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Aufregung um Blindenfußball-Satire: taz lässt Ultimatum verstreichen

Die tageszeitung will sich nicht entschuldigen, aber erklären. Was sagt eigentlich der betroffene Sportler Robert Warzecha zu dem Thema?

Da sah jemand rot: DBS-Präsident Beucher verlangt von der taz eine Entschuldigung.

Da sah jemand rot: DBS-Präsident Beucher verlangt von der taz eine Entschuldigung.

Die taz ist der Forderung des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) nicht nachgekommen, sich bis Dienstag – dem internationalen Tag der Menschen mit Behinderung – für einen satirisch gemeinten Beitrag über den Blindenfußballer Sportler Robert Warzecha zu entschuldigen.

DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher hatte sich bei taz-Chefredakteurin Ines Pohl über die „Entgleisung“ beschwert und ihr geschrieben: „Wir sind weder humorlos noch haben wir etwas gegen Satire. In diesem Fall bitten wir Sie, den redaktionellen Missgriff, der nicht das Werk eines Einzelnen sein kann, zu tadeln. Niemand soll sagen, er habe das nicht bemerkt.“

Das stand in der taz

In der Rubrik „Gurke des Tages“ versuchte die taz einen satirischen Beitrag – herausgekommen ist das:
EinsPlus zeigt am Sonntag eine Reportage über „Robert Warzechas Weg in die Blindenfußball-Nationalmannschaft“, wie der Fernsehsender jetzt in einer Pressemitteilung ankündigte. Wer immer auch Robert Warzecha ist, dafür braucht es doch keine Fernsehreportage. Der Weg des blinden Fußballers lässt sich doch auch in wenigen Worten nacherzählen: „Aua, huch, oh, nanu, uups, oje, hoppla, ach, seufz, o weh … Sorry, Schiri. Ich dachte, Sie wären dieser verdammte Torpfosten!“

Seit zwei Tagen beschäftigt die ROLLINGPLANET-Meldung über die „Gurke des Tages“ (so heißt die Rubrik, in der am Wochenende die taz ihr Stück veröffentlichte) unsere Leser/innen – sie hat aber kaum Empörung ausgelöst. Ganz anders war dies noch im Falle des „Focus-Money“-Chefredakteurs Frank Pöpsel, der den grünen Fraktionschef Anton Hofreiter und dessen „Leichte Sprache“ verhöhnt hatte.

Der blinde Aktivist Bert Bohla empfiehlt in seinem ROLLINGPLANET-Blog, den B(lindenfußb)all flach zu halten: „Man sollte keine Minderheit so diskriminieren, dass man keine Witze mehr über sie reißt. Inklusion bedeutet selbstverständlich auch, dass man als Mensch mit Behinderung ebenfalls das Recht hat, ab und zu mal durch den Kakao gezogen zu werden.“

Was sagt der Betroffene?

Blindenfußballer Robert Warzecha (Screenshot/EinsPlus)

Blindenfußballer Robert Warzecha (Screenshot/EinsPlus)

Was aber meint eigentlich der Blindenfußballer Robert Warzecha, den die taz verulkt hatte? Der 26-Jährige sagte, beim Hören des Textes sei er „erst einmal sprachlos“ gewesen und dann „beleidigt für meinen Sport“. Es habe ihm „weh getan, dass da einer, der noch nie ein Fußballspiel der Blinden gesehen hat, der den Film nicht gesehen hatte, mir unterstellt, ich könnte einen Schiedsrichter – also einen Menschen – nicht von einem Stück Aluminium unterscheiden“.

Erklärung angekündigt: Michael Ringel von der taz (Foto: taz)

Erklärung angekündigt: Michael Ringel von der taz (Foto: taz)

Die taz kündigte für die kommende Samstagsausgabe eine Stellungnahme durch den verantwortlichen Redakteur Michael Ringel an. Er ließ Beucher wissen, dass die taz „normalerweise nicht auf Stellvertreter-Empörung reagiere“. Warzecha erwartet nichts Gutes für den Samstag, seit er mit Ringel telefoniert hat und dem die Erklärung vom Samstag bereits vorliegt: „Entschuldigt hat er sich bei mir nicht. Er tut in seinem neuen Beitrag ja sogar so, als hätten wir gemeinsam gescherzt.“

(RP)


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6 Kommentare

  • Tünni

    Im TAZ-Artikel geht es nicht um den DBS, warum er glaubt, ein Ultimatum setzen zu können ist mir schleierhaft.

    5. Dezember 2013 at 10:09
  • Scott

    Komisch, oben in dem Artikel steht, Robert Warzecha, den die taz verulkt hatte, sei „beleidigt für meinen Sport“. Es habe ihm „weh getan“ …gestern schrien der TAZ-Redakteur allerdings genau das Gegenteil: Robert Warzecha habe ihn angerufen und gesagt, er habe über die Glosse gelacht.
    Ja was denn nun?
    Ich persönlich denke, auf manche Witzchen sollte man im Zweifelsfall lieber verzichten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich deswegen jemand ausgegrenzt fühlt.

    8. Dezember 2013 at 11:54

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