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Zu viel Gas gegeben: E-Rollifahrer rast in Bahngleis

ROLLINGPLANET-Tagebuch: Wahlrecht für Behinderte +++ Sendeplatz von „Menschen – das Magazin“ in Gefahr? +++ DocMorris +++ Aufschwung ohne uns

TAGEBUCH
SONNTAG, 23. MÄRZ 2017
München

Elektrorollstuhl im Bahngleis

U-Bahn-Station „Münchner Freiheit“ (Foto: LepoRello/Wikipedia, CC BY-SA 3.0)

U-Bahn-Station „Münchner Freiheit“ (Foto: LepoRello/Wikipedia, CC BY-SA 3.0)

Zu viel Gas gegeben: Ein Rollstuhlfahrer ist in München am Samstag an der U-Bahn-Station „Münchner Freiheit“ ins Gleisbett gefallen und schwer verletzt worden. Der 56-Jährige fuhr mit seinem Elektrogefährt rückwärts aus einer Aufzugkabine heraus, beschleunigte dabei zu stark und fuhr über die Bahnsteigkante hinaus. Ein Zeuge betätigte sofort den Nothalt, so dass keine U-Bahn in den Bahnhof einfuhr. Zwei Helfer hoben den Mann und den Rollstuhl auf den Bahnsteig. Der 56-Jährige wurde nach Polizeiangaben vom Sonntag in ein Krankenhaus gebracht. (dpa/lby)

SAMSTAG, 22. MÄRZ 2017
Demokratie

Bundestagsvizepräsidentin Schmidt fordert Wahlrecht für tausende Behinderte

Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages (Foto: EPA/Bas Czerwinski)

Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages (Foto: EPA/Bas Czerwinski)

Die Bundestagsvizepräsidentin und Lebenshilfe-Vorsitzende Ulla Schmidt (SPD) wendet sich einmal mehr dagegen, dass zehntausende Menschen mit Behinderungen nicht an der Bundestagswahl teilnehmen dürfen. Im Bundeswahlgesetz müssten Ausschlüsse vom Wahlrecht „schnellstmöglich“ gestrichen werden, sagte Schmidt der Nachrichtenagentur AFP im Hinblick auf die Bundestagswahl im September. „Das Grundrecht zu wählen, muss endlich für alle volljährigen Bürger unseres Landes gelten und die Diskriminierung von Menschen mit geistiger Behinderung, psychischen Krankheiten und Demenzerkrankung ein Ende haben.“ Stern, ROLLINGPLANET

Berlin

E-Rollstuhlfahrer übersieht beim Abbiegen Auto und stirbt

Ein Rollstuhlfahrer ist in Berlin-Reinickendorf mit einem Auto zusammengestoßen und gestorben. Der 67-Jährige fuhr am Samstag in seinem elektrischen Rollstuhl auf der Ollenhauerstraße, wie die Polizei mitteilte. Beim Abbiegen in die Kienhorststraße übersah er ein entgegenkommendes Auto. Bei der Kollision verletzte sich der Rollstuhlfahrer so schwer, dass er noch an der Unfallstelle starb. Der 63-jährige Autofahrer kam leicht verletzt in ein Krankenhaus. (ag)

Rollstuhlbasketball

RSV Lahn-Dill holt den Titel zurück nach Mittelhessen

Das Siegerfoto nach dem Schlusspfiff: RSV Lahn-Dill ist Deutscher Meister 2017. (Foto: Armin Diekmann)

Das Siegerfoto nach dem Schlusspfiff: RSV Lahn-Dill ist Deutscher Meister 2017. (Foto: Armin Diekmann)

Nach dem Deutschen Pokal hat der RSV Lahn-Dill auch den zweiten im Vorjahr an die Thuringia Bulls verlorenen Titel zurück nach Mittelhessen geholt. Die Wetzlarer Rollis siegten am Samstagabend in einem intensiven zweiten Playoff-Duell bei den Thüringern mit 71:63 (13:18/34:25/51:47) und sicherten sich damit das 2:0 in der „best-of-three“- Finalserie – es ist der 13. Meistertitel in der Vereinsgeschichte. Damit hat der RSV Lahn-Dill mit dem bisherigen Rekordmeister USC München, der ebenfalls 13 Titel in seiner Sammlung hat, gleichgezogen. ROLLINGPLANET

Berlin
FREITAG, 21. MÄRZ 2017
Medikamente

DocMorris muss nach nur 48 Stunden Automatenapotheke in Baden-Württemberg schließen

Der Versandhändler DocMorris muss seine umstrittene Automatenapotheke in Baden-Württemberg schon nach gut 48 Stunden wieder schließen. Das Regierungspräsidium Karlsruhe habe wegen Verstößen gegen gesetzliche Auflagen so entschieden, sagte ein Behördensprecher heute, ohne zunächst weitere Details zu nennen. DocMorris hatte die lang geplante Abgabestelle von Arzneimitteln in Hüffenhardt in Baden-Württemberg am Mittwochnachmittag eröffnet. Die Apotheke in dem 2000-Seelen-Dorf war 2015 geschlossen worden, weil sich kein Nachfolger fand.
Nach dem Plan sollten online bestellte Arzneimittel in die von DocMorris gemieteten Räume geliefert werden. Die Beratung sollte per Videochat erfolgen. DocMorris-Personal in den Niederlanden hätte per Knopfdruck das Medikament freigegeben, das dann in Hüffenhardt aus dem Automaten gefallen wäre. Kein Apotheker, sondern ein Manager hätte es dann vor Ort an den Kunden übergeben.
Beim Regierungspräsidium hatte der Versandhändler entsprechend nur ein Arzneimittellager angezeigt. DocMorris hatte damit versucht, das für ihn geltende Apothekenverbot in Deutschland zu umgehen: Wegen des sogenannten „Fremdbesitzverbots“ sind Apothekenketten von Unternehmen untersagt. Die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg hielt das Vorgehen für unzulässig.
DocMorris will sich nicht sofort geschlagen geben. „Wir glauben weiterhin, dass man in Deutschland digitale Projekte zum Wohle aller umsetzen kann“, sagte Geschäftsführer Olaf Heinrich. (dpa)

TV

Sorge um Sendeplatz von „Menschen – das Magazin“

Sandra Olbrich moderiert „Menschen - das Magazin“ (Foto: ZDF/Cornelia Lehmann)

Sandra Olbrich moderiert „Menschen – das Magazin“ (Foto: ZDF/Cornelia Lehmann)

Weil das ZDF-Magazin „ML – Mona Lisa“ im Sommer diesen Jahres eingestellt werden soll, fürchtet Dr. Sigrid Arnade von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL), dass der Sendung „Menschen – das Magazin“ ähnliches widerfahren oder zumindest der gute Sendeplatz verloren gehen könnte. Dies berichtet kobinet. Deshalb wandte sich Arnade in einem Brief an den Intendanten des ZDF Thomas Bellut, denn vor einigen Jahren drohte bereits schon einmal Ungemach für das Magazin, was dann abgewendet werden konnte:

„Wie Sie sicherlich wissen, ist die UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) in Deutschland seit dem 26. März 2009 geltendes Recht. Darin wird die Rolle der Medien in Artikel 8 (Bewusstseinsbildung) speziell angesprochen. In den ,Concluding Observations‘ (deutsch: Abschließende Bemerkungen), die Deutschland nach der ersten Staatenprüfung vom UN-Fachausschuss 2015 mitgegeben wurden, heißt es wiederum, dass öffentliche und private Medien an einer Strategie zur Beseitigung von Diskriminierung behinderter Menschen beteiligt werden sollen“,

schreibt Arnade. „Mit der Sendung ,Menschen – das Magazin‘ ist das ZDF dieser Aufgabe in der Vergangenheit in geradezu vorbildlicher Weise gerecht geworden. Dazu haben sowohl die inhaltliche Ausrichtung als auch der Sendeplatz des Magazins beigetragen: Die Platzierung Samstag nachmittags nach dem Länderspiegel war wohl wesentlich daran beteiligt, das Thema ,Behinderung‘ aus der ,Schmuddelecke‘ herauszuholen, die politischen Dimensionen zu verdeutlichen und Behinderung sowie die Anliegen behinderter Menschen als Querschnittsthemen zu behandeln.“ Kobinet, ROLLINGPLANET

Aufschwung ohne uns

Arbeitsagentur-Chef: Behinderte an Job-Boom teilhaben lassen

Ralf Holtzwart, Chef der bayerischen Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (Foto: dpa)

Ralf Holtzwart, Chef der bayerischen Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (Foto: dpa)

Unternehmen sollten nach Ansicht der bayerischen Arbeitsagenturen Behinderte stärker als bisher am aktuellen Job-Boom teilhaben lassen. Viele Menschen mit Handicap verfügten über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder hätten ein Studium beendet; viele seien zudem sehr engagiert und hätten Berufserfahrung. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sollten daher Unternehmen diese Chance erkennen und Behinderte einstellen, appellierte der Chef der bayerischen Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA), Ralf Holtzwart, in Nürnberg.
Zwar seien im Jahr 2015 knapp 172 000 schwerbehinderte Menschen im Freistaat beschäftigt gewesen; dies seien 2,9 Prozent mehr als im Jahr davor. Dennoch kämen knapp ein Drittel der öffentlichen Arbeitgeber und 64 Prozent der privaten Unternehmen ihrer Pflicht zur Beschäftigung von behinderten Menschen nicht oder nicht in vollem Umfang nach, berichtete Holtzwart. Viele Behinderungen seien gar nicht sichtbar. „Und dort, wo es erforderlich ist, kann individuelle Unterstützung gewährt werden, um einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz behindertengerecht zu gestalten“, betonte der Behördenchef. (dpa/lby)

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