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ARD: „Sprung ins Leben“ – wenn zu viel Fürsorge behindert

Plötzlich im Rollstuhl: Familiendrama mit Simone Thomalla (Freitag, 20.15 Uhr). Von Anna Ringle-Brändli

Simone Thomalla und Lucas Reiber in "Sprung ins Leben"

Simone Thomalla und Lucas Reiber in „Sprung ins Leben“ (Foto: ARD Degeto/Hardy Spitz)

Der Traum von der Fußballkarriere zerplatzt wie eine Seifenblase: Basti sitzt seit einem Autounfall im Rollstuhl. Am Steuer saß seine Mutter, die seither schwere Vorwürfe plagen. Wird der Jugendliche je wieder laufen können? Simone Thomalla (48) spielt in dem Familiendrama „Sprung ins Leben“ eine überforderte Mutter, die ihren behinderten Sohn vor lauter Fürsorge fast erdrückt. Es ist eine Geschichte von Schicksalsschlägen, aber auch von Hoffnung und neuen Chancen. Das «Erste» strahlt den Film am Freitag (14. März) um 20.15 Uhr aus.

Basti (Lucas Reiber) und seine Mutter Katharina werden nach dem Unfall regelrecht ins kalte Wasser geworfen. Reha-Termine, die Wohnung behindertengerecht ausstatten, Fahrdienste – die alleinerziehende Mutter ist überfordert. Nachts plagen sie Alpträume, weil sie sich die Schuld an dem Verkehrsunfall gibt. „Ich werd‘ sie nie los. Jede Nacht, immer dieselben Bilder.“

„Alles gut?“

"Sprung ins Leben" Simone Thomalla, Lucas Reiber (l.), Götz Otto (r.).  (Foto: ARD Degeto/Hardy Spitz)

„Sprung ins Leben“: Simone Thomalla, Lucas Reiber (l.), Götz Otto (r.).
(Foto: ARD Degeto/Hardy Spitz)

Bei ihrem Job in einem Leipziger Hotel unterlaufen ihr zunehmend Fehler, weil sie wenig Schlaf findet. Sie tritt kürzer – statt den Sprung zur Hotelleitung zu machen, säubert sie jetzt wieder Zimmer. Um mehr Zeit für ihren 17 Jahre alten Sohn zu haben.

Dem ist die gut gemeinte und aufopferungsvolle Fürsorge seiner Mutter bald zu viel. „Lass mich doch einfach mal in Ruhe, Mama“, ist einer der Sätze, die Katharina ständig hört. Aber die Gluckenmutter kann nicht anders: Ständig umarmt, streichelt und küsst sie ihren „Schatz“. Und fragt andauernd: „Geht’s?“ oder „Alles gut?“

Basti muss sich derweil in der Schule und in der Clique einen neuen Platz erkämpfen. Das Leben als „toller Hecht“ ist vorbei, jetzt bekommt er nur noch mitleidige Blicke. Seine Flamme wendet sich ab. Und seine Klassenkameraden? Die wissen nicht genau, wie sie mit ihm umgehen sollen.

Stärken und Schwächen

Seine Stärken zeigt der Film von Matthias Steurer, wenn es zu den Konfrontationen zwischen Mutter und Sohn kommt. Wenn die Figuren kurz davor sind, an ihrer Situation zu zerbrechen. Dann werden die Schwere und die Last deutlich. Die Charaktere geben schließlich nie auf und schöpfen wieder Hoffnung und Mut.

Aber es gibt auch Schwächen im Drehbuch: Manchmal ist die Handlung zu vorhersehbar. Und in TV-Dramen oft wiederzufindende Muster werden hier auch wieder angewandt. Etwa, dass ein Mann in das Leben von der Alleinerziehenden tritt und als Ersatzvaterfigur und Held zwischen Sohn und Mutter vermittelt.

Spätestens jetzt wird Rudi Assauer vermutlich abschalten.

(dpa)

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2 Kommentare

  • Martin

    Es freut mich, dass es Leute gibt, die sich um Behinderte kümmern.

    14. März 2014 at 12:33
  • Handbiker

    @ Martin, was willst Du damit sagen? Zuviel Fürsorge bzw. zu viel Hilfsbereitschaft bewirkt genau das Gegenteil. Es tut nicht gut, es schadet. Ich bin froh das einmal gezeigt wurde wie die Gesellschaft gewohnt ist mit uns Rollifahrern um zu gehen und wie schlecht wir uns bei zu viel Fürsorge fühlen.

    16. März 2014 at 04:43

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