Ärger um Baden-Württembergs neue Behindertenbeauftragte

„Ohne Mitsprache der Betroffenen“: Kritik vom Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung.

Die neue Behindertenbeauftragte Stephanie Aeffner, links Vorgänger Gerd Weimer, rechts  Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha. (Foto: Sozial- und Integrationsministerium Baden-Württemberg)

Die neue Behindertenbeauftragte Stephanie Aeffner, links Vorgänger Gerd Weimer, rechts Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha. (Foto: Sozial- und Integrationsministerium Baden-Württemberg)

Die 40-jährige Sozialpädagogin Stephanie Aeffner aus Heidelberg-Eppelheim soll als neue Landesbehindertenbeauftragte Benachteiligungen behinderter Menschen in Baden-Württemberg beseitigen (ROLLINGPLANET berichtete). „Ich bin mir sicher, dass wir weitere Verbesserungen erreichen werden“, sagte Ministerpräsident und Parteikollege Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstag in Stuttgart, nachdem das Kabinett dem Personalvorschlag von Sozialminister Manne Lucha (Grüne) zugestimmt hatte.

ROLLINGPLANET hält Aeffner für eine gute Wahl. Die Neue selbst betonte, es sei das Besondere an ihrer Bestellung, dass sie als Betroffene das Amt ausfülle. Sie sitzt aufgrund von Muskelschwund im Rollstuhl. „Meine Hoffnung ist, dass ich als persönlich Betroffene zeigen kann, was Menschen mit Behinderungen leisten können.“

„Mammutaufgabe Inklusion“

Der Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung kritisiert hingegen, dass das Amt ohne Mitsprache der Betroffenen und erneut ehrenamtlich besetzt worden sei. Geschäftsführerin Jutta Pagel-Steidl betonte, die Mammutaufgabe Inklusion müsse von einem hauptamtlich Tätigen vorangetrieben werden. Außerdem müsse das persönliche Auskommen abgesichert sein. Bereits in den vergangenen Wochen hatte es an der ehrenamtlichen Praxis Kritik gegeben. In den 44 Stadt- und Landkreisen gibt es allerdings bereits 28 hauptamtliche Behindertenbeauftragte.

Minister Lucha verteidigte die Entscheidung. Es gehe nicht nur darum, Stellen zu schaffen, sondern „moralische Institutionen“. Die Nachfolgerin von Gerd Weimer (68) habe eine gute Geschäftsstelle zur Seite und erhalte eine angemessene Aufwandsentschädigung. Weimer selbst hatte sich hingegen für Hauptamtlichkeit ausgesprochen. Aeffner sagte tapfer, ihr sei die Unabhängigkeit des Amtes wichtig – was soll sie auch anderes sagen zum Amtsantritt.

Für den Fall aber, dass Aeffner in Wirklichkeit denkt, dass Kretschmann ein blöder Geizkragen ist, macht ROLLINGPLANET Hoffnung und verweist auf das bayerische Praktikantenmodell: Nachdem die sehbehinderte Irmgard Badura seit 2009 vier Jahre lang ehrenamtliche Behindertenbeauftragte des Freistaats war, wurde sie 2013 belohnt – mit einem hauptamtlichen Job und knapp 7.000 Euro Monatsgehalt. Wir werden uns 2020 bei Frau Aeffner erkundigen, wie ihr es so ergangen ist.

(RP/mit Materialien von dpa)

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1 Kommentar

  • Lieschen Müller

    und das als Ehrenamt..grrrr……das sollte ein Hauptberufler sein…denn das ist eine Menge Arbeit…sollen Menschen mit Behinderung auch noch umsonst arbeiten ..find ich ein Hammer !!!! 🙁

    27. September 2016 at 20:33

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