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Angst vor Down-Syndrom: Zahlen Krankenkassen demnächst Bluttests für Schwangere?

Der Bundestagsabgeordnete Hüppe, ehemaliger Behindertenbeauftragter der Bundesregierung, ist entsetzt.

Gutes Geschäft: Die Firma Lifecodexx bietet einen Trisomie-Bluttest an. (Foto: Patrick Seeger/dpa)

Gutes Geschäft: Die Firma Lifecodexx bietet einen Trisomie-Bluttest an. (Foto: Patrick Seeger/dpa)

Anlässlich von Presseberichten über die möglicherweise kommende Kassenleistung eines Bluttests für Schwangere auf Down-Syndrom ihres Kindes erklärt der Gesundheitspolitiker Hubert Hüppe MdB (CDU):

„Der Bluttest auf ein mögliches Down-Syndrom des ungeborenen Kindes dient keiner Therapie, sondern der Selektion von Menschen mit Trisomie 21. Er diskriminiert Menschen mit Down-Syndrom.Daher darf der Test weder von Krankenkassen noch aus öffentlichen Mitteln gefördert werden.

Nach Daten des Auslandes findet bei über 90 Prozent der identifizierten Kinder mit Down-Syndrom eine Abtreibung statt.“

Keine Menschen mehr mit Down-Syndrom?

Die laut Presseberichten erwartete Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Erprobung des „Praenatest“ auf Down-Syndrom könnte mittelbar dem Test den Weg in die Frauenarzt-Praxen ebnen. Dadurch wäre laut Hüppe eine explosionsartige Zunahme der Anwendung zu befürchten: „Die Folge wäre, dass Menschen mit Down-Syndrom nicht mehr geboren werden.“

Hubert Hueppe Hüppe (Foto) gehörte bereits in seiner Amtszeit als Behindertenbeauftragter der Bundesregierung (bis Ende vergangenen Jahres) zu den schärfsten Kritikern des von der Firma Lifecodexx auf den Markt gebrachten Bluttests (siehe ROLLINGLPLANET-Dossier: Legal, illegal? Scheißegal! Downsyndrom-Babys werden aussortiert).


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7 Kommentare

  • Sönke Franz

    Ich will nicht schon wieder anfangen mit dem Recht auf Leben.
    Siehe dazu auch Artikel 10 der UN Behindertenrechtskonvention“ Die Ver­tragsstaaten bekräfti­gen, dass jeder Men­sch ein ange­borenes Recht auf Leben hat, und tre­f­fen alle erforder­lichen Maß­nah­men, um den wirk­samen und gle­ich­berechtigten Genuss dieses Rechts durch Men­schen mit Behin­derun­gen zu gewährleisten.“
    Das der Bluttest mit dem Eltern herausfinden können ob das Kind das Down Syndrom hat von Ärzten so beworben ist ist schon schlimm genug. Vor allem die feministische Bewegung ist mit der Lila Fahne vorweg marschiert damit der § 218a StGB jetzt so im Gesetz steht wie er drinsteht. Dieser § zeigt auf unter welchen Bedingungen ein Schwangerschaftsabbruch in Deutschland überhaupt legal ist. Wie gesagt. Ein Verdienst der Frauenbewegung ist auch total richtig. Eltern können sich gerne weiter der Illusion hingeben, dass die Abtreibung eines Kindes mit einer Genmutation der Weg ist keine behinderten Kinder zu haben. Meine Behinderung ist zwar angeboren aber stellt sich vor dem 3. Geburtstag heraus. In wie weit meine Behinderung in den Genen festgeschrieben ist wird bei betroffenen noch geforscht. Es gibt Behinderungen die erst durch eine Hirnhautentzündung entstehen. Es gibt Sauerstoffmangel bei der Geburt (Übrigens der Löwenanteil warum meine Klassenkameraden in der Förderschule behindert waren) Und natürlich gibt es Verkehrsunfälle. Vor dem allem nützt eine Abtreibung nichts.
    Wie gesagt. Ich räume Müttern das Recht ein wie es auch §218a StGB sagt, dass sie eine Schwangerschaft dann abbrechen können. Was aber nicht geht, dass ich diese Selektion von wertem und unwertem Leben (Und das ganze auch noch auf Deutschem Boden) auch noch durch meine Krankenkassenbeiträge finanzieren soll. Heute reden wir über die Selektion von wertem und unwertem Leben. Morgen könnten wir wieder über Euthanasie sprechen.

    23. Januar 2015 at 16:01
  • Tamara Neubert

    Also Herr Sönke zwischen Euthanasie und Schwangerschafts abbruch ist wohl ein Himmelweiter Unterschied. Ich bitte sie meinen Kommentar unter dem Artikel „Hurra, 15 Kinder mit Down-Syndrom Umgebracht zu lesen. Es gibt immer 2 Seiten einer Medaille.

    Jede Mutter hat das recht Verantwortungsvoll zu Entscheiden ob Sie ein Kind mit Behinderung austragen will oder nicht. Und bei einige dieser Mütter haben meinen Respekt. (siehe meinen Kommentar bei oben genannten Artikel).

    23. Januar 2015 at 17:08
  • dasuxullebt

    @Sönke: ”Die Ver­tragsstaaten bekräfti­gen, dass jeder Men­sch ein ange­borenes Recht auf Leben hat, und tre­f­fen alle erforder­lichen Maß­nah­men, um den wirk­samen und gle­ich­berechtigten Genuss dieses Rechts durch Men­schen mit Behin­derun­gen zu gewährleisten.” – _angeboren_ – um Menschenrechte zu haben muss man geboren worden sein. Irgendwo muss man eine Grenze ziehen. Ich wehre mich dagegen, einem Fötus, der noch garnicht richtig lebt, ein „Recht auf Leben“ einzuräumen. Denn auch das kann man ins Bodenlose weitertreiben, wie man an den Diskussionen zu PID und Stammzellenforschung gesehen hat.

    23. Januar 2015 at 19:16
  • Margret

    Es ist erschreckend, wie hier Eltern angeklagt werden, die eine schwere Entscheidung treffen müssen. Haben Sie denn eine Alternative?
    Manche entscheiden sich für das Austragen andere sehen für sich keine Möglichkeit. Das mag nicht dran liegen, dass sie ein perfektes Designerkind haben wollen – wie ihnen ja stets vorgeworfen wird. Man kann diesen Eltern tatsächlich zutrauen, dass sie sich Gedanken gemacht haben über ihre eigene geistige und körperliche Leistungsfähigkeit, die Stabilität ihrer Beziehung, familiären Rückhalt, finanzielle Ressourcen. Oder kurz: „Schaffen wir das?“

    Eltern „gesunder“ Kinder, die diese Frage mit nein beantworten, haben immernoch die Möglichkeit das Kind wegzugeben. Pflegefamilie, Adoption, ein stabileres Elternhaus, eine glückliche Kindheit. Eltern behinderter Kinder haben diese Möglichkeit nicht. Da bleibt nur das Heim.
    Ich habe vor einiger Zeit einen Artikel dazu gelesen. Eine Familie beschrieb den schweren Entscheidungsprozess ob sie die Schwangerschaft abbrechen sollten oder nicht. Die Option, das Kind falls es nicht ginge, in eine bessere Familie geben zu können, tröstete die Eltern ungemein. Bis ihnen die Dame beim Jugendamt sagte, dass es beinahe aussichtlos sei, für ein behindertes Kind eine neue Familie zu finden.
    Was soll man dazu sagen. Das Kind bekommen, damit es im Heim aufwächst?

    28. Januar 2015 at 12:04
  • Sönke

    Die Diskussion der Abtreibung wollte ich nicht lostreten. Mir ging es darum das dieser Bluttest Kassenleistung werden sollen. Manchmal fragt man sich wozu man Krankenkassenbeiträge bezahlt. Und dann wird so eine Untersuchung Kassenleistung? Das soll ich bezahlen damit das in Konsequenz bedeutet das Mütter die Schwangerschaft abbrechen? Meine Solidariät hat Grenzen. Eigentlich ist der Bluttest so unzuverlässig, dass die Antreibung §218a StGB nach hinten verschoben werden sollte so das man später abtreiben kann. Aber das ist mit Behindertenverbänden natürlich nicht zu machen

    28. Januar 2015 at 18:10
  • Pipi Langstrumpf

    Viele der Frauen, die diese Tests machen lassen und dann abtreiben, argumentieren so:
    „Ich will ein Kind, aber kein behindertes, denn das packe ich nicht, weil die Welt ja so schlecht ist und man dann so viele Hilfen beantragen muss.“
    In meinen Augen disqualifiziert sie das als Eltern.

    Mann kann das schon mit Euthanasie vergleichen, denn in Auschwitz wurden nicht Arbeitsfähige mit Kaliuminjektionen ins Herz getötet und genau so macht man das auch bei Spätabtreibungen. Bis kurz vor der Geburt dürfen lebensfähige und gesunde Kinder auf diese Weise getötet werden, so lange sie sich noch im Mutterleib befinden und so lange der Test von einem Down-Syndrom ausgeht.
    Und da liegt ein eklatanter Verstoß gegen das GG vor, denn ungeborene Menschen ohne Down-Syndrom dürfen keinesfalls so beseitigt werden.
    Schon klar, dass Behindertenverbände diese Ungleichbehandlung nicht so geil finden.

    Und jetzt möchten die Krankenkassen diese Screenings, die sich in 3-5% irren, bezahlen. Man muss sich mal überlegen, was die alles nicht bezahlen und dann ausgerechnet das? Um Kosten zu sparen? Und da soll man nicht an Euthanasie denken? Ist schon viel verlangt.

    29. Januar 2015 at 08:20
  • Franziska

    Ich finde das nicht ok, dass die Krankenkassen so ein Screening zahlen. Ich bin auf jeden Fall gegen die Abtreibung, dem entsprechend bin ich auch bei ProLife Mitglied. Die ein oder andere Krankenkasse bezahlt wirklich wichtige Sachen nicht, aber eben so etwas dann schon. Da läuft meiner Meinung nach etwas sehr schief.

    2. März 2015 at 02:21

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