AirBerlin-Sauerei: Jetzt wird es hoffentlich eine Staatsaffäre

Peinlich: Jetzt müssen uns sogar die Russen die Menschenrechte erklären. Beim Streit um abgewiesene Rollstuhlfahrer verlangt Moskau Klärung von Berlin.

AirBerlin auf dem Boden der Tatsachen?

Ein Streit um sechs russische Rollstuhlfahrer, die mit einer deutschen Fluglinie nach Düsseldorf reisen wollten (ROLLINGPLANET berichtete: AirBerlin weigert sich, Rollstuhlfahrer mitzunehmen), beschäftigt die Behörden in Moskau und Berlin. Zu dumm aber auch für die Airline: Unter den Abgewiesenen war auch ein echter Staatsduma-Abgeordneter, der Rollstuhlfahrer Wladimir Krupennikow. Und ROLLINGPLANET, ansonsten pazifistisch veranlagt, würde Krupennikow gerne eine Kalaschnikow schenken, damit er Flugpiloten mal beibringt, dass man Behinderte nicht diskriminiert. Leider will der aber lieber den diplomatischen und juristischen Weg gehen.

Außenministerium eingeschaltet

Das Außenministerium in Moskau warf Deutschland heute „grobe Verletzung“ von Menschenrechten vor, weil die Passagiere trotz einer Buchung nicht in der Maschine der Gesellschaft AirBerlin mitgenommen worden seien. Russland fordert von der Bundesregierung eine Aufklärung des Vorfalls, der sich am Montag zugetragen hatte. Dies meldete die Agentur Interfax.

Eine AirBerlin-Sprecherin sagte der Deutschen Presse-Agentur, erst kurz vor dem Abflug habe sich gezeigt, dass die Gruppe nicht richtig für den Rollstuhlservice angemeldet worden sei. Der Kapitän habe interne Sicherheitsbestimmungen einhalten müssen, nach denen auf diesem Flug nur zwei «immobile Gäste» transportiert werden durften – „am Gate stellte sich jedoch heraus, dass alle sechs Rollstuhlfahrer komplett immobil waren“. In der Anmeldung seien noch vier für den Rollstuhlservice bis zur Rampe/Treppe» gemeldet gewesen.

AirBerlin habe für alle sechs Passagiere bei der russischen Gesellschaft Aeroflot ohne weitere Kosten Ersatzplätze gebucht. Aeroflot bestätigte, die Rollstuhlfahrer nach Düsseldorf geflogen zu haben.

(dpa/RP)

Nachtrag: In einer vorherigen Version dieses Textes fehlte die uns erst später bekannt gewordene Information, dass AirBerlin kostenlose Ersatzflüge organisierte. An unserer Kritik – Vorschrift hin oder her – ändert dies jedoch nichts.

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN