""

Arbeit und Ausbildung: Neues 50-Millionen-Euro-Programm für Menschen mit Behinderung

Teilhabebericht rechtzeitig vor der Bundestagswahl beschlossen: Von der Leyen will mehr Beschäftigung von Schwerbehinderten.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) heute in Berlin bei einer Pressekonferenz zum Thema Arbeitsmarktdaten für Juli 2013. (Foto: Rainer Jensen/dpa)

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) heute in Berlin bei einer Pressekonferenz zum Thema Arbeitsmarktdaten für Juli 2013. (Foto: Rainer Jensen/dpa)

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat sich für mehr Beschäftigung von Menschen mit Behinderung ausgesprochen. Mit mehr als einer Million Arbeitsplätzen sei zwar der höchste Beschäftigungsstand von Schwerbehinderten seit 2005 erreicht worden. „Trotzdem müssen wir noch besser werden“, sagte von der Leyen am Mittwoch in Berlin. Um mehr Betroffene in Arbeit zu bringen, würden weitere 50 Millionen Euro bereitgestellt.

Nach dem zuvor vom Kabinett beschlossenen „Teilhabebericht“ arbeiten Menschen mit Beeinträchtigungen häufiger in Teilzeit und erhalten im Schnitt geringere Löhne. Oftmals seien sie auch unterhalb ihres Qualifikationsniveaus beschäftigt und tendenziell häufiger sowie länger von Arbeitslosigkeit betroffen.

Teil massive Einschränkungen

Dem Bericht zufolge nimmt knapp ein Viertel der Menschen mit schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen weitgehend unbehindert am gesellschaftlichen Leben teil. Fast genauso viele Menschen berichteten aber auch von teils massiven Einschränkungen. Die meisten hätten nur einen geringen Bildungsstand und vielfach keinen Berufsabschluss. Trotz chronischer Erkrankungen beantragten Betroffene oft keine Anerkennung als behindert.

Der Teilhabebericht ersetzt die bisherigen Behindertenberichte und soll genauere Angaben über die Lage von Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen liefern. Ende 2011 lebten in Deutschland 7,3 Millionen schwerbehinderte Menschen, das war fast jeder zehnte Bundesbürger. Deutschland hatte sich 2009 mit Ratifizierung einer UN-Konvention verpflichtet, die volle Teilhabe von Behinderten zu gewährleisten.

Erste Reaktionen sind positiv

Der Sozialverband VdK erklärte, der Bericht zeige, dass Menschen mit Behinderung nach wie vor in vielen Bereichen benachteiligt werden. Bund, Länder und Kommunen müssten sich verbindliche Ziele setzen, um die UN-Konvention umzusetzen.

Hubert Hüppe, der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, sagte: „Der Teilhabebericht zeigt deutlich, dass es oft die Lebensverhältnisse sind, die Menschen behindern und nicht ihre Einschränkungen. Seit langem weisen Menschen mit Behinderungen darauf hin, was sie von der gleichberechtigten Teilhabe abhält. Ich bin daher froh, dass ihre Sicht in diesen Bericht eingeflossen ist.“



Außerdem mache der Bericht deutlich, „wie vielfältig die Lebenssituationen von Menschen sind. Darum ist auch klar, die Unterstützung muss den Menschen folgen, nicht umgekehrt. Dieser Bericht macht noch einmal deutlich, dass wir jetzt ein Bundesleistungsgesetz brauchen, um die bisherige Eingliederungshilfe neu zu gestalten.“

(RP/dpa)

Im Service-Bereich von ROLLINGPLANET können Sie den Teilhabebericht herunterladen.


Themenspezial Teilhabebericht der Bundesregierung Zum Service-Bereich von ROLLINGPLANET
Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

5 Kommentare

  • Willi Schroeder

    Dann soll sie Behindertenwerkstätten aufmachen damit auch Menschen mit Behinderung ausgebeutet werden können 😉

    31. Juli 2013 at 15:12
  • wheelchairdriver

    Dann sollte sich Frau von der Leyen auch dafür einsetzen, dass pflegebedürftige Schwerbehinderte nicht die wie Sozialhilfeempfänger behandelt werden, sondern auch ihr hart erarbeiteten Lohn ansparen dürfen! siehe https://www.change.org/de/Petitionen/recht-auf-sparen-und-gleiches-einkommen-auch-f%C3%BCr-menschen-mit-behinderungen-2600#

    31. Juli 2013 at 16:22
  • Uwe Bönisch

    Ers glaubt wird selig…Tatsache ist, das sich mehr Firmen freikaufen (können) als Behinderte einzustellen.

    31. Juli 2013 at 20:14
  • Gabi Bornheimer

    Das große Problem sind und bleiben eben doch die Werkstätten und ihre starke Lobby. Ein neues Werkstättengesetz wäre dringend erforderlich. Das ist abein Eisen, das allen Parteien zu heiß ist. Für die Arbeitsagentur ist es doch am bequemsten, die Leute in Werkstätten abzuschieben. Auch die meisten Integrationsbetriebe sind leider nicht viel besser, weil Behinderte da meisten doch nur (Hilfs-)Arbeiter Tätigkeiten und keine qualifizierte Arbeit bekommen.

    31. Juli 2013 at 20:29
  • Gaby Spreckels

    Ich fürchte auch, da wird wieder nicht viel mehr als heiße Luft bei rauskommen…..wenn ich mich auf die Arbeitsagentur verlassen hätte, würde ich heute auch in einer Werkstatt versauern! Ich bin statt dessen selbst aktiv geworden und habe mir auf eigene Faust eine Umschulung besorgt….leider ist es immer noch so, dass man sich nur auf sich selbst verlassen kann. Das sind zumindest meine Erfahrungen mit der Arbeitsagentur!!7

    1. August 2013 at 07:34

KOMMENTAR SCHREIBEN