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Arkadische Schatten – Die Erben des Kohlhaas zwischen Wille und Willkür

Das Kleisthaus Berlin zeigt vom 29. März bis 23. Mai 2012 Werke von 23 Künstlerinnen und Künstlern mit und ohne Behinderung.

Ausstellung: 'Arkadische Schatten'

Ausstellung: 'Arkadische Schatten'

„An den Ufern der Havel lebte, um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, ein Rosshändler, namens Micheal Kohlhaasss.“ So beginnt die gleichnamige, im Jahr 1810 erschienene Novelle von Heinrich von Kleist. Er wird heute als einer der größten deutschen Dramatiker, Erzähler und Lyriker bewundert – zu Lebzeiten indes war er ein Außenseiter im literarischen Betrieb.

Die Geschichte um den erfolgreichen Pferdehändler, Familienvater und Ehemann Kohlhaas, der für sein Recht kämpft, ist ein Schlüsseltext im Werk des Dichters. Gleich zu Beginn stößt der Titelheld auf einen Schlagbaum, eine Barriere, an der er zu Zollzahlungen genötigt wird. Zwei seiner Pferde und ein Knecht werden als Pfand einbehalten und schwer misshandelt.

Ein furioser Kampf gegen Unrecht

Kohlhaas kann das Unrecht nicht fassen, wendet sich an öffentliche Stellen, von denen er jedoch keine Hilfe bekommt. Der Drang nach Gerechtigkeit wird zu Kohlhaas einzigem Lebensinhalt. Er begehrt auf, entfacht eine Revolte und kämpft dabei mit Mitteln, die den eigenen moralischen Ansprüchen oftmals nicht genügen. Eine willkürlich gesetzte Barriere erzeugt Unrecht, welches neues Unrecht verursacht. Ein ganzes Land versinkt im Chaos. Ein akzeptiertes Mitglied der Gesellschaft wird zum Außenseiter.

Die neue Ausstellung im Kleisthaus „Arkadische Schatten – Die Erben des Kohlhaas zwischen Wille und Willkür“ beschäftigt sich mit möglichen Konsequenzen von Ausgrenzung durch das willkürliche Setzen von Barrieren. Arkadien waren ein Bergland auf dem Peloponnes in Griechenland und in der Antike ein Hirtenland, welches in der Dichtersprache zum Land der Seligkeit und des Glücks idealisiert wurde.

23 Künstler schaffen einen Bezug zur Gegenwart

Werke von 23 Künstlerinnen und Künstlern mit und ohne Behinderung werden um acht zentrale Zitate der Erzählung inszeniert, die einige Aspekte dieses gesamtgesellschaftlichen Themas umreißen. Die Kunstwerke porträtieren Menschen, die aus verschiedensten Gründen gegen die starren Maßstäbe unserer nach Perfektion strebenden Gesellschaft kämpfen müssen. Sie leben im Schatten einer scheinbar arkadischen Welt, in der Anderssein zumeist als Makel aufgefasst wird und in welcher der Wille, am Leben teilzuhaben, abprallt an der Willkür menschlicher Idealvorstellungen.

Das Kleisthaus ist seit März 2001 der Sitz des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, der das Gebäude umbauen ließ. Es ist seitdem eine Kultur- und Begegnungsstätte, die für Menschen mit und ohne Behinderung gleichsam genutzt werden soll.

Kleisthaus, Mauerstraße 53, 10117 Berlin
Ausstellung vom 29.03. bis 23.05. 2012
Vernissage am 29.03.2012 (Beginn: 19:00 Uhr)

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