ADAC prangert Parkhäuser an: Zu viele Nachteile für Behinderte

Die große Mehrheit der untersuchten Häuser hat keine oder zu wenig Stellflächen oder ist nicht barrierefrei.

Deutscher Alltag für gehandicapte Autofahrer/innen: Stellvertretend für viele andere Negativbeispiele zeigen wir hier das Parkhaus in der Poststraße 17 in Heidelberg – auch hier gibt es keine ausgewiesenen Behindertenparkplätze und der Kassenautomat ist nicht barrierefrei. (Foto: Beirat von Menschen mit Behinderungen in Heidelberg)

Deutscher Alltag für gehandicapte Autofahrer/innen: Stellvertretend für viele andere Negativbeispiele zeigen wir hier das Parkhaus in der Poststraße 17 in Heidelberg – auch hier gibt es keine ausgewiesenen Behindertenparkplätze und der Kassenautomat ist nicht barrierefrei. (Foto: Beirat von Menschen mit Behinderungen in Heidelberg)

Viele Parkhäuser sind schlecht auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung ausgerichtet. Das ergab ein Parkhaustest des ADAC, der heute veröffentlicht wurde. Von 44 untersuchten Häusern hatten zwei Drittel keine oder zu wenig Stellflächen, die für Behinderte ausgewiesen sind. Bei fast ebenso vielen war der Zugang nicht barrierefrei. So seien die Tasten in Aufzügen oder an Kassenautomaten oft viel zu hoch angebracht und für Rollstuhlfahrer fast nicht zu erreichen: „An keinem einzigen Kassenautomaten fanden sich ausreichend niedrige Bedienelemente“, heißt es dazu in einer Mitteilung des Automobilclubs. Bereits vor vier Jahren hatte der ADAC auf den Mangel an behindertengerechten Parkhäusern hingewiesen – wenn selbst ein Riese wie der ADAC (und damals war er noch nicht einmal von seinem eigenen Skandal erschüttert) die Zustände anmahnt und sich daraufhin wenig ändert, ist das erschreckend.

Immerhin: Es gab auch Positivbeispiele. Dazu gehören die Einzelstellplatzanzeigen im Aquis-Plaza in Aachen, über die sogar die Behindertenparkplätze extra angezeigt werden. Im Behnisch-Haus in Krefeld wird in der Einfahrt deutlich darauf hingewiesen, auf welcher Parkebene die barrierefrei zugänglichen Parkplätze zu finden sind.

Nicht auf moderne Autos eingerichtet

Viele Parkplätze seien nach wie vor zu schmal, kritisierten die Tester außerdem – schließlich seien moderne Autos sehr viel breiter als ältere Modelle. Der Golf etwa legte seit 1974 um 20 Zentimeter zu: Von 1,61 auf 1,81 Meter. Der ADAC fordert deshalb schon lange, die Garagenverordnungen aus den 1970er Jahren zu modernisieren und die Mindestbreite für Stellplätze von 2,30 auf 2,50 Meter zu erhöhen.

Den letzten Platz im Test „ergatterte“ sich die Tiefgarage Am Theater in Heidelberg: Die Einfahrthöhe zu knapp, Fahrgassen und Parkplätze schlecht beleuchtet, die Parkplätze zu schmal, die ebenfalls zu schmalen Behinderten-Parkplätze nicht barrierefrei zu erreichen, gar keine Parkplätze für Eltern mit Kindern, keine Notrufe und auch kein Handy-Empfang – so die Kritikpunkte. Nicht vom ADAC angeguckt, aber dafür von ROLLINGPLANET-Redakteuren: Ausgerechnet in Heidelberg, wo traditionell viele Menschen mit Behinderung leben, gibt es zahlreiche Parkhäuser, die nicht behindertenfreundlich sind – betroffen ist nicht nur die Garage Am Theater, sondern beispielsweise auch das Parkhaus der Stadtbücherei (siehe Foto oben).

Zurück zu den ADAC-Prüfern: Für den Test waren sie von September bis Dezember 2015 durch zwölf Städte gereist, die zwischen 100.000 und 250.000 Einwohner haben – darunter Würzburg, Aachen, Magdeburg, Ludwigshafen, Osnabrück und Saarbrücken. Allerdings hatten die Tester Probleme: 19 Betreiber verwehrten ihnen den Zutritt: „Die überwiegend privaten, aber auch kommunalen Betreiber drohten teilweise mit einer Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs“, teilt der ADAC mit, der deshalb auf andere Parkhäuser ausweichen musste.

Kritik am Test

Der Bundesverband Parken kritisierte das Vorgehen des ADAC, der am Mittwoch eine Liste mit Parkhäusern veröffentlicht hatte, die den Testern den Zutritt verwehrt hatten. Die Überschrift „Die im Dunkeln Bleiben“ erwecke den Eindruck, als wollten die Parkhausbetreiber etwas verbergen. Im Übrigen habe der Automobilclub die Tests nach seiner Reform neu organisiert. Bundesverband und Parkhausbetreiber seien nicht im Detail über die Bewertungskriterien informiert worden.

Der Parkhausgigant Contipark (betreibt rund 400 Objekte in mehr als 160 Städten und hat unter anderem eine Kooperation mit der Deutschen Bahn) verwehrte den Testern in sieben Häusern den Zutritt. Das Unternehmen sprach von fehlendem Vertrauen und von negativen Erfahrungen. Die teilweise unseriösen Bewertungen der Tests hinterließen ein falsches, negatives Bild in der Öffentlichkeit über die Parkhausbranche, bemängelte das Unternehmen in Berlin. Früher bereits als benutzerfreundlich zertifizierte Parkhäuser seien nicht in den Test mit einbezogen worden, gute Einrichtungen würden so unterschlagen. Auch würden sanierungsbedürftige Häuser als negativ bewertet, ohne auf laufende oder anstehende Maßnahmen hinzuweisen.

(RP/PM/dpa)

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3 Kommentare

  • Lieschen Müller

    im Prinzip kannst du als Rollstuhlfahrer überhaupt nicht in einer Tiefgarage parken. 1. als Frau zu gefährlich -2. meistens sind keine Rollstuhlparkplätze vorhanden – 3. Parkplatz ist meistens zu schmal ( keine 3,50 m breit ) – 4. du bist öfters mal zugeparkt und findest niemnanden der dir dein Auto ausparken kann – 5. die Kassenautomaten hängen zu hoch – also kannst du nicht bezahlen und kommst saomit auch nicht mehr aus dem Parkhaus raus.. Es ist eine Schande. Zudem könnte ich auf der Straße auf fast jedem Parkplatz bis zu 3 Stunden mit dem blauen Sondeausweis für BehInderte parken ohne Entgeld. Also ist man als Rollifahrer im Parkhaus immer „ANGESCHMIERT“………gute Aussicht für Inklusion …:-(

    28. April 2016 at 15:00
  • Daniela Piehl

    Das ist mir in Göttingen schon bewußt geworden, leider. 🙁

    28. April 2016 at 14:46
  • R.Schneider

    hab schon so viele Parkhäuser gesehen, wo man nicht nur mit dem Auto schwer um die Ecke kommt, sondern mit dem Rollstuhl auch kaum raus. Sollte eigentlich verboten werden.

    29. April 2016 at 11:02

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