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Alle vier Sekunden erkrankt jemand an Demenz: Die neuesten Fakten

Der aktuelle Demenz-Report von Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Alzheimer’s Disease International (ADI) liefert weltweite Zahlen.

In der Tagespflege der Alzheimer-Gesellschaft Sachsen-Anhalt in Magdeburg (Foto: Jens Schlueter/ddp)

Der am Freitag von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Alzheimer’s Disease International (ADI ist die internationale Vereinigung von 78 Alzheimer-Gesellschaften) in Genf veröffentlichte Report „Dementia: a public health priority“ fordert Regierungen, Politiker und alle sonstigen Beteiligten auf, Demenzerkrankungen weltweit als Schwerpunkt der Gesundheitspolitik anzuerkennen und entsprechend zu handeln.

Ein globales Problem

Dazu sagte Heike von Lützau-Hohlbein, Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft: „Der von internationalen Experten ausgearbeitete Report von WHO und ADI enthält die derzeit umfassendste Zusammenstellung des Wissens über die Häufigkeit von Demenzerkrankungen und die Versorgungssituation weltweit, gibt Empfehlungen und zeigt Beispiele guter Praxis. Der Bericht belegt, dass Demenzerkrankungen nicht nur in den westlichen Industrieländern auftreten, sondern dass es sich um ein globales Problem handelt, das weniger entwickelte Länder wie China, Indien und Lateinamerika mit Zunahme der Lebenserwartung besonders dramatisch treffen wird.“

Die wichtigsten Aussagen des Demenz-Reports

35,6 Millionen Menschen sind weltweit von einer Demenzerkrankung betroffen (2010).

Bis 2030 werden es 65,7 Millionen und bis 2050 115 Millionen sein, sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt. Jedes Jahr treten 7,7 Millionen Neuerkrankungen auf. Das heißt, dass weltweit alle vier Sekunden jemand an einer Demenz erkrankt.

Derzeit sind in Deutschland 1,2 Millionen Menschen betroffen, im Jahr 2050 werden es voraussichtlich 2,6 Millionen sein.

Die weltweiten Kosten, gegenwärtig auf 604 Milliarden US-Dollar (471 Milliarden Euro) geschätzt, werden noch schneller als die Zahl der Erkrankungen steigen.

Die Betroffenen leben nach dem Auftreten der ersten Symptome (Gedächtnis- und Orientierungsstörungen) noch viele Jahre. Mit entsprechender Unterstützung können sie weiterhin ein lebenswertes Leben führen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

Die Betreuung und Pflege eines Demenzkranken stellen für Angehörige eine große Belastung dar (man spricht auch vom „36-Stunden-Tag“). Deshalb brauchen sie angemessene soziale, gesundheitliche und finanzielle Unterstützung sowie entsprechende gesetzliche Regelungen.

Das Erfahrungswissen der Angehörigen und die von Menschen mit Demenz geäußerten Wünsche und Bedürfnisse sollten einbezogen werden, wenn es um die Entwicklung von rechtlichen Regelungen und sozialen, medizinischen und pflegerischen Unterstützungsangeboten geht, die sie betreffen.

Möglichst schnell sollten weltweit Initiativen ergriffen werden, um die Gesellschaften insgesamt so zu gestalten, dass Menschen mit Demenz Verständnis und Unterstützung finden. Es gilt, Demenz zu einem Schwerpunkt der Gesundheits- und Sozialpolitik zu machen, in den Ausbau der Unterstützungsangebote zu investieren und die Forschung verstärkt zu fördern.

Den Report kann man hier downloaden: „Dementia: a public health priority“

Brief an Bundeskanzlerin Merkel

Um Verbesserungen zu erreichen, hält der Demenz-Report koordiniertes Handeln aller Beteiligten in den einzelnen Ländern für notwendig. Dr. Shekar Saxena (WHO), Mitautorin des Reports, betonte: „Zur Zeit haben nur acht von 194 WHO Mitgliedsstaaten Nationale Demenzpläne. Wir hoffen, dass die anderen Länder folgen und diesen Report als Ausgangspunkt nutzen werden, um eigene Demenzstrategien zu erarbeiten und umzusetzen.“

Dazu Heike von Lützau-Hohlbein: „Das kann ich aus deutscher Sicht nur unterstreichen. Wir haben Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Brief vom 21. Oktober 2011 aufgefordert, dafür zu sorgen, dass auch in Deutschland ein Nationaler Demenzplan verabschiedet wird, der Standards definiert und eine überprüfbare Umsetzung vorgibt.“

Die Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft betont: „Am dringlichsten ist es, eine frühe Diagnose und die leitliniengerechte Behandlung der Erkrankten zu gewährleisten, ein abgestuftes Versorgungssystem zu schaffen, die Familien zu unterstützen und das bürgerschaftliche Engagement zu fördern“.

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