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Autismus-Ausprägung beginnt bereits im Mutterleib

Erster nicht-genetischer Hinweis: Steroidhormone im Fruchtwasser erhöhen Risiko in der Schwangerschaft

Im Vergleich zu gesunden Männern waren die Autisten im Bauch der Mutter einer höheren Steroidkonzentration ausgesetzt. (Foto: Peter Ries/pixelio.de)

Autisten waren im Bauch der Mutter einer höheren Steroidkonzentration ausgesetzt. (Foto: Peter Ries/pixelio.de)

Autisten sind als Babys im Mutterleib einer erhöhten Konzentration von Steroidhormonen ausgesetzt. Das haben Wissenschaftler der University of Cambridge (Großbritannien) gemeinsam mit Forschern des dänischen Statens Serum Instituts entdeckt. Die Forscher verglichen Fruchtwasserproben von Frauen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Frauen mit einer erhöhten Konzentration von Steroidhormonen im Fruchtwasser häufiger Kinder gebären, die später Autismus entwickeln.

Erster nicht-genetischer Hinweis

Steroidhormone sind etwa Testosteron, Progesteron und Cortisol – das sind Sexualhormone. „Die Ergebnisse könnten uns helfen zu erklären, warum Autismus häufiger bei Männern auftritt“, sagt Experte Simon Baron-Cohen. „Die Steroidhormone sind unser erster nicht-genetischer Hinweis auf die Entwicklung von Autismus bei Kindern.“

Das Team um Baron-Cohen und Michael Lombardo in Cambridge sowie Bent Nørgaard-Pedersen in Kopenhagen untersuchte für die Studie etwa 19.500 Fruchtwasserproben. Sie entnahmen sie einer dänischen „Biobank“, die solche Proben sammelt. Die Wissenschaftler konnten Daten von Frauen ermitteln, die zwischen 1993 und 1999 geboren sind. Die Befunde der Fruchtwasserproben verglichen sie mit dem Vorkommen an Autismus erkrankter Söhne der Frauen.

Warnen vor Steroidhormon-Blockern

Im Vergleich zu männlichen Normalos waren die Autisten im Bauch der Mutter einer höheren Steroidkonzentration ausgesetzt. „Dass ein erhöhter Testosteronspiegel mit einer langsameren Sozial-und Sprachentwicklung, einer Detailverliebtheit – also autistischen Zügen – einhergeht, wussten wir schon“, sagt Baron-Cohen. Nun konnte gezeigt werden, dass zu viele Steroidhormone während der Schwangerschaft bei den Kindern zu Autismus führen können.

„Unsere Ergebnisse sollten aber nicht dazu führen, dass Schwangere Steroidhormon-Blocker einnehmen“, warnt Baron-Cohen. Denn auch dies könnte unerwünschte Nebenwirkungen haben und das Gehirn des Kindes dauerhaft schädigen. Denn die Steroidhormone zeigten zwar ihre Wirkung, die komplexen Zusammenhänge von Autismus müssten aber noch weiter erforscht werden.

(pte)

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5 Kommentare

  • Steroid

    „dass zu viele Steroidhormone während der Schwangerschaft bei den Kindern zu Autismus führen können.“

    Werden hier Kausalität und Korellation verwechselt?

    4. Juni 2014 at 13:56
  • Steroidin

    „Die Ergebnisse könnten uns helfen zu erklären, warum Autismus häufiger bei Männern auftritt“, sagt Expertin Simon Baron-Cohen.

    Wusste nicht, daß Hr. Baron-Cohen eine Umwandlung hinter sich hat… Zum Thema er und seine Forschung sind durchaus ernstzunehmen,

    4. Juni 2014 at 17:11
    • ROLLINGPLANET
      Rollingplanet

      Danke für den Hinweis auf den Fehler. Wir haben Simon Baron-Cohen wieder zu einem Mann gemacht.

      4. Juni 2014 at 17:14
  • Manfred

    Ein gutes Argument für die PID finde ich. Wenn sich Autismus so frühzeitig feststellen lässt, lässt er sich sicher auch verhindern.

    4. Juni 2014 at 17:23

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