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Absurdistan: So wahnwitzig kann die Gesundheitsbürokratie in Deutschland sein (Teil 1)

(Foto: Terry U. Weller /pixelio.de)

„Legen Sie der Leiche ein Blankoformular bei“: Mitglieder des Ärztenetzwerkes Hippokranet schildern (unglaubliche) Fälle aus ihrer Praxis.

Nachwachsende Extremitäten

„Einem Patienten waren innerhalb von 2 Jahren alle vier Extremitäten amputiert worden. Dieses stand in Klartext auf dem Krankenschein“, erinnert sich ein Hausarzt: „Jedes Quartal bekam ich eine Anfrage von der Krankenkasse, ob noch weiter eine häusliche Pflege erforderlich sei. Ich habe dann ein Foto von dem Patienten gemacht, wie er alle Stümpfe von sich streckt. Dieses habe der kranken Kasse geschickt mit dem Kommentar, mir ist nicht bekannt, dass beim Menschen Extremitäten nachwachsen. Ab dann kamen keine Anfragen mehr zu diesem Patienten.“

Es wird beantragt, einen Antrag stellen zu dürfen

Genauso unglaublich: Um einen Patienten in die Reha-Klinik zu schicken, müssen Ärzte einen Antrag ausfüllen – aber nur, um überhaupt das eigentliche Antragsformular zu erhalten, auf dem Sie dann den Antrag stellen können. Das darf aber nicht jeder ausfüllen, sondern die Ärzte müssen erst einen 20stündigen Weiterbildungskurs absolvieren, bevor sie das Formular ausfüllen dürfen.

84 Seiten Richtlinien

Ein anderer Arzt: „Wenn ein HNO-Arzt Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie verschreiben will, muss er die 84seitige Heilmittel-Richtlinien vom 1.7.2004 mit allen Ergänzungslieferungen im besten Behördendeutsch kennen, verstehen und berücksichtigen. Für dieses Meisterwerk hat der Verantwortliche eine Belohnung verdient. Ich schlage vor, dass er zum ‚König der Bürokraten‘ ernannt wird.“

Blankoformular in den Sarg

„In Bayern müssen Ärzte nach der Leichenschau einen Formularsatz in einem verschlossenen Umschlag in den Sarg einlegen. Das klingt soweit vernünftig – aber: Das Formular muss nicht ausgefüllt werden, sondern wird in jeden Sarg blanko ohne den Namen des Verstorbenen eingelegt für den Fall, dass eine Obduktion erfolgt.“

Kein Abführ-Klistier ohne Nachfrage

„Es ist nicht möglich, bei der häuslichen Krankenpflege eines schwerstbetroffenen Patienten auf dem üblichen Formular den Schwestern zu erlauben, bei Bedarf ein Abführ-Klistier zu verabreichen“, klagt ein Hausarzt im Hippokranet. Zunächst muss die Krankenkassen-Anfrage beantwortet werden: „Welche Maßnahmen haben sie bisher ergriffen, um den Klistier Einsatz zu vermeiden? „.

Bestätigung, dass ein Säugling sich nicht versorgen kann

Kinder, die mit Ihren Müttern zur Kur sollen, brauchen immer eine Bescheinigung, damit diese mitfahren können: „Kevin muss die Mutter begleiten, da er sich als Säugling zuhause nicht alleine versorgen kann“, müsse er schreiben, sagt ein Arzt genervt: „Wenn es der Arzt schreibt, wird es vielleicht auch dem Sachbearbeiter klar!“

Lesen Sie morgen Teil 2 auf ROLLINGPLANET: Warum ein Rezept wegen eines Bindestrichs nicht gültig ist

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