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ARD dreht Chaotische-Mama-Rollstuhlfahrer-Handbike-Komödie

Miesgelaunter Rollifahrer wird geheilt: Aglaia Szyszkowitz und Roeland Wiesnekker sind die Hauptdarsteller in „Die Wette“.

Hauptdarstellerin Aglaia Szyszkowitz (Foto: KAWA)

So schauen resolute Engel aus, die einen Rollstuhlfahrer ins Leben zurückholen: Hauptdarstellerin Aglaia Szyszkowitz (Foto: KAWA)

So stellen wir uns den gewöhnlichen Film-Plot mit einem Behinderten vor: Verbitterter und einsamer Kerl gammelt freudlos herum, doch dann kommt sie endlich – die Wende. Die Wende ist weiblich, hat eine knackige Figur und lange Haare. Sie platzt herein, wird beschimpft und sagt trotzdem (weil die Wende ein guter Mensch ist, der selbst eine Macke hat): Hey, das Leben ist doch nicht so scheiße, auch Du kannst glücklich werden.

Wir sitzen aufgerüttelt vor dem Fernseher und stimmen nachdenklich zu: Oh, echt, man kann auch als Behinderter fröhlich sein? Echt lustiger Gedanke. Ein anderes, von ROLLINGPLANET geschriebenes Drehbuch, könnte so aussehen: Ein Rollstuhlfahrer sitzt glücklich in seiner Wohnung und wird immer depressiver, weil er zunehmend merkt, dass es mit der Inklusion doch nicht so recht klappt und, wenn er aus dem Fenster guckt, immer noch die gleichen Stufen da sind und Menschen, die achtlos durch die Welt rennen. Das wäre dann aber zugegebenermaßen eher eine Tragödie als eine Komödie.

Außerdem schreibt ROLLINGPLANET sowieso keine Plots, sondern guckt nur zu. Bald werden wir wieder Gelegenheit dazu haben (auch wenn der Sendetermin noch nicht feststeht): Am 5. August haben in Hamburg die Dreharbeiten zu einer ARD-Komödie mit dem Arbeitstitel „Die Wette“ begonnen. Der Film handelt von der Beziehung zwischen der unbeschwert, leicht chaotischen alleinerziehenden Mutter Sophie (Aglaia Szyszkowitz) und dem Rollstuhlfahrer Georg (Roeland Wiesnekker). In weiteren Rollen spielen Martin Rapold, Arsseni Bultmann, Emilie Neumeister, Eva Löbau und Annika Kuhl mit. Am 3. September soll der Film im Kasten sein. Regie führt Tomy Wigand, das Drehbuch schrieb Uli Brée.

Wie im richtigen Leben: Immer miesgelaunter Rollstuhlfahrer

So schauen deutsche Rollstuhlfahrer halt aus: Griesgrämig. Hauptdarsteller Roeland Wiesnekker (Foto: ZDF/Guido Engels)

So schauen deutsche Rollstuhlfahrer halt aus: Griesgrämig. Hauptdarsteller Roeland Wiesnekker (Foto: ZDF/Guido Engels)

Zum Inhalt: Sophie hat alles fest im Griff. Denkt sie. Sie kümmert sich um ihren Sohn Linus und ihre pubertierende Tochter Laura, schmeißt den Haushalt und hat obendrein noch zwei Jobs. Wegen einer Unmenge unbezahlter Strafzetteln landet die alleinerziehende Mutter schließlich vor Gericht. Das Urteil: 300 Sozialstunden in einer stationären Pflegeeinrichtung für Behinderte.

Ihr Pflegefall Georg, seit einem Autounfall auf den Rollstuhl angewiesen, ist immer miesgelaunt, schottet sich von der Außenwelt ab und verliert sich in Selbstmitleid. Sophie beginnt genervt, ihre Pflichtstunden regelrecht „abzusitzen“ und ignoriert zunächst Georgs bösartige Beleidigungen. Doch irgendwann reicht es Sophie, und sie lässt Georg einfach stehen. Den ehemaligen Profi-Sportler Georg motiviert das, an einem Rollstuhl-Marathon teilzunehmen und er hat die Idee zu einer absurden Wette mit Sophie: Er verlangt, dass sie mit ihm trainiert und fordert, sollte er gewinnen, einen einzigartigen Wetteinsatz…

Ihr tägliches Training verbindet beide immer stärker. Aus langsam wachsender Freundschaft wird tiefe Zuneigung. Doch passt ein Mann, der im Alltag permanent Hilfe benötigt, in Sophies Leben? Als Sophie sich für die Vernunft entscheidet und mit den Kindern zu dem wohlhabenden und gut aussehenden Jacques ziehen will, ist dies zunächst ein herber Rückschlag für Georg. Doch er trainiert allein weiter für den Marathon … Wird er am Ende die Wette gewinnen? Um ehrlich zu sein: Wir wissen es auch nicht, man hat es ROLLINGPLANET nicht verraten. Sobald der Sendetermin bekannt ist, geben wir ihn bekannt.

(RP/PM)

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2 Kommentare

  • Karin Becker

    selten so einen mies schauenden Rollifahrer gesehen

    12. August 2014 at 19:13
  • handbiker

    Es gibt diese mies gelaunten und mies drein schauenden Rollstuhlfahrer tatsächlich. Aber es gibt sie nur, weil die Gesellschaft sie dazu gemacht hat. Wer von Außen ständig eingeredet kriegt er sei arm dran und lebensunfähig, obwohl er eine relativ leichte Behinderung hat, verliert seine Lebensfreude. Nicht nur wenn er im Rollstuhl sitzt. Bekommen Rollstuhlfahrer Wertschätzung statt Bevormundung und Diskriminierung, sind sie genauso gut gelaunt wie andere Menschen.

    16. August 2014 at 05:40

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