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Ärztemangel wird „wie ein Tsunami“ über uns hereinbrechen: Demnächst keine Docs mehr?

Frank Montgomery, Präsident der Deutschen Ärztekammer (Pressefoto)

Frank Montgomery, Präsident der deutschen Bundesärztekammer (Pressefoto)

In der EU werden bis 2020 mehr als 230.000 Ärzte fehlen. Gleichzeitig plant die EU-Kommission das Medizinstudium von sechs auf fünf Jahre zu verkürzen, offiziell bei gleicher Stundenanzahl.

(pte) – Diese und andere Themen wurden auf dem internationalen Symposium „Arzt sein in Zukunft“ am Wochenende in Wien diskutiert. „Man wird noch 70-jährige Ärzte auf Knien bitten, ihre Ordination weiterzuführen“, prophezeit Österreichs Ärztekammerpräsident Walter Dorner.

Wie einen Tsunami sieht Frank Montgomery, Präsident der deutschen Bundesärztekammer Veränderungen in die Medizin hereinbrechen und zeigt sich kritisch: „Wir müssen Ärzten die Bedingungen liefern, die sie wünschen, anstatt vorzuschreiben, wie sie zu arbeiten haben.“ Auch wenn die „Götter in Weiß“ noch immer die Beliebtheitsskala in der Bevölkerung anführen, mache sich angesichts Überlastung und Stundenlöhnen um die zehn Euro unter ihnen ein „extremer Zukunftspessimismus“ breit.

So habe man das „Spiel“ mit rund 440.000 Ärzten zu lange mitgemacht. Auch der äußerst erfreuliche Anstieg an Ärztinnen bringe im Gesundheitssystem nur bedingt Entlastung. „Drei Ärztinnen arbeiten naturgemäß so viel wie zwei männliche Kollegen“, weiß Montgomery. Man müsse jetzt handeln, denn nach dem Ärztemangel droht der Pflegemangel. „Task shifting“ sei eine Möglichkeit. Über 30 Prozent der ärztlichen Tätigkeit entfallen beispielsweise auf Bürokratie, sagt der deutsche Ärztepräsident.

Honorarärzte nicht gescheitert

Im Aufschwung befinden sich Honorarärzte, erklärt Montgomery, die früher noch als „karrieremäßig gescheitert“ galten. Rund 6.000 davon arbeiten gegenwärtig oft über Vermittlungsagenturen „sogar stundenweise“ in den Krankenhäusern. Das Modell „medizinische Versorgungszentren“ rückt ins Blickfeld: Von diesem lange Zeit abgelehnten „Zwitterwesen“ gibt es mittlerweile 1.765 Einrichtungen in Deutschland. Deren profitorientierte Führung durch Kapitalgesellschaften war von Anbeginn befürchtet worden, ist laut Montgomery neuerdings aber erst zu 49 Prozent möglich.

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