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Homöopathie – welche Krankenkasse sich aufgeschlossen zeigt

ROLLINGPLANET-Tagebuch: Neuer Duft- und Aromagarten für Blinde und Sehbehinderte +++ Cannabis +++ Politische Teilhabe in Sachsen-Anhalt +++ Australische Rekord-Olympionikin Cuthbert gestorben +++ Fixierte Patienten


TAGEBUCH
FREITAG, 11. AUGUST 2017
Krankenkasse

Barmer-Chef zeigt sich offen für Homöopathie

Christoph Straub ist Vorstandsvorsitzender der Krankenkasse Barmer GEK. (Foto: Barmer GEK)

Christoph Straub ist Vorstandsvorsitzender der Krankenkasse Barmer GEK. (Foto: Barmer GEK)

Barmer-Chef Christoph Straub lehnt umstrittene Alternativtherapien in der Medizin wie Homöopathie nicht rundweg ab. Man müsse akzeptieren, dass es in der Medizin immer wieder Phänomene wie den Placebo-Effekt gebe, „die sich nicht mit einem eindeutigen naturwissenschaftlichen Nutzennachweis klären lassen“, argumentierte der Vorstandsvorsitzende der zweitgrößten gesetzlichen Krankenkasse in einem Gespräch mit dem morgen erscheinenden Magazin „Focus“.
Homöopathie wird in der Regel als Pseudowissenschaft gesehen. Das Grundprinzip ist, dass Kranken solche Stoffe in hochverdünnter Form verabreicht werden, die in unverdünnter Form ähnliche Symptome bei Gesunden erwecken würden, wie sie der Kranke durchleidet. Einer solche Therapie, wenn sie denn hilft, wird im allgemeinen ein Placebo-Effekt unterstellt. Ein Placebo ist quasi ein Scheinmedikament, das keine wirksamen Inhaltsstoffe enthält, aber beim behandelten Patienten diesen Eindruck erweckt.
Der Gesetzgeber habe die Kassen verpflichtet, unter bestimmten Voraussetzungen auch alternative Therapien wie eben Homöopathie zu erstatten. In Deutschland würden nur 0,01 Prozent der Leistungsausgaben für Homöopathie aufgewendet, sagte Straub. „Wir leben in einer pluralen Gesellschaft, die diese Behandlungsform wünscht.“ Straub fügte hinzu: „Ich bin dafür, dass wir in Verbindung mit der Schulmedizin diese Therapie über Ärzte mit einer Zusatzausbildung auch erbringen.“ (dpa)

DONNERSTAG, 10. AUGUST 2017
Nordrhein-Westfalen

Mann ohne Gedächtnis – Behörden suchen nach seiner Vergangenheit

Mit einem Foto sucht die Polizei in Dortmund nach Hinweisen auf die Identität des Mannes. (Foto: Polizei Dortmund)

Mit einem Foto sucht die Polizei in Dortmund nach Hinweisen auf die Identität des Mannes. (Foto: Polizei Dortmund)

Ein Mann ohne Gedächtnis stellt die Dortmunder Behörden vor ein Rätsel. Im April hatte die Polizei einen Mann in einem abgestellten Güterwaggon am Hauptbahnhof entdeckt. Er wusste nicht mehr, wer er ist und wie er dorthin gekommen war. Außer ein paar Geschichtsbüchern und Asthma-Spray hatte er nichts bei sich.
Nach erfolglosen bundesweiten Ermittlungen sucht die Polizei nun öffentlich nach Bekannten oder Angehörigen des Mannes. Herr W. – so sein vorläufiger Name – ist etwa 1,90 Meter groß und trägt einen weißen Vollbart. Er kennt weder seinen Namen noch seinen Wohnort oder seine Familie. Nach Angaben der Polizei ist er gebildet, freundlich und im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte.
Wie die Polizei mitteilte, wurde bei Herrn W. eine dissoziative Amnesie diagnostiziert – ein Gedächtnisverlust, der oft durch ein Trauma ausgelöst wird. Die Stadt Dortmund hat dem Unbekannten nun eine kleine Wohnung zur Verfügung gestellt und unterstützt ihn mit Sozialhilfe. (dpa)

Nachtrag 11. August 2017: Der „Mann ohne Gedächtnis“ ist von einem Zeugen identifiziert worden. Bei dem Mann handele es sich um einen 57-Jährigen aus Dortmund, wie die die Polizei mitteilt. Der Fahndungsaufruf ist damit beendet.

MITTWOCH, 9. AUGUST 2017
Frankfurt

Neuer Duft- und Aromagarten für Blinde und Sehbehinderte

Der Palmengarten in Frankfurt am Main ist mit 22 Hektar einer der größten Gärten seiner Art in Deutschland. (Foto: Wikipedia/Anna16, CC BY-SA 3.0)

Der Palmengarten in Frankfurt am Main ist mit 22 Hektar einer der größten Gärten seiner Art in Deutschland. (Foto: Wikipedia/Anna16, CC BY-SA 3.0)

Tropicarium, Schmetterlingshaus und Duftgarten: Rund 20 Millionen Euro werden derzeit im Frankfurter Palmengarten verbaut. Etwa die Hälfte des Geldes fließt in den nächsten Jahren in die Sanierung des 30 Jahre alten Tropicariums, ohne dass davon viel zu sehen sein wird, wie Palmengarten-Chef Matthias Jenny sagte.
Eine andere Investition wird jedoch deutlich erkennbar sein: Im Botanischen Garten, den der Palmengarten vor rund fünfeinhalb Jahren von der Universität und damit dem Land übernommen hat, soll ein Duft- und Aromagarten für Blinde und Sehbehinderte entstehen, so Jenny. (dpa)

DIENSTAG, 8. AUGUST 2017
Gesundheitssystem

Lässt Politik Ärzte nach Cannabis-Freigabe im Stich?

Dose mit Cannabis (Foto: Swen Pförtner/dpa)

Dose mit Cannabis (Foto: Swen Pförtner/dpa)

Der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendieck, hat der Politik vorgeworfen, die Ärzteschaft nach der Freigabe von Cannabis als Medizin im Stich gelassen zu haben. Es gebe keinerlei Regelungen zu den Diagnosen und Indikationen, bei denen Cannabis verordnet werden solle, beklagte Bodendieck laut einer heutigen Mitteilung der Kammer. „Jeder Patient, der glaubt, seine Rückenschmerzen mit Cannabis behandeln zu können, kommt jetzt in die Arztpraxis“, erklärte der Ärztepräsident. Es seien Hoffnungen geweckt, Ärzte und schwerkranke Patienten jedoch im Stich gelassen worden.
Die Sächsische Landesärztekammer wolle nun in Zusammenarbeit mit der Bundesärztekammer eigene Hinweise zur Verordnung von Cannabis erarbeiten. Damit solle Ärzten „zumindest eine fachlich fundierte Handreichung“ angeboten werden. Der Gesetzgeber habe es auch versäumt, eine Altersbegrenzung zu definieren. Zudem würden nicht nur reine Substanzen, sondern auch Nebenprodukte wie das aus Sicht der Kammer giftige Cannabiskraut von der Freigabe erfasst.
Das Gesetz „Cannabis als Medizin“ trat am 10. März in Kraft. Ein Ziel ist eine bessere Schmerzlinderung schwer kranker Menschen. Das Gesetz regelt den Einsatz von Cannabisarzneimitteln, wenn andere nicht mehr helfen. Darüber muss allerdings ein Arzt entscheiden. (dps/sn)

Sachsen-Anhalt

Landtag informiert jetzt auch in Leichter Sprache

Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch (Foto: Peter Gercke/dpa)

Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch (Foto: Peter Gercke/dpa)

Sehr kurze Sätze, einfache Wörter und große Schrift: Sachsen-Anhalts Landtag hat sein Onlineangebot an Informationen um Texte in sogenannter Leichter Sprache ergänzt. „Wir wollen, dass alle Menschen im Land verstehen, was der Landtag ist, was er macht und warum unsere Arbeit wichtig ist“, erklärte Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch heute in Magdeburg.
Leichte Sprache richte sich insbesondere an Menschen mit eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten, Seh- oder Hörbehinderung. Das Angebot könne aber auch Menschen mit geringen Deutschkenntnissen oder Lesefähigkeiten helfen. Insgesamt bietet der Landtag sechs Kapitel in Leichter Sprache an. Sie erklären etwa, was der Landtag tut und wie Gesetze entstehen. (dpa/sa)

MONTAG, 6. AUGUST 2017
Sport

Australische Rekord-Olympionikin Betty Cuthbert gestorben

Die australische Olympia-Rekordhalterin Betty Cuthbert ist tot. Die frühere Leichtathletin und Dreifach-Goldmedaillengewinnerin der Olympischen Spiele 1956 in Melbourne starb im Alter von 79 Jahren, wie der Australische Leichtathletikverband an diesem Montag bestätigte. Sie hatte seit langem Multiple Sklerose und saß im Rollstuhl.
Cuthbert stellte während ihrer aktiven Zeit nicht nur 16 Weltrekorde auf – sie ist bis heute auch die einzige Sportlerin, die im Einzelrennen über 100, 200 und 400 Meter Olympia-Gold holte. Einem Mann ist das noch nie gelungen. Insgesamt holte sie vier olympische Goldmedaillen: Bei den Spielen 1956 über 100 und 200 Meter sowie 4×100 Meter Staffel – und acht Jahre später in Tokio im Einzelrennen über 400 Meter. (dpa)

SONNTAG, 6. AUGUST 2017
Nordrhein-Westfalen

Pflegeheime fixieren Patienten

 Alte Menschen können sich bei Stürzen schwer verletzen. In Heimen werden sie daher oft mit Gurten oder Bettgittern fixiert. Aber wo ist die Grenze zwischen Schutz und Freiheitsberaubung? (Foto: dpa)


Alte Menschen können sich bei Stürzen schwer verletzen. In Heimen werden sie daher oft mit Gurten oder Bettgittern fixiert. Aber wo ist die Grenze zwischen Schutz und Freiheitsberaubung? (Foto: dpa)

Gurte und Bettgitter: Nach Einschätzung der Alzheimer Gesellschaften NRW schränken Pflegeheime in Nordrhein-Westfalen noch zu oft die Bewegungsfreiheit demenzerkrankter Patienten ein. „Wenn ich von Einrichtungen höre, bin ich immer noch schockiert, wie viele davon ihre Patienten fixieren“, sagte die Vorsitzende der Betroffeneninitiative, Regina Schmidt-Zadel, der Deutschen Presse-Agentur.
Zugleich deuten Zahlen und Einschätzungen von Experten darauf hin, dass ein Umdenken eingesetzt hat. Nach Angaben des NRW-Justizministeriums wurden 2015 von Gerichten 9527 offizielle Anträge auf freiheitseinschränkende Maßnahmen bewilligt. Das seien nur noch halb so viele gewesen wie fünf Jahre zuvor. Zahlen für 2016 und 2017 gibt es demnach noch nicht. Unter freiheitseinschränkende Maßnahmen fallen etwa der Einsatz von Gurten und Bettgittern. (dpa)

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