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Also doch: Polizei fand Testosteronmittel bei Pistorius

Im Wortlaut: Wie der Paralympics-Star die Ereignisse erklärt. Ermittlungsbehörden stellten zwei Kartons mit Präparaten und Spritzen im Haus des sechsmaligen Paralympics-Siegers sicher.

Oscar Pistorius vor dem Magistratsgericht (Foto: AFP)

Oscar Pistorius vor dem Magistratsgericht (Foto: AFP)

Gestern hatte ROLLINGPLANET exklusiv berichtet, dass ein deutscher Spitzensportler der Leichtathletik, der wie Oscar Pistorius beinamputiert ist, es für nicht ausgeschlossen hält, dass auf den Behindertensport möglicherweise ein Dopingskandal riesigen Ausmaßes zukommt – falls sich die Gerüchte bestätigen würden, dass im Anwesen von Pistorius Steroide gefunden worden sind.

Tatsächlich sind im Haus des mordverdächtigen Paralympics-Stars Oscar Pistorius nach Angaben der Polizei das Dopingmittel Testosteron und Spritzen gefunden worden. Dies berichtete der leitende Ermittler Hilton Botha am Mittwoch vor dem Magistratsgericht in Pretoria.

Demnach hätten die Ermittlungsbehörden zwei Kartons mit Testosteronpräparaten und Spritzen im Haus des sechsmaligen Paralympics-Siegers sichergestellt. Der Verteidiger des Beschuldigten, Barry Roux, betonte, es handele sich dabei um pflanzliche Heilmittel und keine Steroide.

Die Ergebnisse der Blut- und Urintests, die nach der Todesnacht von Oscar Pistorius genommen wurden, stehen freilich ebenso noch aus wie das Resultat der pharmazeutischen Tests, ob es sich bei den sichergestellten Medikamenten tatsächlich um Steroide handelt.

IPC sieht keinen Handlungsbedarf

Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon, gehört zur Gruppe der Anabolika und steht auf der Liste der verbotenen Substanzen der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA. Es wird unter anderem verwendet, um einen stärkeren Muskelaufbau und bessere sportliche Leistungen zu erzielen. Eine mögliche Nebenwirkung ist Aggressivität.

Bislang hatte das Internationale Paralympische Komitee (IPC) keinen Handlungsbedarf gesehen und den Fall Pistorius als „Angelegenheit der Polizei in einem Kriminalfall“ angesehen. Craig Spence, der Mediendirektor des IPC, verwies wies auf dem Internetportal „insidethegames“ darauf hin, dass Pistorius im Rahmen der Paralympischen Spielen vergangenen Sommer in London zweimal negativ getestet worden sei, in einem Out-of-competition-Test am 25. August vor und während der Wettkämpfe am 8. September.

ROLLINGPLANET will niemanden vorverurteilen, aber: Man muss nicht auf Lance Armstrong und andere gefallene Superstars verweisen, um zu wissen, dass negative Dopingkontrollen nicht auch immer garantieren, dass Athleten ihre Erfolge mit legalen Methoden errungen haben. Wie auch Behindertensportler dopen, berichtete ROLLINGPLANET im Sommer vergangenen Jahres: Tabuthema „Boosting“ und elektrogeschockte Hoden: Wie Behindertensportler dopen

Heftiger Streit in der Nacht?

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft ihre Mordvorwürfe präzisiert. Pistorius hatte gestern in einer eidesstattlichen Erklärung beteuert, er habe seine Freundin am Valentinstag versehentlich in seinem Haus erschossen, weil er sie für einen Einbrecher gehalten habe. Der Abend sei gut verlaufen, das Paar sei nach 22 Uhr eingeschlafen, hatte Pistorius angegeben: „Am 13. Februar 2013 wollte Reeva mit ihren Freunden ausgehen und ich mit meinen. Reeva rief mich dann an und bat darum, dass wir den Abend doch daheim verbringen. Ich war einverstanden, und wir waren beide zufrieden, gemeinsam ein ruhiges Abendessen zuhause zu haben.“

Die Ereignisse schildert Pistorius, der die „Anschuldigung auf das Schärfste zurückweist”, wie folgt (Quelle: „Bild“):

„Ich wachte in den frühen Morgenstunden des 14. Februar 2013 auf, ging auf den Balkon, um den Ventilator reinzuholen, und schloss die Schiebetüren, die Fensterläden und die Vorhänge. Ich hörte ein Geräusch im Badezimmer und merkte, dass jemand darin war.

…Obwohl ich meine Prothesen nicht anhatte, konnte ich mich auf meinen Stümpfen fortbewegen. Ich glaubte, dass jemand in mein Haus eingedrungen sei. Ich hatte zu große Angst, das Licht anzuschalten. Ich holte meine Neun-Millimeter-Pistole unter dem Bett hervor.

…Es war stockdunkel im Schlafzimmer und ich dachte, Reeva wäre im Bett…

…Ich bemerkte, dass das Badezimmerfenster offen war. Der Eindringling musste in der Toilette sein, denn die Toilettentür war verschlossen und ich sah niemanden im Badezimmer. Ich hörte Bewegung in der Toilette. Die Toilette ist im Badezimmer und hat eine separate Tür.

…Ich feuerte Schüsse auf die Toilettentür und rief Reeva zu, sie solle die Polizei rufen. … Als ich das Bett erreichte, merkte ich, dass Reeva nicht darin war. Da ging mir auf, dass Reeva in der Toilette gewesen sein könnte.

…Ich legte meine Prothesen an, rannte zurück ins Badezimmer und versuchte die Toilettentür einzutreten.

…Ich ging zurück ins Schlafzimmer und nahm meinen Cricketschläger, um die Toilettentür aufzubrechen. …

…Reeva war in sich zusammengesackt, aber am Leben. … Ich trug sie nach unten, um sie ins Krankenhaus zu bringen. … Unten versuchte ich ihr jede Hilfe zu leisten, die ich ihr geben konnte, aber sie starb in meinen Armen.”

„Ich kann nicht verstehen, wie man mir Mord vorwerfen kann, da ich nicht die Absicht hatte, meine Freundin Reeva Steenkamp zu töten.”

Staatsanwalt Gerrie Nel erwiderte heute, ein Zeuge habe zwischen zwei und drei Uhr morgens das Paar gehört, wie es sich „ohne Unterbrechung“ stritt. Der Ermittler Hilton Botha sagte vor dem Gericht in Pretoria aus, der ungenannte Zeuge habe Schüsse gehört. Daraufhin sei er auf seinen Balkon getreten und habe gesehen, dass bei Pistorius im Haus Licht gebrannt habe. „Dann hörte er eine Frau zwei- oder dreimal schreien, dann weitere Schüsse.“

(RP/dpa)


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