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Arbeit für Menschen mit Behinderung – aber wie?

Erster Arbeitsmarkt und Werkstätten: Der PARITÄTISCHE Hessen veröffentlicht Diskussionspapier zur Inklusion.

Ausschnitt aus dem Titellblatt des Diskussionspapiers (Foto: Der PARITÄTISCHE Hessen e.V.)

Ausschnitt aus dem Titellblatt des Diskussionspapiers (Foto: Der PARITÄTISCHE Hessen e.V.)

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„Sondereinrichtungen sind per se unzeitgemäß“

Die Interessen von Menschen mit Behinderungen dürfen keinesfalls gleichgesetzt werden mit den Interessen von Einrichtungsbetreibern; im Fall der Frage um die Existenzberechtigung von Sondereinrichtungen besteht sogar ein klarer Interessenwiderspruch.
Sondereinrichtungen sind als Segregationseinrichtungen nicht nur für Menschen mit Behinderung per se unzeitgemäß, vor allem aber grundsätzlich menschenunwürdig. (…)

Ich fordere daher hier noch einmal die traditionellen und fortschrittlichen Strömungen auf, über die Laufzeitbegrenzung aller Institutionen in ihrer jetzigen Ausprägung nachzudenken und eine zielführende Perspektive mit zeitlichen Angaben auf den Weg zu bringen, damit die Menschenrechte der Menschen mit Behinderung gewahrt werden.

Dipl. Soz.-Päd. Uwe Frevert, Vorstandsmitglied im Bundesverband der Interessenvertretung „Selbstbestimmt
Leben in Deutschland“ e. V. – ISL[/half] [half_last]

„Wir praktizieren die Einbeziehung und Gleichstellung“

Mit der Inklusion ist es wie mit der Diversity: Wenn dich keiner fragt, wie du aussiehst, ob du arm oder reich bist, welcher Religion du angehörst, wenn es stattdessen heißt, wir heißen dich herzlich Willkommen – dann ist Inklusion erreicht.

Die Werkstätten sind ein wesentlicher Schritt zur barrierefreien Teilhabe am Arbeitsleben. Hier geht es um Respekt und Achtung gegenüber der Vielfalt der Bedürfnisse von Menschen mit und ohne Behinderung.

Wir praktizieren die Einbeziehung, die Gleichstellung und den Gemeinsinn, d. h. es gibt einfach nur Personen (nicht die Einen und die Anderen), die unterschiedliche Bedürfnisse haben und Freiräume brauchen für eigene Erfahrungen.

Conrad Skerutsch, Geschäftsführer „Werkstatt Frankfurt e. V.“

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Die Meinungen gehen weit auseinander

Wo finden Menschen mit Behinderung ihren Platz in der Arbeitswelt? Die Forderung nach Inklusion stellt bisherige Konzepte in Frage. Die UN-Behindertenrechtskonvention fordert einen inklusiven Arbeitsmarkt, der für alle Menschen offen und zugänglich ist. Exklusive Sonder-einrichtungen wie Werkstätten für Menschen mit Behinderungen werden vor diesem Hintergrund zunehmend auf den Prüfstand gestellt.

Der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband Hessen hat dieses Thema aufgegriffen und ein Diskussionspapier veröffentlicht. In der Publikation kommen Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Sozialwirtschaft ebenso zu Wort wie aus Einrichtungen der Behindertenhilfe und Betroffenen-Vertretungen.

Ihre Positionen widersprechen sich zum Teil scharf: Sie reichen von der Forderung, Werkstätten für Menschen mit Behinderungen als „eine der großen und wichtigen sozialpolitischen Errungenschaften der Nachkriegszeit“ zu würdigen und weiterzuentwickeln bis zu der Ansicht, dass über eine „Laufzeitbegrenzung“ für solche Sondereinrichtungen nachgedacht werden müsse.

Kostenlose Broschüre

Aus Sicht des PARITÄTISCHEN Hessen müssen für Menschen mit Behinderungen verstärkt Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem Ersten Arbeitsmarkt geschaffen werden.

Er fordert Hindernisse, die den gleichberechtigten Zugang verhindern oder erschweren, zügig abzubauen. Auf dem Weg zum inklusiven Arbeitsmarkt leisten erste Ansätze wie zum Beispiel Integrationsfirmen einen wichtigen Beitrag.

Das 25-seitige Diskussionspapier „Teilhabe am Arbeitsleben“ ist im Rahmen des Schwerpunktthemas Inklusion entstanden, das sich der
PARITÄTISCHE Hessen für dieses Jahr gesetzt hat. Es möchte einladen, sich eine Meinung zu diesem gesellschaftlich wichtigen Thema zu bilden. Kostenlos erhältlich ist die Broschüre in der Landesgeschäftsstelle des PARITÄTISCHEN, über Email susi.wiese@paritaet-hessen.org (für blinde Menschen/Braille-Zeile: susi.wiese at paritaet-hessen dot org) oder Telefon 069/955262-57.

(PM)

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