seite Endstation:GRAFENECK auf. „In Grafeneck begannen die Nazis systematisch Menschen zu ermorden. 1940 brachten sie hier mit Gas mehr als 10.000 Behinderte und psychisch Kranke um. Es war eine Idylle, ein Jagdschloss der württembergischen Herzöge auf der Schwäbischen Alb. Von 1929 an war es zudem Heimat für 110 behinderte Männer. Hier fanden sie Sicherheit, Pflege und Versorgung. Am 14. Oktober 1939 wurde die Heil- und Pflegeanstalt Grafeneck von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und in wenigen Wochen zur Tötungsanstalt umgebaut.“

Das sollte heute noch möglichst viele interessieren – aus Anlass des landesweiten Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus hat Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) an die Ermordung psychisch kranker und behinderter Menschen erinnert. Die Auseinandersetzung mit diesen Verbrechen sei auch heute von aktueller Bedeutung, sagte die Ministerin heute in Stuttgart. „Das Erinnern schärft unser Bewusstsein für ethische Fragestellungen der Gegenwart.“

Die Nationalsozialisten ermordeten 1940 bis 1941 mehr als 70.000 psychisch kranke und behinderte Menschen, mehr als 10.600 davon in der baden-württembergischen Tötungsanstalt Grafeneck bei Gomadingen im Kreis Reutlingen. Hier wurden die Opfer vor allem aus Baden, Württemberg und Bayern herangekarrt.

Am Sonntag (27.1.) erinnert der Landtag mit einer zentralen Gedenkfeier in Mannheim an die Opfer des Nationalsozialismus. In den Zentren für Psychiatrie (ZfP) des Landes finden laut Altpeter ebenfalls Gedenkveranstaltungen statt.

Mahnung für künftige Generationen

Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat vor dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus zu Wachsamkeit und Engagement aufgerufen. „Der 27. Januar ist ein Tag des Gedenkens und des Nachdenkens über unsere Geschichte. Wir werden die Opfer der nationalsozialistischen Tyrannei und ihr Vermächtnis nie vergessen“, sagte er heute in Magdeburg. Dieser Tag sei aber auch ein Appell an „unsere Verantwortung für die Zukunft. Wir müssen jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“

Die Erinnerung dürfe nicht enden, sie müsse auch künftige Generationen mahnen. Der 27. Januar erinnere daran, wohin Hass, Rassismus und blinder Fanatismus führten. „Dessen müssen wir uns stets bewusst sein“, sagte Haseloff weiter.

Auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog wurde 1996 der 27. Januar zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erklärt. Am 27. Januar 1945 hatten Truppen der Roten Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit.

(RP/dpa/dapd)

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