Alternativmedizin: Verband beklagt Wildwuchs bei Angeboten für Osteopathie

Begünstigen Krankenkassen schwarze Schafe bei der Kunst des Heilens mit den Händen?

Alternativmedizin mit Händen (Foto: praxisregner.de)

Osteopathie, die Kunst des Heilens mit den Händen, liegt im Trend. Als Folge der stark gestiegenen Nachfrage nach diesem alternativmedizinischen Behandlungsverfahren herrsche auf dem Anbietermarkt ein für die Patienten schwer zu durchschauender Wildwuchs, kritisierte der Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) heute in Weimar.

Dazu trügen auch gesetzliche Krankenkassen bei, die Osteopathie zunehmend als Zusatzleistungen anböten, sagte die VOD-Rechtsexpertin Sylke Wagner zum Auftakt eines internationalen Kongresses mit 400 Teilnehmern aus 14 Ländern. „Das Problem sind die völlig uneinheitlichen Qualitätskriterien.“ Die rund 2400 Verbandsmitglieder bringen es nach Schätzungen jährlich auf drei Millionen Behandlungen.

Was ist Osteopathie?

Die Osteopathie ist eine Alternativmedizin, die sich mit Funktionsstörungen etwa des Bewegungsapparates befasst. Sie wurde vor mehr als 130 Jahren von dem amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still (1828-1917) begründet. In Deutschland ist sie seit Ende der 1980er Jahre verbreitet. Die Osteopathie versteht sich selbst als ganzheitliche Behandlungsmethode, die vor allem die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren will. Sie geht davon aus, dass Schmerzen an einer Stelle des Körpers oft Ursachen an einer anderen Stelle haben. Die „Werkzeuge“ der Osteopathen sind die Hände – die geschult sind, etwa Blockaden im Bewegungsapparat oder im Magen-Darm-Bereich zu erspüren.

Ein Teil der Krankenkassen bietet Osteopathie unter bestimmten Bedingungen als Zusatzleistung an. Nachgefragt werde dies vor allem von Menschen mit langer Krankengeschichte, die erfolglos schulmedizinisch behandelt würden, sagte VOD-Präsidentin Marina Fuhrmann. Die Verbandschefin verlangte eine staatliche Qualitätssicherung für Osteopathie. „Das geht nur mit einem Berufsgesetz, das verbindliche Ausbildungsstandards festschreibt.“

Unter anderem die Techniker Krankenkasse (TK) und einige Betriebskrankenkassen bieten für ihre Versicherten unter bestimmten Bedingungen die Übernahmen der Kosten für eine osteopathische Behandlung an. Die TK etwa übernimmt nach Angaben einer Sprecherin die Kosten für die Leistungen nur dann, wenn sie von Osteopathen mit mindestens 1350 Stunden Ausbildung erbracht werden.

Wirksamkeit ist umstritten

Die Wirksamkeit der Behandlungsmethode ist in der Fachwelt umstritten. Die Bundesärztekammer hatte im Jahr 2009 osteopathische Verfahren bewerten lassen und war zu dem Schluss gekommen, dass einigermaßen zuverlässige Aussagen zur Wirksamkeit nur bei wenigen Erkrankungsbildern vorliegen, im Wesentlichen bei chronischen Schmerzsyndromen der Wirbelsäule.

Der Präsident der Landesärztekammer Thüringen, Matthias Wesser, sagte, Teile der Osteopathie seien auch in die ärztliche Aus- und Weiterbildung integriert, etwa bei Fachärzten für physikalische und rehabilitative Medizin. „Das betrifft vor allem die manuelle Therapie.“

(dpa)

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