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Auf der Spur von Diabetes, Tetanus und anderen Krankheiten: Medizin-Nobelpreis für Thomas Südhof

Der gebürtige Deutsche teilt sich die Auszeichnung mit James Rothman und Randy Schekman aus den USA.

Thomas Südhof, wie ihn der Zeichner sieht (Foto: Nobelprize)

Thomas Südhof, wie ihn der Zeichner sieht (Foto: Nobelprize)

Der Medizin-Nobelpreis geht in diesem Jahr an den gebürtigen Deutschen Thomas Südhof. Er wurde 1955 in Göttingen geboren und studierte auch an der Universität der Stadt, wo er 1982 seine Doktorarbeit abschloss. Daraufhin ging er an die Universität von Texas und 2008 an die Standford Universität.

Südhof sei „eine sehr starke und fordernde Persönlichkeit, sehr ehrlich und offen“, aber auch in seiner Kritik immer konstruktiv, erläuterte Nils Brose, Direktor am Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin in Göttingen. Er arbeitete jahrelang mit dem neuen Medizin-Nobelpreisträger zusammen. Südhof sei ein „sehr guter Mentor und kollegialer Unterstützer, der seinen Mitarbeitern gegenüber sehr großzügig ist“.

Südhof teilt sich die Auszeichnung mit James Rothman und Randy Schekman aus den USA. Die drei Forscher haben wesentliche Transportmechanismen in Zellen entdeckt, deren Defekte Grundlage von Diabetes, Tetanus und vielen anderen Krankheiten sind. Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist mit umgerechnet 920.000 Euro (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

Vesikel-Transportsystem erforscht

In den Zellen werden Stoffe oft in winzigen Bläschen, den Vesikeln, verpackt und weitergeleitet. „Ohne diese wunderbar präzise Organisation würde die Zelle im Chaos versinken“, schreibt das Nobel-Komitee.

„Ein defektes Vesikel-Transportsystem kommt in einer Reihe von Krankheiten vor“, erläuterte die Vorsitzende des Komitees, Juleen Zierath. Das Transportsystem spielt etwa eine Rolle bei der Nervenleitung und im Hormonsystem oder bei Immunkrankheiten (siehe auch ROLLINGPLANET-Interview: Medizin-Nobelpreis für einen Deutschen: Was haben wir davon?).

„Tetanus ist etwa eine Krankheit, die diesen Vesikel-Transport beeinflusst“, sagte Jan-Inge Henter von der Nobel-Jury. Sein Kollege Göran Hansson ergänzte: „Sie (die Entdeckung) hat bislang nicht zu Medikamenten geführt, aber zu Diagnosen.“

Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Nobelpreises benannt. Die feierliche Überreichung findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Die Medizin-Nobelpreisträger seit 2003

Der Medizin-Nobelpreis wird seit 1901 verliehen. Die erste Auszeichnung ging damals an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring für die Entdeckung der Serumtherapie gegen Diphtherie. Die Preisträger der vergangenen zehn Jahre waren:

2012: Der Brite John Gurdon und der Japaner Shinya Yamanaka für die Rückprogrammierung erwachsener Körperzellen in den embryonalen Zustand.

2011: Bruce Beutler (USA) und Jules Hoffmann (Frankreich) für Arbeiten zur Alarmierung des angeborenen Abwehrsystems. Ralph Steinman aus Kanada entdeckte Zellen, die das erworbene Immunsystem aktivieren. Er war kurz vor der Verkündung gestorben und bekam den Preis posthum.

2010: Der Brite Robert Edwards für die Entwicklung der Reagenzglas-Befruchtung.

2009: Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak (alle USA) für die Erforschung der Zellalterung.

deutschland_kleinklein2008: Harald zur Hausen (Deutschland) für die Entdeckung der Papilloma-Viren, die Gebärmutterhalskrebs auslösen, sowie die Franzosen Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier für die Entdeckung des Aidserregers HIV.

2007: Mario R. Capecchi, Oliver Smithies (beide USA) und Sir Martin J. Evans (Großbritannien) für eine genetische Technik, um Versuchsmäuse mit menschlichen Krankheiten zu schaffen.

2006: Die US-Forscher Andrew Z. Fire und Craig C. Mello für eine Technik, mit der sich Gene gezielt stumm schalten lassen.

2005: Barry J. Marshall und J. Robin Warren (beide Australien) für die Entdeckung des Magenkeims Helicobacter pylori und dessen Rolle bei der Entstehung von Magengeschwüren.

2004: Richard Axel und Linda Buck (beide USA) für die detailgenaue Enträtselung des Geruchssinns.

2003: Paul C. Lauterbur (USA) und Sir Peter Mansfield (Großbritannien) für ihre wesentlichen Beiträge zur Anwendung der Kernspintomographie in der Medizin als neuartiges und schonendes Diagnoseverfahren.

(dpa)


Themenschwerpunkt Nobelpreis für Medizin 2013
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