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Auf den Hund gekommen: Worauf muss ich achten?

Wer aufhört zu arbeiten, steht vor einem neuen Abschnitt: mehr Zeit, unter Umständen weniger Kontakt zu anderen Menschen. Viele Rentner interessieren sich dann für einen Hund. Hier gibt es für sie (und Jüngere) Tipps für eine Partnerschaft ohne Reue. Von Marco Engemann

Empfohlen: Havaneser

Empfohlen: Havaneser

Treuer Begleiter, bester Freund – Hunden wird nachgesagt, als Haustier ganz besonders gut zum Mensch zu passen. Viele Besitzer kommen erst spät auf den Geschmack: Doch worauf sollten Ältere (und auch Jüngere) achten, wenn sie sich für einen Hund interessieren?

Die wichtigste Entscheidung trifft der Hundehalter in spe schon zu Beginn. „Wie bei allen Anschaffungen kann man am Anfang den größten Fehler machen“, sagt Udo Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH). „Auf die inneren Werte kommt es an.“

Viele machten den Fehler und gingen rein nach Äußerlichkeiten. Die Entscheidung für die Art des Hundes sei so wichtig, dass man fast schon Maßstäbe wie bei einem menschlichen Partner anlegen müsse. Kopernik zufolge gibt es rund 340 verschiedene Rassen. „Und die sehen nicht nur unterschiedlich aus, sondern haben auch alle was anderes im Kopf.“

Welche Rasse empfiehlt sich?

Empfohlen: Französische Bulldogge

Empfohlen: Französische Bulldogge

Wichtig ist demnach vor allem, dass der Hund charakterlich zu Frauchen oder Herrchen passt. „Manche Rassen haben Allrad-Antrieb“, sagt Kopernik. Zu große und kräftige Hunde könnten mit dem Zug an der Leine dann speziell ältere Menschen – und Rollstuhlfahrer, wie ROLLINGPLANET weiß – überfordern.

Daher rät er dazu, sich die Auswahl nicht leicht zu machen: „Man kann mit den Rasseführern aus den Buchhandlungen anfangen. Aber das beratende Gespräch mit dem Züchter kann das nicht ersetzen.“ Dem Züchter solle man offen die eigenen Erfahrungen mit Haustieren schildern – nur dann könne dieser ein passendes Tier empfehlen.

Sabine Winkler vom Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater (BHV) empfiehlt Älteren mit Vorerfahrung, Vorlieben bei der Rasse kritisch zu überprüfen. Beliebt seien bei Senioren etwa die sehr lebhaften und kräftigen Boxer. Passender sind der Expertin zufolge aber Rassen wie Havaneser, Französische Bulldogge oder Collie. „Das sind Hunde mit tollen Persönlichkeiten.“

Wo es Hilfe und Beratung gibt

Empfohlen - wenn das Herrchen nichts mehr sieht, braucht es der Wuffi ja auch nicht mehr: Bearded Collie

Empfohlen – wenn das Herrchen nichts mehr sieht, braucht es der Wuffi ja auch nicht mehr: Bearded Collie

Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund empfiehlt die Beratung im Tierheim. „Die Leute dort wissen, welche Fehler gemacht werden bei der Auswahl – schließlich werden Tiere nach einiger Zeit oft wieder zurückgebracht“, sagt er. Über Patenschaften könne man hier geeignete Tiere kennenlernen, bevor man sie mit nach Hause nimmt. Bei Züchtern solle man darauf achten, dass sie nur bei Bedarf Tiere aufziehen – und nicht aus geschäftlichen Interessen Hunde etwa auch im Internet anbieten würden.

Im Alter spielen noch weitere Aspekte eine Rolle. Eine mögliche Erkrankung des Partners oder von sich selbst sollten laut Kopernik von vornherein bedacht werden. „Ich rate, schon vorher sicherzustellen, dass sich dann jemand um das Tier kümmert.“

Außerdem sei das Alter des Hundes wichtig: „Wer sich mit 80 Jahren einen Welpen zulegt, sollte beachten, dass er in 15 Jahren vielleicht nicht mehr so aktiv sein kann.“ Sabine Winkler hat einen Tipp für Notsituationen: „Es gibt Tierschutzorganisationen, die für solche Fälle Patenschaften anbieten.“

Ganz kostenlos ist ein Hund nicht

Auch die harten Fakten sind zu bedenken. Bei wem die Rente schon knapp ist und die Wohnung teuer, der sollte gut rechnen. 60 bis 120 Euro monatlich könnten je nach Größe des Tiers und Wohnort schon anfallen, sagt Kopernik. Futter, Arztbesuche und Impfungen sowie die Hundehalter-Haftpflicht müssen ins Budget passen.

Für den Fall einer nötigen Operation sollte laut Sabine Winkler eine entsprechende finanzielle Rücklage vorhanden sein. Obendrauf kommt die Hundesteuer. Schwerbehinderte können einen Antrag auf Befreiung stellen – für Empfänger von Sozialleistungen gibt es meist Nachlässe. Dies gilt jedoch nicht für alle Städte – es empfiehlt sich, vorher nachzufragen.

Ist der Hund erst da, sollten die Besitzer gelassen reagieren, wenn nicht alles reibungslos klappt. „Manche machen sich immer mehr Stress damit, dass ihr Hund perfekt sein muss. Dabei geht es nie so glatt wie im Bilderbuch – ein Hund ist ein Stück Natur“, sagt Winkler.

Und das Beste zum Schluss

Wenn Senioren sich die Hundehaltung in Vollzeit doch nicht zutrauen, gibt es für Hundeliebhaber aber auch andere Modelle. „Berufstätige geben Hunde oft für einige Stunden in die Tagesbetreuung, da können sich Ältere trotzdem an den Hunden erfreuen – so eine Art Hundesharing“, sagt Winkler.

Wenn Mensch und Tier zusammenpassen, sieht Udo Kopernik aber viel Freude auf Zwei- und Vierbeiner zukommen. „Der Flirt-Faktor ist ja auch für Senioren nicht uninteressant: Man kommt auf der Straße und im Park einfach leichter ins Gespräch, wenn man über den Hund reden kann.“

(dpa/tmn, Fotos: Wikipedia/Szabozs. Wikipedia/marbla123. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.)

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