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Architekt helfe mir, Amen: Sterben mit Martin Luther jetzt auch barrierefrei

Das UNESCO-Weltkulturerbe zeigt so eine Art historischen Gruselfilm, der als Ausstellung getarnt ist.

Das Sterbehaus von Martin Luther in Eisleben (Foto: dpa)

Das Sterbehaus von Martin Luther in Eisleben (Foto: dpa)

Liebe kommt vom Herzen oder aus dem Himmel und nicht aus dem Geldbeutel, hat dieser Mann tatsächlich geglaubt. Er ist einer unser berühmtesten Revoluzzer und sah partout nicht ein, dass man Gott ständig mit Ablasszahlungen bestechen muss. Am 17. April 1521 stand Martin Luther (1483-1546) vor dem Reichstag zu Worms, wurde vor den versammelten Fürsten und Reichsständen verhört und letztmals zum Widerruf seiner 95 Thesen aufgefordert, die er an der Schlosskirche zu Wittenberg (ROLLINGPLANET gab es damals noch nicht) veröffentlich hatte.

Nach einem Tag Bedenkzeit und im Wissen, dass dies seinen Tod bedeuten könne, lehnte Luther ab: „(Da) … mein Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, ich kann und will nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen.“ Die oft zitierte Version „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen“, ist nicht bewiesen. Klingt aber auf jeden Fall gut.

Moderner Museumskomplex dank Neubau

Und das auch: Sein Sterbehaus in Sachsen-Anhalt, eine der berühmten Luther-Gedenkstätten, ist seit kurzem wieder zugänglich – und das ebenso für Rollstuhlfahrer und andere Gehbehinderte. Das Gebäude des Kirchenreformators Martin Luther in Eisleben, am 1. Februar neu eröffnet, gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und wurde in den vergangenen zwei Jahren für etwa 5,8 Millionen Euro instand gesetzt und durch einen Neubau zu einem modernen Museumskomplex erweitert.

Der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), würdigte die Wiedereröffnung als weiteres Etappenziel der Lutherdekade. Luthers Sterbehaus sei nun für Christen und Touristen aus aller Welt noch attraktiver geworden, sagte er.

In dem erhaltenen historischen Gebäude am Andreasplatz in Eisleben starb Luther am 18. Februar 1546 im Alter von 62 Jahren (fairerweise muss man erwähnen: nicht getötet von den Kirchenfolterern, sondern gesundheitlich dahingerafft, während einer Reise, um einen Streit in einer Grafenfamilie zu schlichten). Dort berichtet nun die neue Ausstellung „Luthers letzter Weg“ vom Sterben des Kirchenmannes. Zudem zeigt die Schau, wie der Reformator mit Themen wie Sterben und Tod umgegangen sei und welchen Einfluss Luther auf die Sterbekultur hatte, heißt es.

Bahrtuch Luthers im Sterbezimmer ausgestellt

Lutherporträt von Lucas Cranach dem Älteren, 1529

Lutherporträt von Lucas Cranach dem Älteren, 1529

Zu den Höhepunkten gehören den Angaben der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt zufolge die sogenannten „Sterberäume“ mit dem wohl wichtigsten Exponat, dem Bahrtuch mit dem Luthers Sarg bedeckt gewesen sei. Zu den „Sterberäumen“ zählen die Schlafkammer und das Sterbezimmer selbst.

Beide Räume wurden seinerzeit von Friedrich Wilhelm Wanderer (1840-1910) entworfen und sind nun in der historistischen Ausstattung zu sehen. Laut Stiftung wurden alle Objekte und Möbel restauriert. Direktor Stefan Rhein betont: „Besucher haben erstmals die Möglichkeit, alle Räume des vermeintlichen Sterbehauses in einem durchgehenden und barrierefreien Rundgang zu erkunden.“

Den hatte Luther noch nicht: einen Lift

Dafür sorgt ein neuer Fahrstuhl. Im Erweiterungsbau befinden sich Kasse, Museumsshop, Technikzentralen und sanitäre Anlagen. Weiterhin sind im Neubau Räume für Sonderausstellungsflächen, Veranstaltungen und Angebote der kulturellen Bildung entstanden.

Mit der Neugestaltung des Museums konnte mehr Ausstellungsraum geschaffen werden. Statt bisher etwa 200 Quadratmeter Ausstellungsfläche stünden nun rund 450 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Sie sind von April bis Oktober jeweils dienstags bis sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet sowie von November bis März von 10.00 bis 17.00 Uhr.

Webseite: Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt

(RP/Sandra M. Hänel, dapd)

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1 Kommentar

  • skeptikus

    Nach der Überschrift “ so eine Art historischen Gruselfilm, der als Ausstellung getarnt ist.“ hätte ich jetzt ein bisschen mehr inhaltliche Kritik erwartet, statt dass hier nur die offizielle Pressemeldung abgetippt wird. Ihr wart noch gar nicht da, oder?
    .

    28. Juli 2014 at 14:19

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