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Anna Schaffelhuber rast zu zweitem Paralympics-Gold

Mama Beate fix und fertig: „Ich hatte so einen Bammel, wenn man die Stürze von der Abfahrt am Samstag gesehen hat.“ Von Michael Brehme und Martin Kloth

Anna Schaffelhuber holte sich auch im Super-G den Sieg. (Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Anna Schaffelhuber holte sich auch im Super-G den Sieg. (Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Überschattet von schweren Stürzen ihrer Konkurrentinnen ist Anna Schaffelhuber bei den Paralympics zur zweiten Goldmedaille gerast. Nach der Abfahrt gewann die 21-Jährige am Montag auch den Super-G der Frauen und ist drauf und dran, sich zur alpinen Königin der Sotschi-Spiele aufzuschwingen.

„Auf dieser schwierigen Strecke ist sie zurzeit das Maß aller Dinge“, schwärmte der deutsche Verbandschef Friedhelm Julias Beucher nach dem insgesamt dritten Triumph für den Deutschen Behindertensportverband. „Sie hat so souverän Gold geholt, dass sie damit automatisch in die Favoritenrolle rückt“, sagte er mit Blick auf die noch ausstehenden Wettbewerbe Slalom, Riesenslalom und Superkombination.

„Sie kann eine ganz Große werden“

Die technischen Disziplinen sind zudem die stärksten der querschnittsgelähmten Bayerin, die sich vor der Österreicherin Claudia Lösch und Laurie Stephens (USA) durchsetzte. „Jetzt geht alles. Sie kann eine ganz Große werden“, meinte Beucher, auch wenn der frühere Bundestagspolitiker von der Maximalausbeute von fünf Goldmedaillen für das deutsche Covergirl noch nichts wissen wollte.

Verena Bentele hatte 2010 bei den Spielen von Vancouver dieses Kunststück auf der Biathlon- und Langlaufstrecke vollbracht und weit über den Behindertensport Aufmerksamkeit erlangt. Inzwischen ist Bentele die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung.

Schaffelhubers Mama total erleichtert

Schaffelhubers Mama Beate waren mögliche Rekorde völlig egal – sie war nur froh, dass ihre Tochter angesichts der vielen schlimmen Stürze heil unten ankam. „Ich bin erleichtert ohne Ende. Ich hatte so einen Bammel, wenn man die Stürze von der Abfahrt am Samstag gesehen hat, ich war morgens schon fix und fertig“, sagte sie, kurz nachdem sie ihre Tochter wieder in ihren Armen hatte.

Schwere Stürze bei den Paralympics

Nicht nur die Mutter musste sich Sorgen machen ob der vielen schweren Unfälle. Am Montag überschlugen sich die US-Monoskifahrerinnen Alana Nichols und Stephani Victor nach Fahrfehlern auf der Piste in der Luft und mussten mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden. Beide seien „bei Bewusstsein und ansprechbar“, teilte das US-Team kurz darauf mit.

„Es ist sehr warm, die Piste sehr weich – das war die große Herausforderung. Ich habe bei den Schlüsselstellen etwas Tempo herausgenommen“, beschrieb Schaffelhuber ihr Erfolgsrezept bei weiter frühsommerlichen Bedingungen in Krasnaja Poljana.

Erneut vorzeitig Schluss für Rothfuss

„Anna hat alles richtig gemacht, sich auf dieser schweren Piste keinen Fahrfehler geleistet“, bestätigte Beucher. Nur vier von acht Fahrerinnen waren bei den sitzenden Monoskifrauen ins Ziel gekommen. Der deutsche Chef hatte schon am Sonntag die Stürze zum Anlass für Reformüberlegungen genommen. „Ich habe meine Zweifel, ob die Strecke nicht zu schwer ist“, sagte er, schränkte aber ein: „Meine Experten sagen mir, es ist alles okay.“

Andrea Rothfus war die deutsche Fahnenträgerin ((Foto: Julian Stratenschulte/dpa)Bei einem Fahrfehler allerdings sei jeder Athlet „raus und hochgefährdet“, erkannte er. Die deutsche Fahnenträgerin Andrea Rothfuss (Foto: dpa) und Anna-Lena Forster schieden ebenfalls aus, brauchten aber eher seelische anstatt medizinische Unterstützung: Für Rothfuss war im zweiten Paralympics-Rennen bereits zum zweiten Mal vorzeitig Schluss. „Total schade. Ich hoffe, dass Andrea das wegsteckt. Sie ist so nervenstark“, meinte Schaffelhuber.

(dpa)

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