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850.000-Euro-Kredit: Banken retten (vorerst) Meyra Ortopedia

Der insolvente Rollstuhlhersteller bemüht sich nun um Aufträge aus der metallverarbeitenden Industrie.

Die in der Meyra Produktion für die Rollstuhl-Herstellung eingesetzten Maschinen sollen nun auch für Aufträge genutzt werden (Foto: Meyra Produktion)

Die in der Meyra Produktion für die Rollstuhl-Herstellung eingesetzten Maschinen sollen nun auch für Aufträge genutzt werden (Foto: Meyra Produktion)

Die Banken haben dem insolventen Unternehmen Meyra Ortopedia aus Kalletal-Kalldorf (Nordrhein-Westfalen) einen für das Überleben dringend erforderlichen Massekredit über 850.000 Euro gewährt. Dabei handelt es sich um einen unter besonderen Bedingungen erteilten „Schnellkredit“, der vor allen anderen Forderungen bedient werden muss. Dies teilte heute Insolvenzverwalter Hans-Peter Burghardt, Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer aus Herford, der Belegschaft mit.

„Die Banken sind unserer Empfehlung gefolgt. Das ist eine gute Nachricht und gleichzeitig ein wichtiger Meilenstein, um den Geschäftsbetrieb fortzuführen“, so Burghardt. Der bisherige, vorläufige Gläubigerausschuss hatte seine gesetzlich notwendige Zustimmung zur Fortführung des Geschäftsbetriebs an die Gewährung des Massekredits geknüpft.

Meyra Ortopedia hatte mit Wirkung zum 1. Juni 2013 insgesamt 149 Mitarbeiter freigestellt (ROLLINGPLANET berichtete). Derzeit wird mit der Arbeitnehmervertretung ein Interessenausgleich sowie ein Sozialplan für die von Kündigung betroffenen Mitarbeiter verhandelt.

„Gewonnene Zeit für Investoren-Auswahl nutzen“

Mit Blick auf die kommenden Monate sagte Burghardt: „Wir müssen die gewonnenen zeitlichen Spielräume jetzt nutzen, um aus der Vielzahl aktiver Interessenten einen geeigneten Investor zu finden. Meyra braucht einen Partner, um erfolgreich saniert zu werden. Die potentiellen Investoren prüfen derzeit die wirtschaftlichen Eckdaten des Unternehmens und bewerten die daraus resultierenden Chancen für eine Sanierung. Der Auswahlprozess dauert an.“

Die Anzahl potentieller Investoren habe sich auf rund 50 erhöht. Der entsprechende Auswahl-Prozess wird über die Mentor AG, Minden/Trier, geführt. Die Beratungs- und Prüfungsgesellschaft ist laut ihres Firmenprofils schwerpunktmäßig „seit mehr als 15 Jahren in den Bereichen Krise, Sanierung und Insolvenz tätig. Daneben beschäftigen wir uns mit dem Thema Unternehmensnachfolge.“

Aufträge aus der metallverarbeitenden Industrie gesucht

Zu den Unternehmen der Meyra Ortopedia-Gruppe gehört auch eine Produktionsgesellschaft (Meyra Produktion Kalldorf GmbH & Co. KG) für die TÜV-zertifizierte Rohr- und Profilbearbeitung, die über einen modernen Maschinenpark verfügt – und nun helfen soll, den Rollstuhlhersteller zu sanieren.

Das Angebot reiche von moderner CNC-Zerspanung über Lasern, Biegen, Oberflächen-Behandlung bis hin zur Fertigung von ganzen Baugruppen. Die Kapazitäten des Unternehmens seien so ausgelegt, dass neben der Produktion von Bauteilen für Rollstühle auch Komponenten für andere Unternehmen im Rahmen der Lohn- und Fremdfertigung produziert werden.

„Wir sprechen aktuell mit Unternehmen aus der metallverarbeitenden Industrie, die Interesse haben, kurzfristig eigene Engpässe mit den freien Produktionskapazitäten von Meyra zu beseitigen“, sagte Burghardt.

Gläubiger müssen sich bis 26. Juni melden

Nach der erfolgten Gewährung des Massekredits durch die beteiligten Banken laufe der Geschäftsbetrieb stabil weiter Burghardt: „Der Auftragsbestand ist zufriedenstellend.“

Das Gericht hat für Ende Juli einen Termin für die Gläubigerversammlung bestimmt und außerdem festgelegt, dass Gläubiger noch bis zum 26. Juni 2013 Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden können.

(PM)

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