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An den Rollstuhl gefesselt? An den Aldi gefesselt!

Endlich werden auch andere gefesselt: Beim Billigdiscounter müssen Azubis mit Frischhaltefolie ihr Schicksal tapfer meistern.

Mit Frischhaltefolie gefesselt: Szene aus der Filmserie "Dexter"

Mit Frischhaltefolie gefesselt: Szene aus der Filmserie „Dexter“

Abgeschlachtete und in Frischhaltefolien verschweißte Azubis: Demnächst für 99 Cent bei Aldi?  (Foto: hal amanti sotto vuoto)

Abgeschlachtete und in Frischhaltefolien verschweißte Azubis: Demnächst für 99 Cent bei Aldi? (Foto: hal amanti sotto vuoto)

Muss es künftig heißen: „An den Aldi gefesselt!“? Jedenfalls haben wir Rollstuhlfahrer unerwartete Kollegen bekommen.

Der deutsche Lebensmittel-Discounter Aldi Süd hat missliebige Auszubildende in Frischhaltefolie eingewickelt und an einen Pfosten gefesselt, berichtetet der Spiegel heute. Ereignet haben sich die unglaublichen Vorgänge in einem Zentrallager in Mahlenberg in Baden-Württemberg. Das Unternehmen verurteilt die Vorgehensweise scharf und ist um eine lückenlose Aufklärung bemüht.

Verhöhnt und beleidigt

Das Einwickeln der Mitarbeiter ist jedoch nicht die einzige Schikane, die sich einige Azubis haben gefallen lassen müssen. Drei Betroffene äußern sich in einer demnächst erscheinenden Neuausgabe des Buches „Inside Aldi. Tricksen, Vertuschen, Weitermachen“ von Ex-Aldi-Mann Andreas Straub.

So wurde auch das Einsperren der Mitarbeiter in das minus 20 Grad Celsius kalte Tiefkühlabteil vonseiten des stellvertretenden Firmen-Bereichsleiters angedroht. Na, da haben wir Rollstuhlfahrer es aber noch gut. Wir werden nur im tiefverschneiten Winter, wenn wir auf der Straße stecken, tiefgekühlt.

Atmen schwer gefallen

Den Betroffenen nach soll die Folie beim Fesseln an einen Pfosten so stark gespannt worden sein, dass das Atmen schwer gefallen ist. Außerdem sollen die Gesichter der wehrlosen Opfer anschließend mit Edding-Stiften beschmiert worden sein. Immerhin, atmen wir von Kollegen zu Kollegen auf, wurden sie nicht angepinkelt.

Die tätig gewordenen Mitarbeiter orientierten sich nach Angaben eines Ex-Managers von Aldi am Brauch der „Fuxenbrandung“ – so schwärzen Burschenschaftler an. Vorgesetzte haben die Praxis gebilligt und mitverfolgt.

Auf Foto und Video festgehalten

Die „aufmüpfigen“ Auszubildenden konnten sich die eigene Demütigung später im Internet auf Facebook ansehen. Die Prozedur soll von den Kollegen „in bester Laune“ auf Foto und Video festgehalten worden sein.

Die Führungsmethoden in dem Zentrallager dürften keine Seltenheit gewesen sein. Eine Auszubildende hatte sich nicht getraut, Anzeige zu erstatten. „Ich hatte Angst, sofort wieder gekündigt zu werden, da ich noch in der Probezeit war.“

Es geht doch auch ohne Frischhaltefolie (Foto: Angelika Mincke)

Es geht doch auch ohne Frischhaltefolie (Foto: Angelika Mincke)

(RP/pte)

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2 Kommentare

  • Marina Zdravkovic

    Das ist wirklich die Hammermeldung des Tages 🙁

    20. September 2013 at 20:17
  • Einstigerleser

    Wenn ich diesen schwachsinn lese, fällt mir nix mehr ein. Wer hier liest ist selber schuld.

    25. September 2013 at 19:02

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