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Ratten attackieren schlafende Querschnittsgelähmte und fügen ihr 225 Wunden zu

ROLLINGPLANET-Tagebuch: Wahllokale +++ Tränen in der „Höhle der Löwen“ +++ Diskriminiert RTL Menschen mit Behinderung? +++ Neues Buch „Inklusive Kulturpolitik“ +++ Aus Liebe zum Bruder mit Down-Syndrom tätowiert +++ Fehlerhafte Todesbescheinigungen


TAGEBUCH
FREITAG, 8. SEPTEMBER 2017
Frankreich

Ratten attackieren Querschnittsgelähmte

In der nordfranzösischen Stadt Roubaix wurde ein querschnittsgelähmtes Mädchen von einer Horde Ratten schwer verletzt. Die 14-Jährige erlitt 225 Verletzungen am ganzen Körper. Die Tiere griffen in der Nacht an, wie die Polizei mitteilte. Das Mädchen lag in ihrem Bett und konnte sich aufgrund der Lähmung nicht wehren. „Wir haben sie in einer Blutlache gefunden“, sagte der Vater zu der französischen Zeitung „La Voix du Nord“ . Die Jugendliche wurde mit Verletzungen im Gesicht, am Hals und an den Beinen in ein Krankenhaus eingeliefert.
Der Vater des Opfers erstattete Anzeige gegen den Wohnungseigentümer und die Stadt Roubaix. Er hatte wiederholt gefordert, dass eine Ansammlung von Mülltonnen in dem Stadtteil entfernt wird. Spiegel Online, ROLLINGPLANET

Fußball

Rollstuhlfahrer-Plätze: MSV Duisburg in der Kritik

Der MSV bietet nicht genügend Rollstuhlfahrer-Plätze.

Der MSV bietet nicht genügend Rollstuhlfahrer-Plätze.

Spätestens zur neuen Saison soll die Zahl der Rollstuhlfahrer-Plätze beim Zweitbundesligisten MSV Duisburg von 46 auf 56 steigen. Wie MSV-Sprecher Martin Haltermann sagte, sind für die komplette Hinrunde bereits alle vorhandenen 46 Plätze für Rollstuhlfahrer und jeweils eine Begleitperson vergeben. 23 davon sind in den Händen von Dauerkartenbesitzern, 38 Personen stehen auf der Warteliste. Allerdings will der Verein auf die große Nachfrage reagieren und zumindest zehn zusätzliche Plätze zur Verfügung stellen.
Friedrich W. Kleinekathöfer, der mit einem Rollstuhlfahrer befreundet ist, können die Aussagen des MSV nicht besänftigen. Ganz im Gegenteil: „Zehn Plätze mehr? Das ist doch ein Witz, lächerlich“, so der Buchholzer. „Für einen Verein, der wieder was sein will, ist das traurig, nicht angemessen und schlichtweg inakzeptabel.“ Dabei sei die Arena bei Heimspielen doch regelmäßig halb leer. Wehmütig denke er an die Zeiten im alten Wedau-Stadion zurück, „als hunderte, festlich dekorierte Rollstühle, beinahe die ganze Tartanbahn säumten“. WAZ

DONNERSTAG, 7. SEPTEMBER 2017
Hessen

Sozialverband: Viele Wahllokale nicht barrierefrei

Mehrere Wahllokale in Hessen sind nach Ansicht des Sozialverbands Vdk nicht barrierefrei. „Viele Menschen mit Behinderungen und Mobilitätseinschränkungen werden bei der Bundestagswahl am 24. September ihre Stimme nicht persönlich abgeben können“, sagte heute der Landesvorsitzende Paul Weimann in Frankfurt. „Ihnen bleibt als Ausweg nur die Briefwahl.“
Mitglieder der Vdk-Ortsverbände würden am Wahltag überprüfen, ob etwa die Gebäude barrierefrei zugänglich, die Kabinen hell genug und die dort aufgestellten Tische mit einem Rollstuhl unterfahrbar seien. Zudem werde im Vorfeld den Wahlleitern Hilfe bei der Beseitigung von Hindernissen angeboten. Das Problem der nicht barrierefreien Wahllokale gibt es leider nicht nur in Hessen – sondern gilt nach wie vor bundesweit. (RP/dpa/lhe)

MITTWOCH, 6. SEPTEMBER 2017
Medien

Mutter präsentiert künstliches Gleichgewichtsorgan

Mutter und Tochter gestern Abend in der „Höhle der Löwen“: Am Ende gab es Start-up-Kapital für eine technische Entwicklung, die Menschen mit einer Behinderung das Leben erleichtern soll. (Foto: VOX)

Mutter und Tochter gestern Abend in der „Höhle der Löwen“: Am Ende gab es Start-up-Kapital für eine technische Entwicklung, die Menschen mit einer Behinderung das Leben erleichtern soll. (Foto: VOX)

Erfolgreicher Deal und viele Emotionen: In der „Höhle der Löwen“ sorgten Anna Vonnemann und ihre Tochter Dindia Gutmann gestern für Tränen bei den Juroren. Dindia müsste nach den Prognosen von Ärzten eigentlich im Rollstuhl sitzen, denn noch vor der Geburt erlitt sie einen Schlaganfall. Dass es dazu nicht kam, verdankt sie ihrer Mutter Anna, die aus der Not heraus ein künstliches Gleichgewichtsorgan erfunden hat. Jetzt soll dieses Gerät mit finanzieller Hilfe der „Löwen“-Investoren Carsten Maschmeyer und Dagmar Wöhrl auch anderen Schlaganfall-Patienten zugänglich gemacht werden. Vox

DIENSTAG, 5. SEPTEMBER 2017
Medien

„Dance Dance Dance“: Diskriminiert RTL Menschen mit Behinderung?

Nazan Eckes und Jan Köppen moderieren die Show „Dance Dance Dance“. (Foto: Henning Kaiser/dpa)

Nazan Eckes und Jan Köppen moderieren die Show „Dance Dance Dance“. (Foto: Henning Kaiser/dpa)

Diesen Freitag startet die zweite Staffel der Promi-Tanzshow „Dance Dance Dance“ bei RTL. Doch nun steht die bereits aufgezeichnete Unterhaltungssendung plötzlich in einem ganz schlechten Licht da. Eine Zuschauerin aus dem Studiopublikum wirft RTL öffentlich Diskriminierung von Behinderten vor.
In einem Facebook-Eintrag beschreibt die junge Frau, was sie bei der Aufzeichnung von „Dance Dance Dance“ bei der Verteilung der vorderen Publikumssitzplätze beobachtet haben will. „Oft wurden Personen versetzt um an anderen Stellen Lücken zu füllen. Das ist ja ganz normal. Doch auf einmal bemerkten wir, wie eine Platzanweiserin drei Damen darum gebeten hat aufzustehen und die Plätze zu verlassen.“
Facebook-Posting

Facebook-Posting

Bei den drei Verwiesenen soll es sich laut den Schilderungen der Zuschauerin um eine Frau mit Down-Syndrom und ihren Begleitungen gehandelt hat. „Stattdessen durften sich drei sehr junge attraktive Damen auf die Plätze setzen. Die anderen mussten an den Rand, mit dem schlechtesten Blick den dieses Studio zu bieten hatte“, beschreibt sie die Szene. Nach Ansicht der Zuschauerin sollen auch andere Menschen mit Handicap auf „schlechte“ Plätze gesetzt worden sein. Focus Online

MONTAG, 4. SEPTEMBER 2017
Termintipp für den 27. September

Berlin: Buchpräsentation „Inklusive Kulturpolitik – Menschen mit Behinderung in Kunst und Kultur“

Die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele, lädt am 27. September 2017 von 19.00 – 21.30 Uhr in Berlin, Mauerstraße 53, zur Buchpräsentation „Inklusive Kulturpolitik – Menschen mit Behinderung in Kunst und Kultur“ von Dr. Jakob Johannes Koch (Hrsg.) ein.
Effektive und nachhaltige inklusive Kulturpolitik ist eines der wichtigen Instrumente der Inklusionsförderung. Weit über die Gelegenheit zur barrierefreien Kunstrezeption hinaus, kann sie die aktive Teilhabe von Künstler*innen mit Behinderungen fördern und ihnen einen gleichwertigen Zugang zum Kunst- und Kulturmarkt eröffnen. Schon deswegen bietet sie die Chance, bislang ungenutzte Potentiale erfahrbar zu machen und das inklusive Bewusstsein pointiert zu fördern. Dr. Jakob Johannes Koch geht als Herausgeber des soeben erschienenen Buches „Inklusive Kulturpolitik, Menschen mit Behinderungen in Kunst und Kultur“ gemeinsam mit zahlreichen namhaften Experten analytisch, verständlich und zugleich einfühlsam der Frage nach, in welchem Zustand sich die inklusive Kulturpolitik in Deutschland aktuell befindet. Wo kommen wir her? Wo stehen wir? Wo wollen wir hin?
Ulla Schmidt, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, wird in einem Grußwort kurz in das Thema einführen und Dr. Jakob Johannes Koch wird Entstehung und Zielsetzung des Buches erläutern. Anschließend diskutieren Verena Bentele (Behindertenbeauftragte der Bundesregierung), Olaf Zimmermann (Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats), Prof. Dr. Irmgard Merkt (Professorin für Rehabilitationspädagogik im Ruhestand), Bea Gellhorn (1. Vorsitzende des Vereins Insider Art) und Dr. Siegfried Saerberg (Lehrbeauftragter mehrerer deutscher Hochschulen) mit dem Herausgeber – und den Gästen. Im Anschluss bietet sich die Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen und zu Gesprächen in kleinerer Runde bei Getränken und einem kleinen Imbiss. Der Eintritt ist frei. (PM)

Solidarität

Aus Liebe für Bruder mit Down-Syndrom: Mann lässt sich Chromosom tätowieren

Eric Anderson hat sich ein Chromosom auf seinem Rücken tätowieren lassen. Der Grund: Er wollte mit seinem Bruder Adam gleichziehen, der mit dem Down-Syndrom zur Welt kam. Das Tattoo ist somit viel mehr als nur ein Körperschmuck.
„Ich widme mein neustes Tattoo meinem Bruder Adam. Menschen mit Down-Syndrom haben ein zusätzliches Chromosom, jetzt sind wir beide gleich“, twittert der Jugendliche, der keinen Unterschied mehr zwischen ihm und seinem Bruder haben wollte. Für die Solidarität wird Eric im Netz gefeiert. Sein Tweet hat in wenigen Tagen über 300.000 Likes bekommen, über 50.000 Mal wurde er geteilt. RTLnext

Mecklenburg-Vorpommern

Fast alle Todesbescheinigungen in Rostock sind fehlerhaft

Nach einer Studie des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Rostock sind bei fast allen untersuchten Todesbescheinigungen aus Rostock und Umgebung Mängel festgestellt worden. Von 10.000 untersuchten Scheinen seien lediglich 223 ohne Fehler gewesen, teilte die Universität am Freitag mit. 27 Prozent der Scheine hätten schwerwiegende Fehler aufgewiesen, vor allem nicht mögliche Ursachenketten bei der Todesursache. „Mit dieser Größenordnung haben wir zu Beginn der Studie nicht gerechnet“, sagte Oberarzt Fred Zack.
Mehr als die Hälfte aller Ärzte mache mindestens vier leichte Fehler pro Schein. Die Gründe sind laut Zack vielfältig. Neben fehlender Spezialisierung trage die Vielzahl an zu beachtenden Gesetzen und die föderale Organisation der Leichenschau in Deutschland zur hohen Fehlerquote bei. (dpa/mv)

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