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Akzeptiere mich, wie ich bin!

(Foto: letmebeme)

Gegen gehässige Witze und Missverständnisse, für Integration im Job: Das EU-Projekt „Let me be ME!“ untersucht erstmals das Problem des Mobbings bei Menschen mit sogenannter „geistiger Behinderung“ – und rehabilitiert die oftmals umstrittenen Werkstätten für Behinderte.

(RP/pte) – Für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung ist die volle Integration in den Arbeitsmarkt noch in weiter Ferne. Die Betroffen sind oft Zielscheibe von Mobbing und Belästigung am Arbeitsplatz Auch im geschützten Bereich sind Konflikte häufig.

„Teils beginnt dies schon bei unbedachten Aussagen und Handlungen von Kollegen oder Vorgesetzten. Äußerungen wie ‚Arbeite doch mal schneller!‘ oder ‚Jetzt warst du zwei Wochen krank und hast nur gefaulenzt‘ werden von Betroffenen oft als bedrohlich wahrgenommen“, berichtet Carolin Hass, Deutschland-Koordinatorin des Projekts und Psychologin am Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung der Universität Koblenz-Landau.

Demütigung, Täuschung, Abgrenzungen

Neben Witzen berichten Experten auch von Demütigung, Täuschung, Missbrauch und Abgrenzungen nach intellektueller Ausstattung, in manchen Fällen auch von ernsthaften Erpressungen und Bedrohungen.

Betroffenen ist jedoch oft unklar, wie sie das Geschehen einordnen sollen, zudem fällt es vielen schwer, ihre Gefühle und Probleme auszudrücken. „Manche akzeptieren das Mobbing, um sich in eine Gruppe zu integrieren – was die Erforschung des Phänomens deutlich erschwert“, so Hass.

Das EU-Projekt „Let me be ME!“ will auf diese Problematik hinweisen. Es hat zum Ziel, ein Handbuch zum besseren Umgang am Arbeitsplatz zu erstellen und damit langfristig die Inklusion zu fördern.

Professionelle Unterstützung erforderlich

In einer Befragung von 18 Experten aus fünf Ländern konnte bisher gezeigt werden, dass die Art der Vermittlung und Unterstützung ein entscheidendes Kriterium darstellt. Mobbing tritt seltener auf, wenn Menschen mit geistiger Behinderung bei der Integration am Arbeitsplatz professionell unterstützt werden.

„Das größte Ausmaß an Unterstützung erhalten sie in Werkstätten für Behinderte (WfbM) und teilweise auch durch Arbeitsmarkt-Assistenten oder Jobcoaching, wenngleich Letzteres bloß auf drei Jahre begrenzt ist“, erklärt Hass.

Wenn Freunde oder Verwandte hingegen den Job vermitteln, läuft es nur selten gut – laut Hass kommt dies in vielen Fällen dem Wurf ins kalte Wasser gleich. „Das angestrebte Ziel ist es, Menschen mit Lernschwierigkeiten und ganzheitlichem Förderbedarf so normal als möglich zu behandeln. Wichtig ist dabei jedoch, sie nicht zu überfordern“, betont Hass. Auch auf ausreichendes Verständnis des Umfeldes komme es an, da andernfalls oft Neid entsteht – etwa auf Extra-Urlaubstage mit Schwerstbehindertenausweis oder kürzere Arbeitszeiten.

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