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Alt und ausgeliefert: Todesfälle in der „Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf“

Vorwurf der Misshandlungen: Zwei Verantwortliche sitzen in Unterfranken in Haft. Warum fielen die Zustände der Prüfbehörde MDK nicht schon früher auf?

Schloss Gleusdorf (Foto: Wikipedia/Dark Avenger~commonswiki, CC BY-SA 3.0)

Schloss Gleusdorf (Foto: Wikipedia/Dark Avenger~commonswiki, CC BY-SA 3.0)

Nach den ungeklärten Todesfällen in einem Altenheim in Unterfranken weisen die Krankenversicherungs-Prüfer Kritik an ihrer Arbeit zurück. Die „Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf“ in Untermerzbach sei in den vergangenen drei Jahren fünfmal geprüft worden. „Die veröffentlichten Prüfberichte wiesen jedes Mal auf manifeste pflegerische Defizite hin“, erklärte die oberste Ärztin des Bereichs Pflege beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) Bayern, Ottilie Randzio, in Würzburg. Vom gesetzlichen Prüfauftrag her sei es nicht möglich, strafrechtliche
Verfehlungen zu erkennen.

In dem Heim im Landkreis Haßberge sollen Senioren wegen schlechter Versorgung gestorben sein. Im November waren zwei leitende Angestellte unter Totschlagsverdacht festgenommen worden.

Der MDK habe bei seinen Prüfungen die Ernährung und das Wundliegen von Patienten kritisiert, erklärte Randzio. Zudem sei der Einrichtung ein nicht bedarfsgerechter Umgang mit Medikamenten attestiert worden.

Anonymisiertes Fehler-Meldesystem gefordert

Ehemalige Mitarbeiter hatten zuvor Vorwürfe erhoben, die Heimleitung habe Bewohner mit Psychopharmaka „ruhiggestellt“. Auch die Heimaufsicht fand bei einer ihrer Prüfungen Psychopharmaka, die keinem Bewohner zugeordnet werden konnten, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

Randzio forderte ein anonymisiertes Fehler-Meldesystem, in dem Pfleger Mängel melden könnten: „Wenn wir das gehabt hätten, dann wären wir garantiert nicht da, wo wir stehen im Fall Gleusdorf.“

Der MDK ist als unabhängige Institution für die Qualitätsprüfung der Pflegeheime zuständig. Zu Ermittlungen, Beweissicherungen oder verdeckten Operationen sei er aber nicht befugt, erklärte die Ärztin. „Es ist deshalb sehr wichtig, dass Staatsanwaltschaft und Polizei ihre gesetzlichen Sonderbefugnisse zu Ermittlungen auch in Pflegeeinrichtungen intensiv nutzen.“

(dpa)

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