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Andy Holzer: Alles Gute kommt von oben

Der blinde Bergsteiger klettert für den Kirchentag, der „30 Jahre barrierefrei“ feiert.

Extremsportler Andy Holzer (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Extremsportler Andy Holzer (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag wird den rund 2500 Teilnehmern mit Behinderung – darunter 167 Rollstuhlfahrer und 351 Menschen mit geistiger Behinderung – mehr als 1000 barrierefreie Veranstaltungen bieten (ROLLINGPLANET berichtete: Nach einem Gebet müssen auch Behinderte irgendwo schlafen. Amen).

Der Deutsche Evangelische Kirchentag besteht seit 1949 und findet alle zwei Jahre in einer anderen deutschen Stadt statt. In Hamburg werden vom 1. bis 5. Mai über 100.000 Teilnehmende erwartet. Im Vergleich zum letzten Kirchentag seien die Anmeldezahlen von Menschen mit Behinderung gestiegen. „Jeder ist willkommen, alle sollen teilhaben können“, sagte der Präsident des Kirchentages, Prof. Dr. Gerhard Robbers, am Dienstag. Bereits seit 30 Jahren sei das Großereignis barrierefrei.

Gute Orte für alle: Andy Holzer enthült Banner

Anlässlich dieses Jubiläums gab es heute am Hamburger Gänsemarkt eine besondere Aktion: Der blinde österreichische Extrembergsteiger Andy Holzer (bestieg bereits sechs der sieben höchsten Berge aller Kontinente) seilte sich an einer Hauswand ab. Der 46-Jährige ließ gemeinsam mit Industriekletterern ein 84 Quadratmeter großes Banner mit der Aufschrift „Entdecken Sie Gute Orte für alle“ herab.

Andy Holzer (M) seilt sich von einem Hochhaus ab und enthüllt den Banner "Entdecken Sie Gute Orte für alle" (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Andy Holzer (M) seilt sich von einem Hochhaus ab und enthüllt den Banner „Entdecken Sie Gute Orte für alle“ (Foto: Sven Hoppe/dpa)

„Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass im Alltag viele Hürden lauern. Es war mir darum ein persönliches Anliegen, bei dieser Aktion mitzumachen. Es muss noch viel mehr barrierefreie ,Gute Orte für alle‘ geben“, sagte Andy Holzer.

Unterstützt wird „Gute Orte für alle“ auch vom Netzwerk Kirche Inklusiv und dem Inklusionsbüro der Stadt Hamburg. „Gute Orte für alle sind vor allem Orte, die Begegnung zwischen ganz unterschiedlichen Menschen ermöglichen. Es sind Orte der Teilhabe, des Miteinanders und der Neugier aufeinander. Vor allem geht es um eine Haltungsänderung: Die Barrieren in den Köpfen von uns allen müssen abgetragen werden“, meinte Sozialsenator Detlef Scheele.

Inklusion erstmals Schwerpunktthema des Kirchentags

Besucher des Kirchentages können mit einem blauen Anhänger Hamburger Orte auszeichnen, die besonders behindertengerecht sind. Das Thema Inklusion – also uneingeschränkte Teilhabe in allen Bereichen der Gesellschaft – wird in diesem Jahr erstmals Schwerpunktthema des Kirchentags sein.

1983 hatte der Kirchentag erstmals Menschen mit Behinderung in ein Service- und Begegnungszentrum eingeladen, inzwischen ist er eigenen Aussagen zufolge eine der größten barrierefreien Veranstaltungen der Welt. Die Aktion Mensch unterstützt die Barrierefreiheit auf dem Kirchentag zum dritten Mal mit einer Förderung von 220.000 Euro.

Das Geld wird unter anderem dazu verwendet, um Orte mit Rampen und Induktionsschleifen auszustatten und damit Gebärdensprach- und Schriftdolmetscher die Veranstaltungen begleiten. Erstmals gibt es auch eine Hör-CD im DAISY-Format sowie eine Internetseite in Leichter Sprache für Menschen mit Lernschwierigkeiten.

(RP/dpa)

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